Meine Kreditkarten-Kombination 2026 im Alltag
Es gibt eine Frage, die ich häufiger höre als jede andere: "Wenn du die Centurion hast, brauchst du dann überhaupt noch andere Karten?" Die Antwort ist ja. Unbedingt.
Wer in Deutschland lebt und glaubt, mit einer einzigen Kreditkarte auszukommen, wird spätestens an der Kasse im Bioladen, beim Bäcker oder an der Tankstelle auf dem Land eines Besseren belehrt. American Express hat in den letzten Jahren massiv in die Akzeptanz investiert. Aber "massiv investiert" bedeutet nicht "überall akzeptiert". Und genau deshalb braucht jeder Amex-Karteninhaber eine Strategie.
Hier ist meine. Vier Karten, klare Aufgabenteilung, keine Lücken.

Die Ausgangslage: Akzeptanz in Deutschland
Bevor ich die einzelnen Karten vorstelle, muss ich über die Realität der Amex-Akzeptanz in Deutschland sprechen. Nicht die Marketing-Version, sondern die Alltagsversion.
In großen Städten, Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, liegt die Akzeptanz bei geschätzt 70 bis 80 Prozent der Händler, die überhaupt Kartenzahlung anbieten. Supermärkte wie Rewe und Edeka nehmen Amex. Die meisten Restaurants nehmen Amex. Größere Geschäfte nehmen Amex. Online-Shops nehmen Amex fast durchgehend.
Aber: Aldi und Lidl nehmen kein Amex. dm nimmt kein Amex. Viele Bäckereien, Metzgereien, kleinere Cafés und lokale Geschäfte nehmen kein Amex. Auf dem Land sinkt die Akzeptanz deutlich, dort sind es eher 40 bis 50 Prozent.
Das bedeutet: Wenn du konsequent alles auf Amex setzen willst, um Punkte zu maximieren, wirst du regelmäßig an Grenzen stoßen. Du brauchst eine Visa oder Mastercard als Backup. Keine Option, eine Notwendigkeit.
Karte 1: Centurion Card
Meine Hauptkarte für alles, wo Amex akzeptiert wird und wo ich den maximalen Gegenwert haben will.
Wofür ich sie nutze: Restaurants, Hotels, Flugbuchungen, größere Einkäufe online und stationär, Abonnements (sofern Amex akzeptiert), Tankstellen (die großen Ketten nehmen Amex), Supermärkte (Rewe, Edeka), Reisebuchungen jeder Art.
Warum die Centurion und nicht eine andere Amex: Die Membership Rewards Punkte sammeln sich auf der Centurion genauso wie auf der Platinum. Der Unterschied liegt in den Zusatzleistungen: FHR, Concierge, Hilton Diamond, Event-Zugang. Wenn ich die Karte ohnehin habe, nutze ich sie auch als primäres Zahlungsmittel. Jeder Euro Umsatz generiert Punkte, und bei meinem Jahresumsatz summiert sich das.
Was ich darauf nicht zahle: Kleinere Beträge unter 10 Euro, wenn ich das Gefühl habe, dass der Händler die Amex-Gebühren als störend empfindet. Das ist keine Regel, sondern ein Bauchgefühl. Beim Kiosk an der Ecke zahle ich nicht mit der Centurion. Beim Rewe an der Selbstbedienungskasse schon.
Karte 2: DKB Visa Debitkarte
Mein Backup für alles, wo Amex nicht funktioniert. Die DKB ist seit Jahren meine Zweitbank, und die Visa Debitkarte ist das pragmatischste Zahlungsmittel, das es in Deutschland gibt.
Wofür ich sie nutze: Aldi, Lidl, dm, Bäckereien, kleinere Geschäfte, Handwerker, alles auf dem Land. Dazu Online-Shops, die kein Amex nehmen (erstaunlich wenige, aber es gibt sie). Und ganz wichtig: Bargeldabhebungen im Ausland.
Warum die DKB: Kostenfreie Bargeldabhebungen weltweit mit dem Aktivkundenstatus (ab 700 Euro monatlichem Geldeingang). Keine Auslandseinsatzgebühr. Keine Jahresgebühr im Rahmen des Girokontos. Die DKB Visa ist nicht glamourös, aber sie funktioniert. Überall. Immer.
Was sie besser kann als die Centurion: Bargeld. Die Centurion hat keine Bargeldfunktion, die sinnvoll nutzbar wäre. Die DKB Visa liefert weltweit kostenfreies Bargeld. In Ländern wie Japan, wo Bargeld noch eine große Rolle spielt, oder auf Märkten in Südostasien, ist das unverzichtbar.
