Centurion Living Events: Erfahrung & Kritik 2026
Wenn mich jemand vor drei Jahren gefragt hätte, was die Centurion Card besonders macht, hätte ich die Events als erstes genannt. Nicht die Lounge, nicht den Concierge. Die Events.
Heute würde ich das nicht mehr sagen.
Wie es mal war
Die Centurion Living Events waren Einladungen, die sich tatsächlich exklusiv angefühlt haben. Kleine Gruppen, besondere Locations, Erlebnisse, die man nicht einfach buchen konnte. Ein Abend in einem Weingut, das normalerweise nicht für Veranstaltungen öffnet. Ein Dinner mit einem Koch, der kein Restaurant betreibt. Ein privater Zugang zu einer Ausstellung vor der offiziellen Eröffnung.
Die Events waren im Kartenpreis inbegriffen. Man hat eine Einladung bekommen, sich angemeldet, ist hingegangen. Das war es.
Eines der besten Events, die ich erlebt habe: ein privates Alicia Keys Konzert in München, organisiert als Centurion Living Event. Keine öffentliche Veranstaltung, kein Ticketverkauf. Eine Einladung per Post, ein Abend mit wenigen hundert Leuten, und eine der besten Live-Performances, die ich je gesehen habe.

Oder ein privates Salif Keita Konzert in Amsterdam. Eine kleine Gruppe in einem historischen Saal, kein öffentlicher Ticketverkauf, einfach ein Abend mit außergewöhnlicher Musik in außergewöhnlichem Rahmen.

Das ist genau das, was die Centurion Events einmal ausgemacht hat. Erlebnisse, die man mit keinem Geldbetrag hätte kaufen können.
Was sie wirklich wertvoll gemacht hat: Sie waren nicht inszeniert. Es ging nicht darum, einem etwas zu verkaufen. Es ging darum, Centurion-Inhabern Zugang zu Erlebnissen zu geben, die sonst nicht zugänglich sind. Und genau das hat funktioniert.
Was daraus geworden ist
Die Events sind seltener geworden. Das allein wäre kein Problem. Qualität vor Quantität. Aber was sich verändert hat, ist der Charakter.
Ein wachsender Teil der Einladungen, die heute ankommen, sind im Kern Verkaufsveranstaltungen. Reiseangebote, die als "exklusive Centurion-Erlebnisse" verpackt sind, aber letztlich Pauschalreisen zu Premium-Preisen darstellen. Memberships für 5.000 Euro aufwärts, die einem die "Möglichkeit" geben, weitere teure Reisen zu buchen. Kooperationen mit Luxusmarken, bei denen das "Event" darin besteht, dass man in einem schönen Raum sitzt und eine Produktpräsentation bekommt.
Das ist kein exklusiver Zugang. Das ist ein Vertriebskanal.
Das Problem mit dem Upsell
Ich verstehe, dass American Express Partnerschaften eingeht und dass Events Geld kosten. Aber die ursprüngliche Idee der Centurion Events war eine andere: Du zahlst die Jahresgebühr, und dafür bekommst du Erlebnisse, die man nicht kaufen kann. Nicht Erlebnisse, bei denen man noch mehr kaufen soll.
Wenn ich eine Einladung zu einem "exklusiven Reise-Event" bekomme und dort im Wesentlichen eine Verkaufspräsentation für ein 12.000-Euro-Reisepaket erwartet wird, dann hat das mit dem ursprünglichen Versprechen der Centurion Card wenig zu tun.
Das Absurde daran: Centurion-Inhaber sind per Definition Menschen, die viel Geld ausgeben. Man muss ihnen nichts verkaufen. Man muss ihnen etwas bieten, das ihr Geld nicht kaufen kann. Genau das war der Kern des Centurion-Versprechens. Und genau das geht verloren, wenn Events zu Upsell-Plattformen werden.
Was noch funktioniert
Es gibt sie noch, die guten Events. Ein privates Konzert hier, ein Dinner dort. Sie sind seltener geworden, aber wenn sie stattfinden, erinnern sie an das, was die Centurion Events einmal ausgemacht hat.
Und der Concierge kann nach wie vor individuelle Erlebnisse organisieren, die kein Event-Programm bieten würde. Das ist, ironischerweise, inzwischen oft der bessere Weg: sich vom Concierge etwas Persönliches zusammenstellen zu lassen, statt auf die nächste Einladung zu warten.
Mein Fazit
Die Centurion Living Events waren eines der stärksten Argumente für die Karte. Sie haben gezeigt, dass die Jahresgebühr nicht nur Zugang zu Lounges und Versicherungen kauft, sondern zu einer Welt, die sonst verschlossen bleibt.
Dass diese Events zunehmend durch Verkaufsveranstaltungen ersetzt werden, ist nicht nur schade. Es untergräbt das Fundament dessen, was die Centurion Card sein will. Eine Karte, die sich über Exklusivität definiert, kann sich nicht gleichzeitig als Vertriebskanal für Premium-Pauschalreisen verstehen.
Ich hoffe, American Express findet hier wieder die Balance. Die Karte verdient bessere Events. Wer den Vergleich zwischen Centurion und Platinum sieht, erwartet zu Recht, dass die höhere Gebühr auch einzigartige Erlebnisse finanziert.
