Centurion Lounge Erfahrung 2026: Alle Standorte
Es gibt Flughafen-Lounges, und es gibt Centurion Lounges. Der Unterschied ist größer, als man erwarten würde. Wer bisher nur Priority Pass Lounges kennt, betritt mit einer Centurion Lounge eine andere Welt. Und wer hauptsächlich in Europa fliegt, kennt diese Welt möglicherweise noch gar nicht.
Ich habe in den letzten Jahren mehrere Centurion Lounges auf verschiedenen Kontinenten besucht, dazu etliche Airline-Lounges in der Business und First Class. Hier ist meine ehrliche Einschätzung: wo die Centurion Lounges herausragend sind, wo sie enttäuschen und wie du sie am besten nutzt.

Was Centurion Lounges sind
Centurion Lounges werden von American Express selbst betrieben. Nicht von einer Airline, nicht von einem Drittanbieter wie Plaza Premium oder No1 Lounges. Amex hat die Räume selbst gestaltet, das Essen wird von bekannten Köchen kuratiert, die Cocktails sind hausgemacht. Es ist Amex' eigenes Hospitality-Produkt, und man merkt das.
Stand 2026 gibt es über 20 Centurion Lounges, fast ausschließlich in den USA. Dallas/Fort Worth, Miami, New York JFK, San Francisco, Los Angeles, Houston, Philadelphia, Seattle, Charlotte, Phoenix, Denver, Las Vegas und weitere. Dazu ein Standort in Hongkong und einer in London Heathrow (als Centurion Lounge bezeichnet, aber faktisch ein kleinerer, dedizierter Bereich).
In Europa gibt es keine eigenständige Centurion Lounge im amerikanischen Sinne. Das ist die wichtigste Einschränkung für europäische Karteninhaber. Dazu später mehr.
Warum sie anders sind
Der Unterschied zu einer typischen Priority Pass Lounge wird beim Betreten sofort klar. Kein Plastik-Buffet mit vertrockneten Sandwiches. Kein billig wirkender Teppichboden. Keine Schlange am Softdrink-Automaten.
Stattdessen: ein durchgestalteter Raum mit unterschiedlichen Zonen. Arbeitsbereiche mit Steckdosen und ruhiger Atmosphäre. Sitzgruppen für Gespräche. Eine Bar mit Barkeeper, der Cocktails mixt. Ein Buffet, das den Namen verdient. Und meistens eine Atmosphäre, die eher an eine gute Hotel-Lobby erinnert als an einen Wartesaal.
Das Essen ist der größte Unterschied. American Express arbeitet mit regionalen Köchen zusammen, die die Menüs für jeden Standort individuell gestalten. In Dallas hat Dean Fearing das Menü kuratiert, in San Francisco kommt die Inspiration aus der kalifornischen Küche. Das sind keine Sternerestaurant-Gerichte, aber es ist echtes Essen, frisch zubereitet, mit saisonalen Wechseln.
Die Cocktails sind ebenfalls bemerkenswert. Kein Gin Tonic aus der Flasche, sondern hausgemachte Cocktails mit frischen Zutaten. An vielen Standorten gibt es auch eine Weinauswahl, die über das hinausgeht, was man in einer Lounge erwarten würde.
Meine Erfahrungen: Vier Standorte, ehrlich bewertet
Nicht alle Centurion Lounges sind gleich. Die Qualität variiert enorm, und das wird selten so offen gesagt. Hier meine ehrlichen Eindrücke von den Standorten, die ich selbst besucht habe.
Mexico City -- das Highlight
Herausragend. Die Centurion Lounge in Mexico City ist die beste, die ich erlebt habe, und der Abstand zum Rest ist deutlich.
Das Essen war hervorragend. Nicht Lounge-Essen, das man als "ganz gut für einen Flughafen" einstuft, sondern wirklich gut. Das allein hätte den Besuch gerechtfertigt.
Was Mexico City besonders macht: Es hat eine Weile gedauert, bis ich gemerkt habe, dass die Lounge einen komplett separaten Eingang und Bereich hat. Die normale Platinum-Lounge daneben war voll, überfüllt und nur mit Basisessen bestückt. Die Centurion-Lounge dagegen war eine andere Welt. Ruhiger, besser ausgestattet, besseres Essen, weniger Menschen. Genau das, was man sich unter dem Centurion-Versprechen vorstellt.
Wer über Mexico City fliegt und Zugang hat: unbedingt den separaten Centurion-Bereich suchen. Es lohnt sich.
