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Amex Platinum 2026: Lohnt sich die 720 Euro Karte?

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Amex Platinum 2026: Lohnt sich die 720 Euro Karte?

720 Euro im Jahr. Das ist der Preis, den American Express für die Platinum Card aufruft. Wenn ich das Leuten erzähle, die keine Kreditkarten-Enthusiasten sind, kommt meistens die gleiche Reaktion: "Für eine Kreditkarte?"

Ich besitze sowohl die Platinum als auch die Centurion. Die Platinum nutze ich trotzdem regelmäßig. Aber ich werde hier keine Lobeshymne anstimmen. Die Karte hat klare Stärken und ebenso klare Schwächen. Ob sie sich für dich lohnt, hängt von deinem Reiseverhalten, deinem Wohnort und deiner Bereitschaft ab, sich mit dem Amex-Ökosystem zu arrangieren.

Die Amex Platinum Card

Die Jahresgebühr in Perspektive

720 Euro klingen erst einmal nach viel. Und das ist es auch. Es gibt Kreditkarten mit solidem Leistungspaket für 0 Euro Jahresgebühr. Die Frage ist nicht, ob 720 Euro viel Geld sind. Die Frage ist, ob du genug Gegenwert herausholst.

Um das zu beantworten, schauen wir uns an, was die Karte konkret liefert. Nicht die Marketing-Versprechen, sondern den tatsächlichen Nutzen im Alltag.

Die harten Gegenwerte

Fangen wir mit den Dingen an, die sich direkt in Euro beziffern lassen.

200 Euro Reiseguthaben pro Jahr. Das ist ein echtes Guthaben, das du bei Buchungen über den Amex Reiseservice einsetzen kannst. Es ist an Amex Travel gebunden, was manchmal etwas einschränkt. Die Preise dort sind in der Regel marktüblich, manchmal etwas höher, manchmal sogar günstiger. Wenn du ohnehin Flüge oder Hotels buchst, sind das 200 Euro, die du so oder so ausgegeben hättest. Effektiver Gegenwert: 200 Euro.

200 Euro SIXT ride Guthaben. Aufgeteilt in acht Teilbeträge à 25 Euro, jeweils nutzbar für SIXT ride Fahrten. Wenn du in einer Stadt lebst, in der SIXT ride verfügbar ist, und gelegentlich Fahrdienste nutzt, ist das realistisch einsetzbar. Wenn du auf dem Land wohnst oder ausschließlich Uber nutzt, verfällt das Guthaben. Effektiver Gegenwert: 0 bis 200 Euro, je nach Nutzung.

Membership Rewards Punkte. Für jeden Euro Umsatz sammelst du einen Punkt. Bei Transfers zu Airline-Partnern liegt der Wert eines Punktes typischerweise zwischen 0,8 und 2,0 Cent. Bei 30.000 Euro Jahresumsatz über die Karte sammelst du also 30.000 Punkte, die zwischen 240 und 600 Euro wert sein können. Das setzt voraus, dass du die Punkte sinnvoll einsetzt. Dazu später mehr.

Dazu kommen 150 Euro Restaurantguthaben und 100 Euro Shopping-Guthaben bei Lodenfrey (2x 50 Euro). Rechnen wir konservativ: 200 Euro Reiseguthaben plus 100 Euro SIXT ride (halbe Ausschöpfung) plus 75 Euro Restaurant (halbe Ausschöpfung) plus 50 Euro Lodenfrey plus 300 Euro Punkte-Gegenwert bei moderatem Umsatz. Das sind 725 Euro. Die Jahresgebühr ist damit bereits gedeckt, und die weicheren Vorteile kommen obendrauf.

Priority Pass: 1.400+ Lounges weltweit

Hier wird es interessant. Die Platinum bringt eine Priority Pass Prestige Mitgliedschaft mit, die allein schon 469 US-Dollar im Jahr kosten würde, wenn du sie separat kaufst. Zugang zu über 1.400 Lounges weltweit, ein Gast ist inklusive.