Limitierungen: Es ist eine Debitkarte, keine echte Kreditkarte. Das bedeutet: Der Betrag wird direkt abgebucht. Für die meisten Einsätze ist das kein Problem. Aber bei Hotelkautionen oder Mietwagenbuchungen, die eine echte Kreditkarte mit Kreditrahmen erwarten, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Für diese Fälle habe ich die nächste Karte.
Karte 3: Barclays Visa
Meine echte Visa-Kreditkarte für die Fälle, in denen eine Debitkarte nicht reicht und Amex nicht akzeptiert wird.
Wofür ich sie nutze: Mietwagenbuchungen bei Anbietern, die keine Amex nehmen oder eine echte Kreditkarte verlangen. Hotelkautionen, wenn ich nicht über FHR oder Amex Travel buche. Online-Käufe bei Händlern, die weder Amex noch Debitkarten akzeptieren (selten, aber es kommt vor). Und als absolute Notfallkarte, falls sowohl Centurion als auch DKB Visa aus irgendeinem Grund nicht funktionieren.
Warum die Barclays: Keine Jahresgebühr. Ordentliches Versicherungspaket (das ich nicht brauche, weil die Centurion alles abdeckt, aber es schadet nicht). Weltweiter Einsatz ohne Auslandsgebühr. Ein echter Kreditrahmen. Die Barclays Visa ist die perfekte dritte Karte: unauffällig, zuverlässig, kostenlos.
Wie oft ich sie tatsächlich nutze: Selten. Vielleicht fünf bis zehn Mal im Monat. Sie ist das Sicherheitsnetz, nicht das Hauptwerkzeug. Aber wenn ich sie brauche, bin ich froh, sie zu haben.

Karte 4: Amex Business Platinum
Die vierte Karte in meinem Setup, und die einzige, die einen spezifischen Zweck hat: geschäftliche Ausgaben von privaten trennen.
Wofür ich sie nutze: Alles, was geschäftlich ist. Geschäftsessen, Flüge für Geschäftsreisen, Hotelbuchungen im geschäftlichen Kontext, Software-Abonnements, Büromaterial, Bewirtungen.
Warum eine separate Karte: Steuerliche Klarheit. Wenn alle geschäftlichen Ausgaben auf einer Karte laufen, ist die Zuordnung am Jahresende trivial. Keine Sortiererei, keine Frage "war das privat oder geschäftlich?", kein Aufwand für den Steuerberater. Die monatliche Abrechnung der Business Platinum ist gleichzeitig eine saubere Aufstellung aller Betriebsausgaben.
Warum die Business Platinum und nicht eine Business Gold: Die Business Platinum bringt eigene Membership Rewards Punkte, die ich mit meinem privaten MR-Konto zusammenlegen kann. Dazu kommt ein eigener Lounge-Zugang, eigene Versicherungsleistungen und der Business-Concierge. Die Jahresgebühr von 720 Euro ist für ein Geschäftskonto vertretbar, zumal sie als Betriebsausgabe absetzbar ist.
Die Punkte-Synergien: Die MR-Punkte aus der Business Platinum fließen in denselben Pool wie die der Centurion. Das bedeutet: Jeder geschäftliche Euro generiert Punkte, die ich privat für Flüge und Hotels einsetzen kann. Bei einem geschäftlichen Jahresumsatz von 30.000 bis 50.000 Euro kommen so zusätzlich 30.000 bis 50.000 Punkte zusammen, die im besten Fall 300 bis 1.000 Euro wert sind.
Die Entscheidung an der Kasse
Im Alltag folge ich einem simplen Entscheidungsbaum. Das klingt nach Überoptimierung, ist aber nach ein paar Wochen Gewohnheit vollkommen automatisch.
Schritt 1: Ist es eine geschäftliche Ausgabe? Ja: Business Platinum. Nein: weiter zu Schritt 2.
Schritt 2: Wird Amex akzeptiert? Ja: Centurion. Nein: weiter zu Schritt 3. Unsicher: Ich frage. "Nehmen Sie American Express?" Die meisten Kassenkräfte wissen das sofort.
Schritt 3: Reicht eine Debitkarte? Ja: DKB Visa. Nein (Mietwagen, Hotelkaution, etc.): Barclays Visa.
Das ist es. Vier Karten, drei Fragen, keine Lücke.
Die Punkte-Strategie
Das Ziel ist simpel: so viel Umsatz wie möglich über Amex abwickeln, um Membership Rewards zu maximieren. Jeder Euro, der nicht über Amex läuft, ist ein verlorener Punkt.
In der Praxis schaffe ich es, etwa 65 bis 75 Prozent meines gesamten Umsatzes über Amex zu leiten (Centurion plus Business Platinum). Der Rest geht über DKB und Barclays, dort sammle ich keine nennenswerten Punkte oder Rewards.
