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Centurion vs. Platinum Vergleich 2026: Lohnt sich's?

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Centurion vs. Platinum Vergleich 2026: Lohnt sich's?

Ich besitze sowohl die American Express Centurion Card als auch die Platinum Card. Beide aktiv, beide regelmäßig im Einsatz. Die meisten Vergleiche, die man online findet, basieren auf Hörensagen, auf den offiziellen Produktseiten oder auf den Erfahrungen von Leuten, die eine der beiden Karten nicht haben. Dieser Vergleich basiert auf täglicher Nutzung beider Karten über mehrere Jahre.

Die zentrale Frage, die ich hier beantworten will: Rechtfertigt der Aufpreis der Centurion die Unterschiede zur Platinum? Die kurze Antwort: Für die meisten Menschen nicht. Die lange Antwort folgt.

Amex Centurion Black Card

Die Kosten

Die Platinum Card kostet 720 Euro pro Jahr. Kein Einmalgebühr, keine versteckten Kosten.

Die Centurion Card kostet eine einmalige Aufnahmegebühr von 5.000 Euro plus eine jährliche Gebühr von 5.000 Euro. Die Jahresgebühr lässt sich alternativ mit 500.000 Membership Rewards Punkten bezahlen, die Aufnahmegebühr nicht. Eine Partnerkarte ist inklusive, jede weitere kostet 5.000 Euro. Im ersten Jahr zahlst du also 10.000 Euro, danach 5.000 Euro.

Das ist mehr als das Fünffache der Platinum. Um diesen Aufpreis zu rechtfertigen, müssten die Unterschiede erheblich sein. Schauen wir uns an, ob sie das sind.

Concierge

Hier liegt der deutlichste Unterschied zwischen beiden Karten. Beide haben einen Concierge-Service, aber die Qualität unterscheidet sich spürbar.

Erreichbarkeit

Beim Centurion-Concierge werde ich fast immer sofort verbunden. In seltenen Fällen warte ich ein bis zwei Minuten. Beim Platinum-Concierge habe ich in den letzten zwei Jahren zunehmend Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten erlebt. Das ist kein Zufall, sondern eine Konsequenz der unterschiedlichen Kartenbasis. Es gibt deutlich mehr Platinum-Inhaber als Centurion-Inhaber.

Kompetenz der Agenten

Die Centurion-Agenten sind im Durchschnitt erfahrener. Sie stellen bessere Rückfragen, verstehen schneller, was gemeint ist, und bieten von sich aus Alternativen an. Das ist ein subjektiver Eindruck, aber einer, der sich über viele Gespräche auf beiden Linien gefestigt hat.

Ein Beispiel: Bei einer Restaurantreservierung im Ausland kennt der Centurion-Agent oft das Restaurant, weiß um lokale Besonderheiten und schlägt ungefragt hilfreiche Zusatzleistungen vor. Beim Platinum-Concierge wird die Anfrage in der Regel korrekt bearbeitet, aber ohne dieses proaktive Mitdenken.

Proaktivität

Das ist der subtilste, aber vielleicht wichtigste Unterschied. Der Centurion-Concierge denkt über die reine Anfrage hinaus. Wenn ich einen Flug buche, bekomme ich manchmal den Hinweis, dass das Hotel am Zielort über die späte Ankunft informiert werden sollte. Oder dass es in der Stadt gerade ein Event gibt, das mich interessieren könnte. Beim Platinum-Concierge passiert das selten.

Eskalationsmöglichkeiten

In Situationen, die über das Standardverfahren hinausgehen, hat der Centurion-Concierge mehr Handlungsspielraum. Er kann direkt bei Hotel-General-Managern anrufen, persönliche Kontakte bei Airlines nutzen und Dinge arrangieren, die über die normalen Kanäle nicht möglich wären. Beim Platinum läuft alles über die Standardkanäle.

Lounge-Zugang

Beide Karten bieten Priority Pass Prestige mit Zugang zu über 1.400 Lounges weltweit. Beide Karten berechtigen zum Zugang zu den Centurion Lounges in den USA und einigen internationalen Standorten. Ein Gast ist jeweils inklusive.

Es gibt aber einen relevanten Unterschied: Die Centurion Card gewährt Zugang zur Lufthansa First Class Lounge, wenn du auf einem Lufthansa-operierten Flug (LH-Flugnummer) reist, auch in der Economy Class. Die Platinum bietet diesen Zugang nicht. Wer regelmäßig ab Frankfurt oder München mit Lufthansa fliegt, hat hier einen echten Mehrwert, denn die Lufthansa First Class Lounge gehört zu den besten Airline-Lounges weltweit.

Hotel-Status und Upgrades

Die Centurion bringt Hilton Honors Diamond und Marriott Bonvoy Gold mit, die Platinum Hilton Honors Gold und Marriott Bonvoy Gold.

In der Praxis entsteht der Eindruck, dass Buchungen über das Centurion-Team bei Fine Hotels & Resorts Partnern manchmal zu besseren Upgrades führen. Das ist schwer zu beweisen, weil Upgrades immer von der Verfügbarkeit abhängen. Aber Centurion-Inhaber berichten, dass bei vergleichbaren FHR-Buchungen über den Centurion-Concierge versus den Platinum-Service das Upgrade tendenziell eine Kategorie höher ausfällt.

