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Priority Pass Lounges Deutschland 2026: Ranking

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Priority Pass Lounges Deutschland 2026: Ranking

Priority Pass Zugang gehört zu den meistgenannten Vorteilen der Amex Platinum. Über 1.400 Lounges weltweit, davon gut zwei Dutzend in Deutschland. Was in der Theorie nach unbegrenztem Komfort klingt, sieht in der Praxis durchwachsener aus.

Ich nutze Priority Pass seit Jahren, parallel zu den Amex Centurion Lounges und Airline-spezifischen Lounges. Das verschafft mir einen recht guten Vergleichsrahmen. In diesem Artikel gehe ich die wichtigsten deutschen Flughäfen durch und sage ehrlich, was dich erwartet.

Priority Pass Lounge in Deutschland

Frankfurt (FRA): Die meisten Optionen, die größten Unterschiede

Frankfurt ist der größte deutsche Flughafen und hat entsprechend die meiste Priority Pass Auswahl. Das klingt gut, aber die Qualitätsunterschiede sind hier am stärksten.

Terminal 1:

Die Lounges im Terminal 1 sind überwiegend solide, aber selten herausragend. Die Primeclass Lounge im Bereich B ist eine der besseren Optionen. Warmes Essen, eine brauchbare Getränkeauswahl inklusive Spirituosen, ausreichend Sitzplätze und eine akzeptable Atmosphäre. Sie ist nicht luxuriös, aber sie erfüllt ihren Zweck: ein ruhiger Ort mit ordentlichem Essen, abseits des Gate-Bereichs.

Die Luxxlounge im Terminal 1 ist ebenfalls über Priority Pass zugänglich und bietet ein ähnliches Niveau. Beide sind deutlich besser als die Lounges, die du in manchen anderen europäischen Sekundärflughäfen findest.

Das Problem in Frankfurt Terminal 1 ist weniger die Qualität als die Auslastung. Freitagnachmittag zwischen 15 und 18 Uhr ist die Hölle. Die Lounges sind voll, die Plätze knapp, das Buffet wird schneller geleert als nachgefüllt. Wenn du Freitagnachmittag ab Frankfurt fliegst, plane entweder viel Zeit ein oder überspringe die Lounge ganz.

Terminal 2:

Im Terminal 2 sieht es etwas dünner aus. Die verfügbaren Optionen über Priority Pass sind hier tendenziell kleiner und weniger gut ausgestattet. Wer ab Terminal 2 fliegt (typischerweise mit Airlines der SkyTeam-Allianz oder manchen Punkt-zu-Punkt-Carriern), hat weniger Auswahl.

Mein Tipp für Frankfurt: Wenn du genug Zeit hast, lohnt es sich manchmal, vom Terminal 2 zum Terminal 1 zu laufen (oder den SkyLine zu nehmen), um dort die bessere Lounge zu nutzen, und dann zurückzukehren. Das kostet 15 bis 20 Minuten pro Weg und setzt voraus, dass du die Sicherheitskontrolle erneut passieren musst. Nicht immer praktikabel, aber bei langen Wartezeiten eine Option.

Wann du die Priority Pass Lounge in Frankfurt skippen solltest: Wenn du Zugang zur Lufthansa Business oder Senator Lounge hast (über Status oder Ticketklasse), sind diese deutlich besser. Das Essen ist hochwertiger, die Atmosphäre ruhiger, die Duschen sauberer. Priority Pass ist in Frankfurt ein guter Fallback, aber nicht die erste Wahl.

Lounge Interieur

München (MUC): Überschaubar, aber brauchbar

München hat weniger Priority Pass Optionen als Frankfurt, was angesichts der Flughafengröße etwas enttäuschend ist.

Die Airport Lounge im Terminal 2, Bereich H (Non-Schengen) ist über Priority Pass zugänglich und gehört zu den besseren Optionen. Ordentliches Buffet, ruhige Atmosphäre, guter Ausblick aufs Vorfeld. Für Langstreckenflüge ab München eine solide Wahl.

Im Bereich der Schengen-Abflüge ist die Situation schwieriger. Die verfügbaren Priority Pass Lounges sind hier kleiner und oft überfüllt. München ist ein Drehkreuz der Lufthansa, und viele Geschäftsreisende haben irgendeinen Lounge-Zugang. Die Konkurrenz um Plätze ist entsprechend hoch.

Was München besonders macht: Das Terminal 2 ist generell eines der angenehmsten in Deutschland. Sauber, gut organisiert, mit ordentlicher Gastronomie auch außerhalb der Lounges. An manchen Tagen ist das airbräu im Terminal-Bereich ehrlich gesagt eine angenehmere Erfahrung als eine überfüllte Priority Pass Lounge. Frisches Bier, bayerisches Essen, offene Atmosphäre. Nicht das, was man sich unter "Lounge-Zugang" vorstellt, aber manchmal die bessere Wahl.

