Alle Artikel
VERGLEICHE

Beste Kreditkarten-Kombination 2026: 4 Setups

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Beste Kreditkarten-Kombination 2026: 4 Setups

Die Vorstellung, dass eine einzige Kreditkarte alle Situationen abdeckt, ist in Deutschland eine Illusion. Wer Amex nutzt, stößt regelmäßig an Akzeptanzgrenzen. Wer nur Visa hat, verzichtet auf eines der stärksten Punkteprogramme der Welt. Und wer wahllos mehrere Karten besitzt, ohne System, verliert den Überblick und zahlt Gebühren für Leistungen, die sich gegenseitig kannibalisieren.

Die Lösung ist eine durchdachte Kombination. Zwei bis drei Karten, die sich ergänzen statt überschneiden. Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Setups getestet und sehe in meinem Umfeld immer wieder dieselben vier Kombinationen, die funktionieren. Jede für ein anderes Profil, jede mit einer klaren Logik.

Amex Kartensammlung

Das Grundproblem

American Express hat das beste Punkteprogramm auf dem deutschen Markt. Membership Rewards mit Transfer-Partnern wie British Airways, Singapore Airlines, ANA und Hilton bietet einen Gegenwert pro Punkt, der jedes Cashback-Programm schlägt. Dazu kommen Reisevorteile, die kein Visa- oder Mastercard-Anbieter in Deutschland in dieser Form bietet: Lounge-Zugang, Hotelstatus, Fine Hotels & Resorts, Concierge.

Das Problem: Amex wird nicht überall akzeptiert. In deutschen Großstädten liegt die Akzeptanz bei 70 bis 80 Prozent der Händler, die Kartenzahlung anbieten. Auf dem Land sinkt sie auf 40 bis 50 Prozent. Aldi, Lidl, dm, viele Bäckereien und lokale Geschäfte nehmen kein Amex. Online ist die Akzeptanz besser, aber auch dort gibt es Lücken.

Auf der anderen Seite stehen Visa und Mastercard. Nahezu universelle Akzeptanz, aber schwache Rewards-Programme in Deutschland. Die meisten kostenlosen Visa-Karten bieten kein Punkteprogramm, kein Cashback oder bestenfalls 0,5 Prozent. Versicherungsleistungen sind bei kostenlosen Karten minimal oder nicht vorhanden.

Die logische Konsequenz: Amex für Punkte und Vorteile, Visa oder Mastercard als Backup für alles andere. Das ist die Grundformel. Die folgenden vier Kombinationen bauen darauf auf.

Kombination 1: Amex Platinum + DKB Visa Debit

Die klassische Lösung. Das Setup, das ich den meisten empfehle, die bereit sind, in eine Premium-Karte zu investieren.

Die Amex Platinum (720 Euro/Jahr) ist die Hauptkarte. Sie sammelt Membership Rewards Punkte, bringt Priority Pass Lounge-Zugang, Hilton Gold und Marriott Gold Status, 200 Euro Reiseguthaben bei Amex Travel, Fine Hotels & Resorts, SIXT ride Guthaben und ein umfassendes Versicherungspaket. Alles, wo Amex akzeptiert wird, läuft über diese Karte.

Die DKB Visa Debitkarte (kostenlos) ist das Backup. Keine Jahresgebühr im Rahmen des DKB-Girokontos (ab 700 Euro monatlichem Geldeingang als Aktivkunde). Kein Auslandseinsatzentgelt. Kostenlose Bargeldabhebungen weltweit. Universelle Visa-Akzeptanz. Die DKB Visa ist das pragmatischste Zahlungsmittel in Deutschland: sie funktioniert immer und überall, kostet nichts und hat keine versteckten Gebühren.

Warum diese Kombination funktioniert. Die Platinum deckt alles ab, wo du Mehrwert generieren kannst: Punkte, Versicherungen, Status. Die DKB füllt die Lücken, wo Amex nicht funktioniert, und liefert zusätzlich das, was Amex nicht kann: kostenloses Bargeld weltweit.

Effektive Kosten. 720 Euro minus 200 Euro Reiseguthaben minus 200 Euro SIXT ride minus 150 Euro Restaurantguthaben minus 100 Euro Lodenfrey-Shopping (bei voller Nutzung) = effektiv 70 Euro. Selbst bei konservativer Teilnutzung der Guthaben ist die Platinum ein Schnäppchen. Dafür bekommst du Priority Pass, Hotelstatus, FHR, Versicherungen und ein starkes Punkteprogramm. Alles andere ist kostenlos.