Ob das an einem internen Ranking liegt, an der Kommunikation des Concierge mit dem Hotel oder schlicht an Zufall, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber die Tendenz ist da.

Events

Hier zeigt sich ein Unterschied, der allerdings kleiner geworden ist.

Centurion Living Events

Die Centurion Card bietet exklusive Events unter dem Label "Centurion Living". Das waren in der Vergangenheit private Dinners in Sternerestaurants, Zugang zu geschlossenen Veranstaltungen, kulturelle Events und ähnliches. Die Qualität ist teilweise hervorragend. Private Dinners in Sternerestaurants mit persönlichem Menü des Küchenchefs und begleitender Weinprobe gehören zu den Highlights, die Centurion-Inhaber besonders schätzen.

Aber: Die Frequenz dieser Events hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Früher gab es monatlich ein bis zwei relevante Veranstaltungen. Inzwischen sind es vielleicht vier bis sechs im Jahr, verteilt über verschiedene Städte. Wenn du nicht in einer Großstadt wie München, Frankfurt oder Hamburg lebst, kommst du noch seltener in den Genuss.

Platinum Events

Die Platinum hat keine vergleichbaren exklusiven Events. Es gibt gelegentlich Amex-Veranstaltungen, aber diese sind für alle Karteninhaber offen, nicht nur für Platinum.

Bewertung

Wenn du Events schätzt und in einer Stadt lebst, in der sie stattfinden, ist das ein Pluspunkt für die Centurion. Aber angesichts der abnehmenden Frequenz ist es kein starkes Argument mehr. Die Events allein rechtfertigen den Aufpreis nicht.

Versicherungen

Die Versicherungspakete beider Karten sind nahezu identisch. Reiserücktritt, Auslandskrankenversicherung, Gepäck, Mietwagen, Einkaufsschutz. Die Deckungssummen und Bedingungen unterscheiden sich marginal.

Es gibt minimale Unterschiede in den Obergrenzen einiger Versicherungen, aber in der Praxis sind sie nicht relevant genug, um den Aufpreis zu rechtfertigen. Wer wegen der Versicherungen zwischen Centurion und Platinum wählt, macht einen Fehler. Die Platinum reicht hier vollkommen aus.

Die Karte selbst

Die Centurion Card ist aus Titan gefertigt. Sie ist schwerer als die Platinum und hat eine markante dunkle Oberfläche. Lange Zeit war das ein klares Unterscheidungsmerkmal: Die Centurion war die Metallkarte, die Platinum war aus Plastik.

Inzwischen ist auch die Platinum eine Metallkarte. Der optische und haptische Unterschied ist kleiner geworden. Die Centurion fühlt sich immer noch wertiger an, aber der Abstand ist nicht mehr so groß wie früher.

Ob die Karte an sich irgendeine praktische Relevanz hat, hängt davon ab, wie viel Wert du auf das Äußere legst. Ich bezahle inzwischen fast alles kontaktlos über Apple Pay. Die physische Karte kommt selten zum Einsatz. In dem Moment, in dem du sie aus dem Portemonnaie ziehst, hat die Centurion einen gewissen Effekt. Manche Leute erkennen sie, manche fragen nach. Aber das ist kein Kriterium für eine Kaufentscheidung.

Airline-Status

Hier hat sich in den letzten Jahren viel verändert, und nicht zum Besseren.

Was gestrichen wurde

Die Centurion Card bot früher Emirates Skywards Gold Status. Das war ein erheblicher Vorteil: Business Class Lounge-Zugang bei Emirates und Partnerairlines, Upgrades, bevorzugter Check-in. Diesen Status hat American Express gestrichen. Er existiert nicht mehr.

Was noch existiert

Beide Karten, Centurion und Platinum, bringen den Virgin Atlantic Flying Club Gold Status mit. Das ist nett, wenn du häufig mit Virgin Atlantic fliegst, aber für in Deutschland lebende Reisende ist das ein Nischenvorteil. Die meisten meiner Flüge gehen über Lufthansa, Swiss oder Emirates. Der Virgin-Status hilft da wenig.

Bewertung

Im Bereich Airline-Status gibt es keinen relevanten Unterschied mehr zwischen Centurion und Platinum. Was einmal ein Centurion-Vorteil war, der Emirates Gold Status, ist weggefallen. Was bleibt, ist für beide Karten identisch.

Service-Anfragen und Kulanz

Ein Punkt, der in keinem offiziellen Vergleich auftaucht, aber im Alltag spürbar ist: Wie du behandelt wirst, wenn etwas schiefgeht.

Bei Service-Anfragen, einer strittigen Abbuchung, einer verspäteten Gutschrift, einem Problem mit einem Benefit, habe ich als Centurion-Inhaber durchweg das Gefühl, ernster genommen zu werden. Die Bearbeitung geht schneller, die Kulanzbereitschaft ist höher, und die Kommunikation ist persönlicher.