Die gesammelten MR-Punkte transferiere ich primär zu drei Partnern:
British Airways Avios. Hervorragend für Kurzstreckenflüge in der Business Class innerhalb Europas. 1:1-Transfer, und mit Avios lassen sich BA-Flüge zu vernünftigen Preisen buchen. London-Flüge in der Business für 20.000 Avios plus Steuern sind regelmäßig verfügbar.
Singapore Airlines KrisFlyer. Für Langstrecke in der Business oder First Class nach Asien. Der Transfer ist 1:1, und Singapore Airlines hat eines der besten Premium-Produkte der Welt. Ein Flug in der Business nach Singapur für 92.000 KrisFlyer-Meilen ist herausragender Gegenwert.
Hilton Honors. Der Transfer ist 1:2 (1 MR-Punkt = 2 Hilton-Punkte). Kein idealer Kurs, aber wenn ich kurzfristig Hilton-Punkte für eine Buchung brauche, ist es eine brauchbare Option. Grundsätzlich sammle ich Hilton-Punkte lieber direkt über den Diamond-Status.
Was ich nicht tue: Punkte gegen den Amex-Reiseservice einlösen. Der Gegenwert pro Punkt ist dort deutlich niedriger als bei Airline-Transfers. Und ich löse niemals gegen Gutscheine oder Produkte ein. Das ist Punkte verbrennen.
Die Versicherungsfrage
Mit vier Karten habe ich theoretisch vier verschiedene Versicherungspakete. In der Praxis nutze ich nur die Versicherungen der Centurion Card, weil sie die umfassendsten sind.
Auslandsreise-Krankenversicherung: Centurion deckt Reisen bis 90 Tage ab. Die Details der Amex-Versicherungen sollte man einmal durchgelesen haben. Für längere Aufenthalte hätte ich ein separates Paket, aber das kommt selten vor.
Reiserücktrittsversicherung: Centurion, wenn die Reise mit der Centurion gebucht wurde. Wichtig: Die Versicherung greift nur, wenn die Buchung über die Karte lief. Also buche ich Flüge und Hotels, die ich absichern will, immer über die Centurion.
Mietwagenversicherung: Hier nutze ich tatsächlich sowohl die Centurion als auch die Barclays als Backup. Die Centurion bietet Vollkasko-Schutz für Mietwagen. Falls ich einen Mietwagen mit der Barclays buche (weil Amex nicht akzeptiert wird), greift deren Versicherung als Alternative.
Einkaufsversicherung: Die Centurion schützt Einkäufe gegen Beschädigung und Diebstahl für 90 Tage nach dem Kauf. Das habe ich tatsächlich zweimal genutzt, einmal für ein beschädigtes Notebook, einmal für ein gestohlenes Gepäckstück. Beide Male reibungslos abgewickelt.
Mein Rat: Verlasse dich nicht blind auf die Kartenversicherungen. Lies die Bedingungen. Es gibt Ausschlüsse und Obergrenzen, die je nach Situation relevant sind. Für die meisten Reisen reicht die Centurion-Versicherung vollkommen aus. Für spezielle Situationen, etwa Extremsportarten, Reisen in Risikogebiete oder sehr teure Gegenstände, prüfe die Bedingungen vorher.
Das Reise-Setup
Wenn ich verreise, nehme ich nicht alle vier Karten mit. Hier ist, was in die Reisetasche kommt:
Innerhalb Deutschlands und Europa: Centurion plus DKB Visa. Die Barclays bleibt zu Hause. Innerhalb Europas komme ich mit diesen beiden Karten überall durch.
USA: Centurion plus DKB Visa plus Barclays. In den USA ist die Amex-Akzeptanz so hoch, dass ich die Centurion fast überall einsetzen kann. Die DKB ist für Bargeld (kommt in den USA selten vor, aber Trinkgeld ist manchmal bar einfacher). Die Barclays als absolutes Backup.
Asien: Alle drei privaten Karten. Die Akzeptanz variiert stark. In Japan, Singapur und Hongkong nimmt fast jeder Amex. In Thailand, Vietnam oder Indonesien ist Visa die sicherere Wahl. Und Bargeld ist in vielen asiatischen Ländern nach wie vor unverzichtbar, also ist die DKB für Abhebungen essenziell.
Geschäftsreise: Centurion plus Business Platinum plus DKB Visa. Auf Geschäftsreisen will ich die geschäftlichen Ausgaben sauber auf der Business Platinum haben. Alles Private geht über die Centurion.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Ich habe die Kartennummern meiner wichtigsten Karten verschlüsselt in meinem Passwort-Manager gespeichert. Falls eine Karte verloren geht oder gestohlen wird, kann ich sofort die Ersatzkarte anfordern und in der Zwischenzeit online mit den gespeicherten Daten einer anderen Karte bezahlen.