Für den Terminal 1 in München gibt es ebenfalls Priority Pass Optionen, die für Passagiere relevant sind, die nicht mit Lufthansa oder Star Alliance fliegen. Die Qualität ist solide, ohne zu begeistern.

Berlin (BER): Der jüngste Flughafen, nicht die beste Lounge-Auswahl

BER hat nach seiner verspäteten Eröffnung mittlerweile mehrere Priority Pass Lounges im Programm. Die Erwartungen an einen neuen Flughafen sind hoch, die Realität liegt etwas darunter.

Die Lounges am BER sind architektonisch modern, was man bei einem Neubau erwarten darf. Das Essen und die Getränkeauswahl bewegen sich im Mittelfeld. Warme Speisen gibt es, die Qualität ist okay, aber nicht herausragend. Die Sitzplätze sind ausreichend, außer zu Stoßzeiten am frühen Morgen und am späten Nachmittag.

Was mich am BER stört: Die Wegstrecken. Der Flughafen ist weitläufig, und je nach Gate kann der Weg zur Lounge und zurück 20 bis 25 Minuten in Anspruch nehmen. Bei einem kurzen Umsteigeaufenthalt lohnt sich das nicht.

Für Reisende, die regelmäßig ab Berlin fliegen, sind die Priority Pass Lounges ein nettes Extra, aber kein Grund, sich deswegen eine Platinum zu holen.

Düsseldorf (DUS): Positiv überraschend

Düsseldorf ist ein Flughafen, der im Lounge-Bereich oft unterschätzt wird. Die Priority Pass Lounges hier haben mich positiv überrascht.

Die Hugo Junkers Lounge ist eine der besseren Priority Pass Lounges in Deutschland. Großzügig, gut bestückt, mit einer Getränkeauswahl, die über das übliche "Kaffee und Orangensaft" hinausgeht. Das Essen ist frisch und wird regelmäßig nachgelegt. Die Atmosphäre ist ruhig, selbst zu belebteren Zeiten.

Für einen Flughafen dieser Größe ist das Angebot bemerkenswert. Wenn ich Lounges in ganz Deutschland ranken müsste, wäre Düsseldorf in den Top 3 für Priority Pass.

Hamburg (HAM): Solide ohne Überraschungen

Hamburg bietet Priority Pass Zugang zu mehreren Lounges, die alle ein ähnliches Niveau haben: ordentlich, sauber, mit Grundausstattung an Essen und Getränken. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Lounges in Hamburg sind typische Vertreter dessen, was ich "funktionale Lounges" nenne. Sie bieten einen ruhigen Rückzugsort, WLAN, Kaffee, ein paar Snacks und Getränke. Sie sind nicht der Grund, warum du zwei Stunden früher zum Flughafen fährst. Aber wenn du ohnehin wartest, ein deutlich angenehmerer Ort als der Gate-Bereich.

Weitere Flughäfen

Stuttgart (STR), Köln/Bonn (CGN), Hannover (HAJ) und andere kleinere deutsche Flughäfen haben vereinzelt Priority Pass Optionen. Die Erwartungen sollten hier moderat sein. Kleine Lounges, begrenzte Auswahl, manchmal eher ein separater Warteraum als eine echte Lounge. Funktional, aber uninspirierend.

Die unbequeme Wahrheit über Priority Pass Lounges

Ich sage das ohne Häme, aber mit Ehrlichkeit: Manche Priority Pass Lounges sind glorifizierte Wartezimmer. Ein Raum mit Stühlen, einer Kaffeemaschine, ein paar Keksen und einem Fernseher, der Nachrichten zeigt. Kein warmes Essen, keine Duschen, keine Ruhe. Gerade an kleineren Flughäfen oder in Nebengebäuden großer Flughäfen kann die Enttäuschung groß sein, wenn man mit dem Priority Pass in der Hand vor einem Raum steht, der eher an ein Wartezimmer beim Zahnarzt erinnert.

Der Priority Pass ist kein Zugangstool zu Luxus. Er ist ein Zugangstool zu einem Netzwerk, das enorme Qualitätsunterschiede aufweist. Die besten Lounges im Netzwerk, etwa in Asien oder im Nahen Osten, sind hervorragend. Die schlechtesten sind kaum besser als der Gate-Bereich.

In Deutschland liegt das Niveau irgendwo in der Mitte. Selten herausragend, selten schlecht. Meistens funktional.