Centurion-Inhaber berichten, dass Probleme wie fehlerhafte Abbuchungen in der Regel deutlich schneller gelöst werden als über den Platinum-Service. Die vorläufige Gutschrift erscheint oft sofort, und die Gesamtbearbeitungszeit ist kürzer.

Das ist kein systematischer Beweis, sondern eine Sammlung von Erfahrungen aus der Centurion-Community. Aber das Muster ist konsistent genug, um es als realen Unterschied wahrzunehmen.

Wo die Centurion wirklich besser ist

Nach all den Details, hier die drei Bereiche, in denen die Centurion tatsächlich einen spürbaren Vorteil gegenüber der Platinum hat:

Erstens, der Concierge. Schnellere Erreichbarkeit, erfahrenere Agenten, proaktives Mitdenken. Wer den Concierge regelmäßig nutzt, mehrmals im Monat, wird den Unterschied bemerken und schätzen.

Zweitens, die Events. Wenn sie stattfinden und du teilnimmst, bieten sie Erlebnisse, die mit Geld allein nicht zu kaufen sind. Die Frequenz hat abgenommen, aber die Qualität der verbleibenden Events ist hoch.

Drittens, die Service-Qualität bei Problemen. Im Alltag bemerkst du das selten, weil Probleme selten sind. Aber wenn etwas schiefgeht, ist es beruhigend zu wissen, dass deine Anfrage mit höherer Priorität behandelt wird.

Wo der Unterschied den Aufpreis nicht rechtfertigt

Lounge-Zugang: weitgehend identisch, mit der wichtigen Ausnahme der Lufthansa First Class Lounge (nur Centurion). Versicherungen: nahezu identisch. Hotel-Status: die Centurion bringt Hilton Diamond statt Gold. Airline-Status: identisch (und durch die Streichung des Emirates Gold sogar nivelliert). Die Karte selbst: marginal anders, praktisch irrelevant.

Das bedeutet: Die Kernvorteile, die die meisten Platinum-Inhaber täglich nutzen, sind bei beiden Karten gleich. Der Unterschied liegt in den Bereichen, die nur bei aktiver und häufiger Nutzung relevant werden.

Für wen sich die Centurion lohnt

Du nutzt den Concierge regelmäßig, mindestens zwei bis drei Mal im Monat. Du schätzt die Events und lebst in einer Stadt, in der sie stattfinden. Du hast einen hohen Kartenumsatz und möchtest das Gefühl, bei Service-Anfragen priorisiert behandelt zu werden. Du betrachtest die 5.000 Euro Jahresgebühr als einen vertretbaren Betrag, den du nicht durch konkrete Gegenleistungen amortisieren musst.

Wenn all das auf dich zutrifft, bietet die Centurion einen echten Mehrwert gegenüber der Platinum. Nicht in Form von harten Euro-Beträgen, sondern in Form von Bequemlichkeit, Erlebnissen und Service-Qualität.

Amex Platinum Card

Für wen die Platinum reicht

Du nutzt den Concierge gelegentlich, vielleicht ein bis zwei Mal im Monat. Du reist regelmäßig und nutzt Lounges, FHR und den Hilton-Status. Du willst eine Premium-Karte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, bei der du den Gegenwert der Jahresgebühr kalkulieren und belegen kannst.

Für dieses Profil ist die Platinum die richtige Wahl. Die 720 Euro lassen sich durch die konkreten Vorteile der Karte amortisieren. Die Centurion würde dir marginal besseren Service bieten, aber zu einem Aufpreis, der in keinem vernünftigen Verhältnis zum Mehrwert steht.

Mein ehrliches Fazit

Die Centurion Card ist die bessere Karte. In fast jedem Bereich, in dem es einen Unterschied gibt, schneidet sie besser ab als die Platinum. Der Concierge ist erfahrener und schneller. Die Events, wenn sie stattfinden, sind exzellent. Der Service bei Problemen ist spürbar priorisiert.

Aber "besser" bedeutet nicht "fünfmal besser". Und genau das müsste sie sein, um den fünffachen Preis zu rechtfertigen. Die Centurion kostet 5.000 Euro pro Jahr, die Platinum 720 Euro. Der Unterschied liegt bei 4.280 Euro jährlich. Für diesen Betrag bekommst du einen etwas besseren Concierge, gelegentliche Events und das Gefühl, in der obersten Prioritätsstufe behandelt zu werden.

Für die meisten Menschen reicht die Platinum. Vollkommen. Sie bietet 90 Prozent der Centurion-Leistungen zum Bruchteil des Preises. Die verbleibenden 10 Prozent sind real, aber sie sind Luxus im Luxus.

Ich behalte meine Centurion, weil ich den Concierge häufig genug nutze und die Events schätze, wenn sie stattfinden. Aber ich empfehle sie nicht aktiv. Wer mich fragt, dem sage ich: Nimm die Platinum. Wenn du irgendwann merkst, dass du den Concierge jede Woche brauchst und dir die Events fehlen, denk über die Centurion nach. Bis dahin sparst du 4.280 Euro im Jahr für eine Karte, die nahezu das Gleiche kann.

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