Sao Paulo -- der versteckte Bereich
Sehr gut. Die Centurion Lounge in Sao Paulo folgt einem ähnlichen Konzept wie Mexico City: ein spezieller Bereich, der sich von der allgemeinen Lounge absetzt.
Konkret gibt es einen eigenen Bereich hinter der Bar. Man geht durch die normale Lounge und kommt dann in den Centurion-only Bereich. Dieser Bereich ist ruhiger, exklusiver und besser ausgestattet als der allgemeine Lounge-Bereich.
Die Qualität ist hoch. Nicht ganz auf dem Niveau von Mexico City, aber deutlich über dem, was man in den meisten Flughafen-Lounges bekommt. Wer nach oder über Sao Paulo fliegt, sollte sich die Zeit nehmen.
New York JFK -- enttäuschend
Das muss man ehrlich sagen: New York war enttäuschend. Ein paar Stühle in einer dunklen Ecke, nichts Besonderes.
JFK hat den Ruf als einer der großen Centurion-Lounge-Standorte. Die Realität hat mich nicht überzeugt. Vielleicht liegt es an den hohen Erwartungen, die man an einen Flagship-Standort hat, aber der Besuch hat wenig von dem eingelöst, was man sich unter einer Centurion Lounge vorstellt.
Im Vergleich zu dem, was Mexico City oder Sao Paulo bieten, fällt New York deutlich ab. Wer nur die JFK-Lounge kennt, hat kein vollständiges Bild davon, was Centurion Lounges sein können.
New Delhi -- nur ein separater Raum
Nur ein paar Stühle in einem separaten Raum am Ende. Nichts Besonderes.
Die Centurion Lounge in New Delhi ist im Grunde ein abgetrennter Bereich mit minimaler Ausstattung. Kein besonderes Essen, keine besondere Atmosphäre, kein Grund, den Besuch einzuplanen. Man sitzt dort, weil man Zugang hat, nicht weil es sich lohnt.
Ehrlich gesagt hätte ich in der normalen Airline-Lounge genauso gut gesessen. Der Centurion-Name allein macht noch keine gute Lounge.

Das Crowding-Problem
Ich muss ehrlich darüber sprechen, weil es die Lounge-Erfahrung zunehmend beeinträchtigt. Die Centurion Lounges sind Opfer ihres eigenen Erfolgs.
Als die Lounges 2013 eröffnet wurden, war der Zugang auf Centurion-Inhaber und Platinum-Karteninhaber beschränkt. Die Kartenbasis war überschaubar, die Lounges waren Oasen der Ruhe. Seitdem hat American Express millionenfach Platinum-Karten verkauft. Und all diese Karteninhaber haben Zugang.
Die Folge: Vor allem an den großen Hubs sind die Lounges zu Stoßzeiten überfüllt. American Express hat reagiert und seit 2023 die Zugangsregeln verschärft.
Aktuelle Regeln (Stand 2026): Platinum-Karteninhaber dürfen die Lounge nur innerhalb von drei Stunden vor ihrem Abflug betreten. Gäste sind für Platinum-Inhaber nur noch gegen Gebühr möglich (50 US-Dollar pro Gast), es sei denn, sie haben die Centurion Card. Kinder unter 2 Jahren sind kostenfrei, ältere Kinder zählen als Gäste.
Für Centurion-Inhaber gelten weniger strenge Regeln. Du kannst Gäste kostenfrei mitbringen (in der Regel zwei), und die Zeitbeschränkung gilt nicht.
Hat das geholfen? Teilweise. Die Lounges sind nicht mehr ganz so überlaufen wie 2022 und 2023, aber an Spitzentagen, besonders vor Feiertagen und in der Ferienzeit, ist der Unterschied gering.
Wie sie sich im Vergleich schlagen
Versus Priority Pass Lounges
Es gibt keinen echten Vergleich. Priority Pass Lounges variieren enorm: Manche sind akzeptabel, viele sind enttäuschend. Plastikstühle, abgestandene Sandwiches, überfüllte Räume. Es gibt Ausnahmen, einige Priority Pass Lounges in Asien sind exzellent, aber im Durchschnitt liegen Centurion Lounges in einer völlig anderen Kategorie.
Das Essen ist der offensichtlichste Unterschied. In einer typischen Priority Pass Lounge bekommst du ein Buffet mit Standardkost. In einer Centurion Lounge bekommst du ein kuratiertes Menü mit frisch zubereiteten Gerichten. Allein das macht den Aufenthalt zu einem anderen Erlebnis.