Centurion Lounges: Eine andere Welt

Ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber: Die Centurion Lounges, die American Express selbst betreibt, sind in einer völlig anderen Kategorie. Hochwertiges Essen, oft von bekannten Köchen kuratiert. Cocktail-Bars mit echten Barkeepern. Ruhige Arbeitsbereiche, Duschen, durchdachtes Design.

Das Problem: Es gibt sie fast ausschließlich in den USA. Dallas, New York JFK, Miami, San Francisco, Los Angeles und einige weitere amerikanische Flughäfen. In Europa gibt es bisher keine. Für deutsche Reisende sind sie also nur relevant, wenn du regelmäßig in die oder innerhalb der USA fliegst.

Wenn du das tust, sind die Centurion Lounges allein schon ein Argument für die entsprechende Karte. Wenn nicht, bleiben sie ein nettes Feature für gelegentliche US-Reisen.

Gäste-Policy: Wie es in der Praxis funktioniert

Mit der Amex Platinum kannst du einen Gast kostenlos in jede Priority Pass Lounge mitnehmen. Jeder weitere Gast kostet eine Gebühr, typischerweise um die 35 Euro.

In der Praxis funktioniert das unkompliziert. Du zeigst deine Priority Pass Karte (oder die digitale Version in der App), der Mitarbeiter am Empfang scannt sie, du sagst, dass du einen Gast hast, fertig. Keine Diskussionen, keine Probleme.

Was du wissen solltest: Manche Lounges haben Kapazitätsgrenzen. Wenn die Lounge voll ist, wird der Zugang vorübergehend gesperrt, auch für Priority Pass Inhaber. Das passiert in Frankfurt Freitagnachmittag regelmäßig und an anderen Flughäfen zu Stoßzeiten. In solchen Fällen hilft auch die Karte nicht. Du musst warten, bis Plätze frei werden.

Die Priority Pass App zeigt dir an, welche Lounges in der Nähe sind, wie die Öffnungszeiten sind und ob es bekannte Kapazitätsprobleme gibt. Ich empfehle, die App zu nutzen und die Lounge-Situation vor dem Flug zu prüfen, besonders an großen Flughäfen.

Wann du die Priority Pass Lounge überspringen solltest

Ja, ich sage das tatsächlich. Manchmal ist die Priority Pass Lounge nicht die beste Option.

Wenn du Airline-Status hast. Lufthansa Business oder Senator Lounge, Emirates Business Lounge, die meisten Airline-eigenen Lounges sind besser als die typische Priority Pass Lounge. Wenn du Zugang zu beiden hast, wähle die Airline-Lounge.

Wenn du weniger als eine Stunde hast. Der Weg zur Lounge, einchecken, hinsetzen, essen, zurück zum Gate. Das dauert. Bei kurzen Aufenthalten am Flughafen lohnt sich der Umweg oft nicht. Bleib am Gate und kauf dir einen Kaffee.

Wenn die Lounge überfüllt ist. Eine volle Lounge ist kein Genuss. Wenn die Anzeigetafel der App "hohe Auslastung" zeigt oder du am Eingang eine Schlange siehst, überleg dir, ob du nicht lieber in einem ruhigen Café am Flughafen sitzt.

Wenn es bessere Alternativen gibt. Manche Flughäfen haben exzellente Restaurants oder Bars im Sicherheitsbereich. In München das airbräu, in manchen internationalen Flughäfen Food Courts, die besser sind als jede Lounge. Lounge-Zugang ist kein Selbstzweck.

Mein Gesamturteil

Priority Pass in Deutschland ist ein solider Mehrwert, kein herausragender. Die Lounges sind meist funktional, manchmal gut, selten begeisternd. An den großen Flughäfen (Frankfurt, München, Düsseldorf) findest du brauchbare Optionen, an kleineren Flughäfen ist das Angebot dünn.

Für Vielreisende, die häufig an deutschen Flughäfen umsteigen oder abfliegen, spart der Priority Pass Geld und bietet Komfort. Für Gelegenheitsreisende, die zwei Mal im Jahr ab einem kleinen Regionalflughafen fliegen, ist er kaum relevant.

Der wahre Wert des Priority Pass zeigt sich ohnehin international. Die Lounges in Bangkok, Hongkong, Istanbul oder Dubai spielen in einer anderen Liga als die deutschen Vertreter. Wenn du häufig international reist, ist der Pass deutlich wertvoller als die rein deutsche Perspektive vermuten lässt.

Aber für diesen Artikel ging es um Deutschland. Und hier ist die ehrliche Zusammenfassung: Nützlich, nicht umwerfend. Ein angenehmes Extra, kein Kaufargument.

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