In der Praxis: Wenn du sechsmal im Jahr fliegst und jedes Mal eine Lounge nutzt, sparst du dir mindestens 180 bis 300 Euro an Einzelzutritten (je nach Lounge zwischen 30 und 50 Euro pro Besuch). Dazu kommt der Komfort. Nicht jede Priority Pass Lounge ist herausragend, manche sind sogar ziemlich enttäuschend. Aber der Zugang an sich, gerade auf langen Umsteigeverbindungen oder bei Verspätungen, ist ein echter Mehrwert.

An deutschen Flughäfen variiert die Qualität stark. In Frankfurt gibt es mehrere Optionen, in München sieht es etwas dünner aus. Aber international, besonders in Asien und im Nahen Osten, gibt es hervorragende Lounges im Priority Pass Netzwerk.

Priority Pass Lounge an einem deutschen Flughafen

Hotel-Status: Hilton Gold und Marriott Gold

Die Platinum bringt automatisch Hilton Honors Gold und Marriott Bonvoy Gold mit.

Hilton Gold ist dabei der wertvollere der beiden. Du bekommst kostenfreies Frühstück in den meisten Hilton-Häusern weltweit, Upgrades (sofern verfügbar beim Check-in) und 80% Bonus auf Hilton-Punkte. Das Frühstück allein kann bei einem dreitägigen Aufenthalt 100 bis 150 Euro wert sein. Wer regelmäßig in Hilton-Hotels übernachtet, zieht hier erheblichen Nutzen.

Marriott Gold ist weniger beeindruckend. Du bekommst ein Upgrade innerhalb der gleichen Zimmerkategorie (also Standard zu einem besseren Standard, nicht zu einer Suite) und 25% Bonus-Punkte. Kein automatisches Frühstück. Seit Marriott die Statusleiter angepasst hat, ist Gold nicht mehr das, was es mal war. Nett, aber kein Kaufargument.

Fine Hotels & Resorts

Das Fine Hotels & Resorts Programm (FHR) wird oft übersehen, ist aber einer der besten Platinum-Vorteile. Bei Buchungen über FHR bekommst du in ausgewählten Luxushotels: garantiertes Zimmer-Upgrade bei Verfügbarkeit, frühes Einchecken, spätes Auschecken bis 16 Uhr, Frühstück für zwei Personen und ein Hotel-Guthaben von typischerweise 100 US-Dollar.

Die Zimmerpreise über FHR sind in der Regel identisch mit der besten flexiblen Rate des Hotels. Du zahlst also den gleichen Preis, bekommst aber Zusatzleistungen im Wert von 150 bis 300 Euro dazu. Wenn du zwei bis drei Mal im Jahr über FHR buchst, kann das allein mehrere hundert Euro Gegenwert bringen.

Der Haken: Die Auswahl ist begrenzt. Nicht jedes Hotel ist dabei. Und du musst über Amex Travel buchen, was bedeutet, dass du keine externen Loyalty-Punkte für die Buchung sammelst (außer bei Hilton und Marriott, wo der Status trotzdem anerkannt wird).

Reisepass und Platinum Card

SIXT Platinum Status

Die Platinum bringt den SIXT Platinum Status mit. Das bedeutet: Upgrades bei Verfügbarkeit, bevorzugte Fahrzeugauswahl, kein Warten am Schalter. Wer regelmäßig Mietwagen braucht, spart sich hier das mühsame Erfahren eines Status bei SIXT.

In der Praxis bekomme ich bei SIXT mit dem Platinum Status in etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle ein Upgrade. Nicht garantiert, aber häufig genug, um einen Unterschied zu machen.

Versicherungen

Die Platinum kommt mit einem soliden Versicherungspaket: Auslandsreise-Krankenversicherung, Reiserücktrittsversicherung, Gepäckversicherung, Mietwagenversicherung. Die Qualität ist ordentlich, nicht herausragend. Die Auslandsreise-Krankenversicherung gilt für Reisen bis zu 90 Tagen, was für die meisten Urlaubs- und Geschäftsreisen ausreicht.

Wenn du bisher separate Reiseversicherungen abgeschlossen hast, kannst du dir hier je nach bisherigem Versicherungsumfang 50 bis 200 Euro im Jahr sparen. Allerdings empfehle ich, die Versicherungsbedingungen genau zu lesen. Es gibt Ausschlüsse und Einschränkungen, die je nach Reiseverhalten relevant sein können.