Versus Airline Business Class Lounges
Hier wird der Vergleich interessanter. Gute Airline-Lounges, etwa die Lufthansa Business Lounge in Frankfurt, die Qatar Airways Lounge in Doha oder die Singapore Airlines SilverKris Lounge, bieten ebenfalls ein hohes Niveau. In manchen Aspekten, besonders bei Duschen, Schlafräumen und Business-Ausstattung, sind Airline-Lounges oft besser ausgestattet.
Beim Essen sehe ich die Centurion Lounges vorne. Die Airline-Lounges haben größere Buffets, aber die Qualität pro Gericht ist in den Centurion Lounges oft höher. Die Cocktails sind in Centurion Lounges deutlich besser, das ist kein Wettbewerb.
Die Atmosphäre ist Geschmackssache. Airline-Lounges sind funktionaler, effizienter. Centurion Lounges fühlen sich mehr nach Bar-Restaurant an. Ich bevorzuge letzteres, wenn ich Zeit habe. Wenn ich schnell duschen und arbeiten muss, ist die Airline-Lounge praktischer.
Versus First Class Lounges
Hier haben die Centurion Lounges keine Chance. Die Lufthansa First Class Lounge in Frankfurt, die Emirates First Class Lounge in Dubai, die Singapore Airlines Private Room: Das ist eine andere Welt. Mehr Platz, mehr Service, weniger Menschen, besseres Essen (ja, besser als in Centurion Lounges), Duschen, teilweise Schlafräume und persönliche Betreuung.
Aber: First Class Lounges erfordern ein First Class Ticket oder den höchsten Vielfliegerstatus. Die Centurion Lounge ist zugänglich mit einer Kreditkarte. Für das, was sie ist, ist sie bemerkenswert gut.
Die europäische Lücke
Das ist der Elefant im Raum für europäische Karteninhaber. Es gibt in Europa keine Centurion Lounge im amerikanischen Sinne. In London Heathrow gibt es einen Centurion-Bereich, aber er ist deutlich kleiner und weniger aufwendig als die US-Standorte.
Für europäische Centurion-Inhaber bedeutet das: Du profitierst vom Lounge-Netzwerk hauptsächlich, wenn du in die oder innerhalb der USA fliegst. In Europa bist du auf Priority Pass, Airline-Lounges oder separate Lounge-Programme angewiesen.
Was sind die besten Alternativen in Europa?
Lufthansa Business und Senator Lounges (Frankfurt, München). Solide, effizient, gutes Buffet. Der Senator-Zugang erfordert Star Alliance Gold, den viele Centurion-Inhaber über andere Wege haben. Nicht aufregend, aber zuverlässig.
British Airways Galleries Lounges (Heathrow). Gut für Langstreckenflüge, ordentliches Essen, angemessene Bar. Zugang über Business Class Ticket oder Oneworld-Status.
Turkish Airlines Lounge Istanbul. Oft als die beste Business Class Lounge der Welt bezeichnet. Die Größe ist beeindruckend, das Essen ist hervorragend, die Ausstattung erstklassig. Zugang über Business Class Ticket oder Star Alliance Gold.
Die Aspire Lounges und No1 Lounges (verschiedene europäische Flughäfen). Über Priority Pass zugänglich. Die Qualität variiert stark, aber einige Standorte, etwa die No1 Lounge in Gatwick, sind überraschend gut.
Keine davon erreicht das Niveau einer guten Centurion Lounge. Aber sie füllen die Lücke, wenn auch unvollkommen.
Für Centurion-Inhaber in Deutschland ist der Zugang zur Lufthansa First Class Lounge einer der wertvollsten Vorteile. Mit der Centurion Card und einem Ticket auf einem Lufthansa-operierten Flug bekommst du Zugang zur First Class Lounge, auch wenn du Economy fliegst. Das funktioniert nur auf Flügen mit LH-Flugnummer, nicht auf Swiss, Austrian oder Brussels Airlines. In Frankfurt und München gehört die Lufthansa First Class Lounge zu den besten Airline-Lounges weltweit.
Ich würde mir wünschen, dass American Express das Centurion-Lounge-Konzept nach Europa bringt. Frankfurt, London, Paris, Amsterdam wären naheliegende Standorte. Ob das kommt, ist unklar. Gerüchte gibt es seit Jahren, passiert ist wenig.
