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CENTURION

Centurion Living Events: Was sie sind, wo man sie findet, und meine Kritik 2026

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Centurion Living Events: Was sie sind, wo man sie findet, und meine Kritik 2026

Wenn mich jemand vor drei Jahren gefragt hätte, was die Centurion Card besonders macht, hätte ich die Events als erstes genannt. Nicht die Lounge, nicht den Concierge. Die Events.

Heute würde ich das nicht mehr sagen.

Was Centurion Living ist

Centurion Living ist das Event-Programm von American Express für Centurion-Inhaber. Es kostet nichts extra, ist aber nur mit einer aktiven Centurion Card zugänglich. Die Events finden weltweit statt und decken sehr unterschiedliche Interessen ab: private Konzerte, Weinverkostungen, Kochvorführungen, Kunst, Wellness, Theaterabende. Teilnehmen kann der Hauptkarteninhaber mit einer Begleitperson.

Centurion Living Event

Zur Einordnung, wer dort schon aufgetreten ist: Im Programm 2022 standen unter anderem Alicia Keys (Soul), Salif Keïta (Weltmusik), Aakash Odedra (Tanz), Eliane Elias (Bossa Nova), Yo-Yo Ma (Klassik), Salman Rushdie (Literatur), Wong Kar-wai (Kino) und Dianne Reeves (Jazz). Zwei davon habe ich selbst erlebt, dazu weiter unten mehr.

Wo man die Events findet

Die Übersicht liegt in der American Express App, nicht auf der Website. So kommt man hin:

  1. In der Amex App die Centurion Card als aktive Karte auswählen.
  2. Auf der Startseite den Bereich "Centurion Living" öffnen. Dort stehen alle aktuellen Events mit Datum, Ort und Kontingent.
  3. Event auswählen und anfragen. Die Buchung wird nur mit einer aktiven Centurion Card bestätigt, auch wenn die App die Anfrage technisch zunächst annimmt.

Einen kurzen Rundgang durch die App habe ich vor einigen Jahren als Video aufgenommen. Die Oberfläche hat sich seitdem leicht verändert, der Weg ist derselbe.

Wer Restaurants über die Centurion Card reserviert, spart sich mit iOS-Geräten viel Zeit: Amex Centurion Reservierungen in 30 Sekunden.

Wie es mal war

Die Centurion Living Events waren Einladungen, die sich tatsächlich exklusiv angefühlt haben. Kleine Gruppen, besondere Locations, Erlebnisse, die man nicht einfach buchen konnte. Ein Abend in einem Weingut, das normalerweise nicht für Veranstaltungen öffnet. Ein Dinner mit einem Koch, der kein Restaurant betreibt. Ein privater Zugang zu einer Ausstellung vor der offiziellen Eröffnung.

Die Events waren im Kartenpreis inbegriffen. Man hat eine Einladung bekommen, sich angemeldet, ist hingegangen. Das war es.

Eines der besten Events, die ich erlebt habe: ein privates Alicia Keys Konzert in München, organisiert als Centurion Living Event. Keine öffentliche Veranstaltung, kein Ticketverkauf. Eine Einladung per Post, ein Abend mit wenigen hundert Leuten, und eine der besten Live-Performances, die ich je gesehen habe.

Alicia Keys Centurion Living Event in München

Oder ein privates Salif Keita Konzert in Amsterdam. Eine kleine Gruppe in einem historischen Saal, kein öffentlicher Ticketverkauf, einfach ein Abend mit außergewöhnlicher Musik in außergewöhnlichem Rahmen.

Salif Keita Centurion Living Event in Amsterdam

Das ist genau das, was die Centurion Events einmal ausgemacht hat. Erlebnisse, die man mit keinem Geldbetrag hätte kaufen können.

Was sie wirklich wertvoll gemacht hat: Sie waren nicht inszeniert. Es ging nicht darum, einem etwas zu verkaufen. Es ging darum, Centurion-Inhabern Zugang zu Erlebnissen zu geben, die sonst nicht zugänglich sind. Und genau das hat funktioniert.

Was daraus geworden ist

Die Events sind seltener geworden. Das allein wäre kein Problem. Qualität vor Quantität. Aber was sich verändert hat, ist der Charakter.

Ein wachsender Teil der Einladungen, die heute ankommen, sind im Kern Verkaufsveranstaltungen. Reiseangebote, die als "exklusive Centurion-Erlebnisse" verpackt sind, aber letztlich Pauschalreisen zu Premium-Preisen darstellen. Memberships für 5.000 Euro aufwärts, die einem die "Möglichkeit" geben, weitere teure Reisen zu buchen. Kooperationen mit Luxusmarken, bei denen das "Event" darin besteht, dass man in einem schönen Raum sitzt und eine Produktpräsentation bekommt.

Das ist kein exklusiver Zugang. Das ist ein Vertriebskanal.

Das Problem mit dem Upsell

Ich verstehe, dass American Express Partnerschaften eingeht und dass Events Geld kosten. Aber die ursprüngliche Idee der Centurion Events war eine andere: Du zahlst die Jahresgebühr, und dafür bekommst du Erlebnisse, die man nicht kaufen kann. Nicht Erlebnisse, bei denen man noch mehr kaufen soll.

Wenn ich eine Einladung zu einem "exklusiven Reise-Event" bekomme und dort im Wesentlichen eine Verkaufspräsentation für ein 12.000-Euro-Reisepaket erwartet wird, dann hat das mit dem ursprünglichen Versprechen der Centurion Card wenig zu tun.

Das Absurde daran: Centurion-Inhaber sind per Definition Menschen, die viel Geld ausgeben. Man muss ihnen nichts verkaufen. Man muss ihnen etwas bieten, das ihr Geld nicht kaufen kann. Genau das war der Kern des Centurion-Versprechens. Und genau das geht verloren, wenn Events zu Upsell-Plattformen werden.

Was noch funktioniert

Es gibt sie noch, die guten Events. Ein privates Konzert hier, ein Dinner dort. Sie sind seltener geworden, aber wenn sie stattfinden, erinnern sie an das, was die Centurion Events einmal ausgemacht hat.

Und der Concierge kann nach wie vor individuelle Erlebnisse organisieren, die kein Event-Programm bieten würde. Das ist, ironischerweise, inzwischen oft der bessere Weg: sich vom Concierge etwas Persönliches zusammenstellen zu lassen, statt auf die nächste Einladung zu warten.

Mein Fazit

Die Centurion Living Events waren eines der stärksten Argumente für die Karte. Sie haben gezeigt, dass die Jahresgebühr nicht nur Zugang zu Lounges und Versicherungen kauft, sondern zu einer Welt, die sonst verschlossen bleibt.

Dass diese Events zunehmend durch Verkaufsveranstaltungen ersetzt werden, ist nicht nur schade. Es untergräbt das Fundament dessen, was die Centurion Card sein will. Eine Karte, die sich über Exklusivität definiert, kann sich nicht gleichzeitig als Vertriebskanal für Premium-Pauschalreisen verstehen.

Ich hoffe, American Express findet hier wieder die Balance. Die Karte verdient bessere Events. Wer den Vergleich zwischen Centurion und Platinum sieht, erwartet zu Recht, dass die höhere Gebühr auch einzigartige Erlebnisse finanziert.

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