Der Concierge-Service

Ein Punkt, der in vielen Vergleichen untergeht: Die Platinum kommt mit einem Concierge-Service. Du kannst dort anrufen und um Hilfe bei Restaurantreservierungen, Ticketbuchungen oder Reiseplanung bitten.

Meine ehrliche Einschätzung: Der Platinum Concierge ist brauchbar, aber nicht herausragend. Für Standardanfragen wie Restaurantreservierungen in deutschen Großstädten funktioniert er gut. Für komplexere Anliegen stößt er an Grenzen. Wer den Centurion Concierge kennt, wird den Unterschied bemerken. Aber für die meisten Platinum-Inhaber ist er ein nettes Zusatzfeature, das man nicht überall bekommt.

Ich nutze ihn hauptsächlich für Last-Minute-Restaurantreservierungen, wenn ich selbst keine Zeit habe, mich darum zu kümmern. In den meisten Fällen bekomme ich innerhalb weniger Stunden eine Rückmeldung mit einer bestätigten Reservierung. Nicht immer das Wunschrestaurant, nicht immer die Wunschzeit. Aber meistens eine gute Alternative.

Wo die Platinum Probleme hat

Jetzt der Teil, der in den meisten Reviews zu kurz kommt.

Akzeptanz in Deutschland. Das ist nach wie vor das größte Manko. Aldi, Lidl, dm, viele kleinere Geschäfte, manche Restaurants. Amex wird in Deutschland nicht überall akzeptiert. Bei Rewe und Edeka funktioniert es mittlerweile, bei vielen Online-Shops auch. Aber du kannst mit der Platinum nicht dein einziges Zahlungsmittel bestreiten. Du brauchst eine Visa oder Mastercard als Backup. Das relativiert den Punkte-Gegenwert, weil ein Teil deines Umsatzes eben nicht über Amex läuft.

Ich schätze, dass ich in Deutschland etwa 60 bis 70 Prozent meiner Ausgaben über Amex abwickeln kann. Der Rest geht über eine Visa. International sieht es besser aus, etwa 85 bis 90 Prozent Abdeckung.

Die Amex-App und das Online-Konto. Funktional, aber nicht elegant. Die App tut, was sie soll. Umsätze anzeigen, Punkte prüfen, Offers aktivieren. Aber sie fühlt sich im Vergleich zu modernen Neobank-Apps wie N26 oder Revolut veraltet an. Kein Dealbreaker, aber bei 720 Euro Jahresgebühr erwartet man eine App, die mehr kann als das Minimum.

Kein echtes Cashback. Die Membership Rewards Punkte sind wertvoll, aber nur, wenn du sie aktiv zu Airline-Partnern transferierst und für Flugprämien einsetzt. Wenn du keine Lust hast, dich mit Punktetransfers und Verfügbarkeitssuche zu beschäftigen, verlieren die Punkte erheblich an Wert. Ein simples 1% Cashback auf alles, wie es manche Visa-Karten bieten, ist deutlich unkomplizierter.

Die Metallkarte ist schwer. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Die Platinum ist spürbar schwerer als eine normale Kreditkarte. Im Geldbeutel fällt das auf. Ein Luxusproblem, zweifellos. Aber nach Jahren mit der Karte fällt mir das immer noch auf.

Der Kundenservice hat nachgelassen. Das ist ein subjektiver Eindruck, aber einer, den viele Platinum-Inhaber teilen. Die Wartezeiten am Telefon sind länger geworden, die Kompetenz der Mitarbeiter schwankt stärker als früher. Es ist immer noch besser als bei den meisten Banken. Aber der Anspruch ist bei 720 Euro Jahresgebühr eben auch ein anderer.

Die Alternativen

Miles & More Gold (Lufthansa). 110 Euro Jahresgebühr, sammelt Miles & More Meilen direkt, gute Akzeptanz als Mastercard. Kein Lounge-Zugang, keine Hotel-Status, deutlich weniger Versicherungsleistungen. Für Lufthansa-Vielflieger, die ihren Status ohnehin über Flüge erhalten, kann das ausreichen.

Barclays Platinum Double. Keine Jahresgebühr im ersten Jahr, danach günstig. Visa und Mastercard im Doppelpack. Solide Versicherungen, aber kein Punkteprogramm, keine Lounges, keine Hotelstatus. Eine gute Ergänzung, kein Ersatz.