Tipps für häufige Besucher
Nach vielen Lounge-Besuchen habe ich ein paar Muster erkannt, die den Unterschied zwischen einem guten und einem frustrierenden Erlebnis ausmachen.
Timing ist alles. Die meisten Centurion Lounges sind zwischen 7 und 9 Uhr morgens und zwischen 15 und 18 Uhr am vollsten. Morgens wegen der Geschäftsreisenden, nachmittags wegen der Langstreckenflüge nach Europa und Asien. Wenn du flexibel bist, geh außerhalb dieser Zeiten.
Iss in der Lounge, nicht am Gate. Das klingt offensichtlich, wird aber oft ignoriert. Die Centurion Lounges haben besseres Essen als 90 Prozent der Flughafenrestaurants. Nutze das. Ein ordentliches Mittagessen in der Lounge erspart dir ein überteuertes Sandwich am Gate.
Nutze die Bar richtig. Die Cocktails sind kostenlos und gut. Aber der Barkeeper hat meistens auch Empfehlungen abseits der Karte. Frag nach dem Tagescocktail oder lass dir etwas mixen, das nicht auf der Liste steht. Die meisten Bartender in Centurion Lounges sind erfahren genug, um darauf einzugehen.
Plane Umsteigeverbindungen über Centurion-Lounge-Standorte. Wenn du die Wahl zwischen einem Umstieg in Charlotte und einem in Atlanta hast, wähle Charlotte. Die Centurion Lounge macht den Layover von einer Geduldsprobe zu einem angenehmen Aufenthalt. Ich habe meine Umstiegsflughäfen in den USA teilweise danach ausgewählt, wo es eine Centurion Lounge gibt.
Bring Kopfhörer mit. Die Lounges sind gut, aber nicht schalldicht. Gerade wenn es voller wird, helfen Noise-Cancelling-Kopfhörer enorm. Ein guter Platz in der Ecke mit Kopfhörern ist besser als ein Platz in der Mitte ohne.
Kenne die Lage im Terminal. Manche Centurion Lounges liegen ungünstig, etwa in einem anderen Terminal als dein Gate. In JFK musst du möglicherweise die AirTrain nehmen, um vom Gate zur Lounge und zurück zu kommen. Plane das ein. Nichts ist ärgerlicher, als zwanzig Minuten in der Lounge zu haben, weil man den Weg unterschätzt hat.
Die Zukunft der Centurion Lounges
American Express investiert weiter in das Lounge-Netzwerk. Neue Standorte werden eröffnet, bestehende erweitert. Das Unternehmen hat erkannt, dass die Lounges eines der stärksten Argumente für die Platinum- und Centurion-Karten sind.
Die Herausforderung bleibt die Balance zwischen Exklusivität und Reichweite. Je mehr Platinum-Karten Amex verkauft, desto voller werden die Lounges. Die Zugangsbeschränkungen sind ein Versuch, das Problem zu managen, aber sie lösen es nicht grundsätzlich.
Für Centurion-Inhaber ist die Situation komfortabler als für Platinum-Kunden. Keine Zeitbeschränkungen, kostenfreie Gäste, und in der Praxis bevorzugte Behandlung, wenn es eng wird. Aber die Grundproblematik betrifft auch uns: Wenn die Lounge voll ist, ist sie voll, egal welche Karte du hast.
Mein Fazit
Die Centurion Lounges sind das Beste, was American Express im Lounge-Bereich bietet. Aber die Qualität schwankt enorm. Mexico City war herausragend, Sao Paulo sehr gut. New York und New Delhi haben mich nicht überzeugt.
Wer nur die US-Standorte oder die kleineren internationalen Lounges kennt, hat möglicherweise ein falsches Bild. Die besten Centurion Lounges, etwa in Lateinamerika, bieten ein Erlebnis, das über dem liegt, was die meisten Airline Business Class Lounges schaffen. Die schwächeren Standorte sind kaum mehr als ein separater Wartebereich mit Centurion-Branding.
Die Einschränkungen sind real: kein Standort in Kontinentaleuropa, Crowding-Probleme an großen Hubs, und eine Qualität, die stark vom Standort abhängt.
Für mich als europäischen Karteninhaber sind die Centurion Lounges ein willkommener Bonus auf Reisen. Sie sind kein Grund, die Centurion Card zu kaufen. Aber wenn ich weiß, dass es am nächsten Flughafen eine gute Centurion Lounge gibt, etwa in Mexico City oder Sao Paulo, dann plane ich gern Zeit dafür ein. Bei anderen Standorten spare ich mir den Umweg.