Was ich in Erwägung ziehe
Kein Setup ist perfekt. Es gibt Karten, über die ich nachdenke.
Eine Mastercard als Ergänzung. Es gibt vereinzelt Händler, die zwar Mastercard, aber nicht Visa akzeptieren. In Deutschland ist das extrem selten, aber es kommt vor. In manchen europäischen Ländern, besonders in Osteuropa, soll Mastercard eine minimal bessere Akzeptanz haben als Visa. Bisher habe ich das Problem nicht häufig genug erlebt, um eine zusätzliche Karte zu rechtfertigen.
Die Amex Gold als Alltagskarte. Die Gold bietet 1 MR-Punkt pro Euro (1,5 mit Punkte-Turbo auf die ersten 40.000 Euro). Die Jahresgebühr der Gold liegt bei 240 Euro. Mit Turbo bei 20.000 Euro Jahresumsatz wären das 10.000 zusätzliche Punkte gegenüber der Basis-Rate, also etwa 100 bis 200 Euro Gegenwert. Rechnerisch knapp, und der Aufwand, noch eine Karte zu verwalten, steht für mich nicht im Verhältnis.
Eine Krypto-Karte. Manche Anbieter bieten Karten mit Cashback in Kryptowährungen an. Ich halte das für ein Gimmick, das für die meisten Menschen keinen realen Mehrwert bringt. Die Punkte-Ökonomie von Membership Rewards ist jedem Krypto-Cashback überlegen, wenn man die Punkte sinnvoll einsetzt.
Was ich aus dem Setup genommen habe
Im Laufe der Jahre habe ich Karten hinzugefügt und wieder entfernt. Ein paar Beispiele:
Miles & More Kreditkarte. Hatte ich jahrelang für Lufthansa-Meilensammeln. Seit ich konsequent auf Membership Rewards setze und zu Partnern transferiere, bringt die separate Miles & More Karte keinen Mehrwert mehr. Die Meilen, die ich über Flüge direkt sammle, reichen für gelegentliche Prämienflüge.
Amazon Visa. Hatte ich für das Amazon-Cashback. Seit Amazon Amex akzeptiert, geht alles über die Centurion. Das Amazon-Cashback war ohnehin nur 0,5 bis 3 Prozent, und die MR-Punkte sind bei sinnvoller Nutzung mehr wert.
Revolut. Hatte ich als Reise-Debitkarte für Fremdwährungen. Die DKB Visa deckt das inzwischen genauso gut ab, und ich spare mir eine weitere App und ein weiteres Konto.
Die Philosophie dahinter
Mein Ansatz lässt sich auf einen Satz reduzieren: So viel wie möglich über Amex, den Rest über eine kostenlose Visa, und die Punkte klug einsetzen.
Das bedeutet aktives Entscheiden bei jeder Zahlung. Nicht jeden Tag, aber als Grundhaltung. Wenn ich die Wahl habe, geht die Zahlung über Amex. Wenn nicht, über die DKB. Die Barclays ist das Sicherheitsnetz. Die Business Platinum ist für Geschäftliches.
Der Aufwand ist gering, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Nach ein paar Wochen ist es Routine. Man greift automatisch zur richtigen Karte, ohne darüber nachzudenken.
Der Ertrag ist signifikant. Bei einem Gesamtumsatz von 120.000 bis 150.000 Euro im Jahr (privat und geschäftlich), von dem 70 Prozent über Amex laufen, sammle ich 85.000 bis 105.000 MR-Punkte. Konservativ bewertet sind das 850 bis 2.100 Euro Gegenwert. Das rechtfertigt den Aufwand.
Mein Fazit
Eine Karte reicht nicht. Nicht in Deutschland, nicht mit Amex. Wer das akzeptiert und ein sauberes Multi-Karten-Setup aufbaut, bekommt deutlich mehr Wert aus seinen Karten als jemand, der wahllos mal diese, mal jene Karte zückt.
Mein Setup mit vier Karten ist nicht für jeden richtig. Wer keine geschäftlichen Ausgaben hat, braucht die Business Platinum nicht. Wer keine Centurion hat, nimmt die Platinum als Hauptkarte. Wer kein Amex will, baut ein Setup um Visa und Mastercard auf.
Aber die Grundlogik bleibt gleich: eine Hauptkarte mit starkem Rewards-Programm, eine kostenlose Backup-Karte mit breiter Akzeptanz, und bei Bedarf eine dritte Karte für spezielle Fälle. Drei Karten, klare Regeln, kein Durcheinander.
Welches Setup hast du? Es gibt kein objektiv bestes Kartenportfolio. Es gibt nur das, das zu deinem Ausgabeverhalten, deinem Reiseverhalten und deiner Bereitschaft zur Optimierung passt. Meins funktioniert für mich. Deins muss für dich funktionieren.