Keine dieser Karten spielt in der gleichen Liga wie die Amex Platinum, was Reise-Extras angeht. Aber nicht jeder braucht diese Liga.

Was ich in der Praxis sehe: Viele Leute kombinieren die Platinum mit einer Miles & More Kreditkarte oder einer kostenlosen Visa. Die Platinum für die Reisevorteile und Punkte, die Zweitkarte für die Akzeptanzlücken. Das ist ein pragmatischer Ansatz, der funktioniert.

Die ehrliche Rechnung

Hier meine persönliche Kalkulation für jemanden, der die Karte sinnvoll nutzt:

200 Euro Reiseguthaben. 60 Euro SIXT ride (realistisch). 300 Euro Punkte-Gegenwert (bei 25.000 bis 30.000 Euro Jahresumsatz über Amex). 200 Euro Lounge-Zugang (sechs bis acht Besuche). 150 Euro Hilton-Frühstück (drei bis vier Übernachtungen). 100 Euro FHR-Extras (eine bis zwei Buchungen). 80 Euro Versicherungswert.

Summe: rund 1.090 Euro. Abzüglich 720 Euro Jahresgebühr bleiben etwa 370 Euro Netto-Mehrwert.

Aber diese Rechnung funktioniert nur, wenn du tatsächlich reist. Sechs Mal im Jahr fliegen, drei bis vier Mal im Hilton übernachten, das Reiseguthaben ausschöpfen, die Punkte sinnvoll transferieren. Wenn du zweimal im Jahr in den Urlaub fliegst und sonst nicht reist, wird die Rechnung negativ.

Für wen sich die Platinum lohnt

Du reist mindestens sechs Mal im Jahr. Du nutzt Lounges. Du übernachtest gelegentlich in Hilton- oder FHR-Hotels. Du bist bereit, dich mit Membership Rewards und Transferpartnern zu beschäftigen. Du akzeptierst, dass du eine zweite Karte für die Amex-Lücken brauchst.

Wenn das auf dich zutrifft, ist die Platinum eine der besten Reise-Kreditkarten, die in Deutschland erhältlich sind. Der Gegenwert übersteigt die Jahresgebühr deutlich, wenn du die Vorteile aktiv nutzt.

Für wen sie sich nicht lohnt

Du reist zwei bis drei Mal im Jahr. Du willst eine Karte, die überall funktioniert. Du hast keine Lust, dich mit Punkteprogrammen zu beschäftigen. Du schätzt Cashback mehr als Reise-Extras.

Dann ist die Platinum zu teuer. Die Amex Gold oder eine gute Visa-Karte ist dann die bessere Wahl.

Mein persönliches Fazit

Ich habe die Platinum seit vielen Jahren. Auch wenn ich mittlerweile hauptsächlich die Centurion nutze, bleibt die Platinum eine bemerkenswert gute Karte für Reisende. Die 720 Euro sind nicht wenig. Aber wenn du das Profil hast, das ich oben beschrieben habe, bekommst du deutlich mehr zurück, als du zahlst.

Der wichtigste Rat, den ich geben kann: Rechne es durch. Nicht mit den Maximalwerten aus dem Marketing-Material, sondern mit deiner tatsächlichen Nutzung. Wie oft fliegst du? Wie oft nutzt du Lounges? Buchst du Hotels, bei denen der Hilton Gold oder FHR einen Unterschied macht? Kannst du genug Umsatz über Amex laufen lassen?

Wenn die ehrliche Antwort auf die meisten dieser Fragen "ja" ist, dann lohnt sich die Karte. Wenn du zögern musst, wahrscheinlich nicht.

Und noch etwas: Die Platinum ist keine Statuskarte. Nicht wirklich. In Deutschland kennt kaum jemand den Unterschied zwischen einer Platinum und einer normalen Kreditkarte. Im Ausland schon eher, aber selbst dort ist es nichts, worüber man sich definieren sollte. Die Karte lohnt sich wegen der konkreten Vorteile, nicht wegen des Namens auf dem Metall. Wer die Karte des Images wegen will, zahlt 720 Euro für ein Gefühl. Wer sie wegen der Leistungen will, zahlt 720 Euro für einen messbaren Gegenwert. Der Unterschied ist entscheidend.

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