Limitierung. Die DKB Visa ist eine Debitkarte. Bei Mietwagenbuchungen oder Hotelkautionen, die eine echte Kreditkarte verlangen, kann es zu Problemen kommen. Wer häufig Mietwagen bucht oder in Hotels eincheckt, die Amex nicht akzeptieren, sollte über eine dritte Karte nachdenken.

Für wen. Angestellte oder Freiberufler, die regelmäßig reisen (sechs oder mehr Flüge pro Jahr), die Platinum-Vorteile aktiv nutzen und ein unkompliziertes Zwei-Karten-Setup wollen.

Amex Platinum Card

Kombination 2: Amex Gold + Barclays Visa

Die günstigere Variante für alle, die in das Amex-System einsteigen wollen, ohne 720 Euro zu investieren.

Die Amex Gold (240 Euro/Jahr) sammelt Membership Rewards Punkte mit derselben Earning-Rate wie die Platinum: 1 Punkt pro Euro. Die Gold hat keinen Lounge-Zugang, keinen Hotelstatus und kein Reiseguthaben. Aber sie hat das, worauf es langfristig am meisten ankommt: Zugang zum Membership Rewards Programm mit allen Transfer-Partnern. Jeder Euro Umsatz generiert Punkte, die du zu Airlines transferieren und für Premium-Flüge einlösen kannst.

Die Barclays Visa (kostenlos) ist mehr als nur ein Backup. Sie bringt ein eigenes Versicherungspaket mit: Reiserücktrittsversicherung, Auslandsreise-Krankenversicherung, Mietwagenversicherung. Bei einer kostenlosen Karte ist das bemerkenswert. Dazu kommt weltweiter Einsatz ohne Auslandsgebühr und ein echter Kreditrahmen, was sie von Debitkarten wie der DKB unterscheidet.

Warum diese Kombination funktioniert. Die Gold sammelt Punkte. Die Barclays liefert Versicherungsschutz und Akzeptanz, wo Amex nicht geht. Zusammen kosten beide 240 Euro im Jahr und decken Punkte, Versicherungen und universelle Akzeptanz ab. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schwer zu schlagen.

Effektive Kosten. 240 Euro. Keine versteckten Gebühren, keine Guthaben, die man aktiv einlösen muss, kein Druck. Bei 15.000 Euro Jahresumsatz über die Gold sammelst du 15.000 MR-Punkte, die bei einem Airline-Transfer 150 bis 300 Euro wert sein können. Die Karte hat sich rechnerisch bezahlt gemacht.

Limitierung. Kein Lounge-Zugang. Kein Hotelstatus. Kein Reiseguthaben. Kein FHR. Wer diese Vorteile will, muss zur Platinum greifen. Und wer häufig fliegt und die Wartezeit am Gate kennt, wird den fehlenden Lounge-Zugang irgendwann als echte Einschränkung empfinden.

Für wen. Einsteiger in das Amex-System. Menschen, die drei bis fünf Mal im Jahr verreisen. Alle, die Punkte sammeln wollen, ohne hohe Gebühren zu zahlen. Studierende und Berufseinsteiger mit moderatem Einkommen.

Kombination 3: Amex Platinum + Amex Business Platinum + DKB Visa

Das Powersetup für Unternehmer. Drei Karten, maximaler Nutzen, klare Struktur.

Die Amex Platinum (720 Euro/Jahr) für alle privaten Ausgaben. Restaurants, private Reisen, Einkäufe, Abonnements. Alles, was nicht geschäftlich ist, geht hierüber.

Die Amex Business Platinum (850 Euro/Jahr) für alle geschäftlichen Ausgaben. Software, Werbung, Geschäftsreisen, Bewirtungen, Büromaterial. Separate Abrechnung, die direkt an den Steuerberater geht. Bis zu 99 Zusatzkarten für Mitarbeiter. Integration in Buchhaltungssoftware.

Die DKB Visa Debitkarte (kostenlos) als universelles Backup für beide Bereiche. Wo Amex nicht funktioniert, ob privat oder geschäftlich, greift die DKB.

Warum diese Kombination funktioniert. Du maximierst Punkte auf beiden Seiten deines Lebens. Jeder Euro, privat oder geschäftlich, fließt in das Membership Rewards Programm. Die Punkte beider Amex-Karten lassen sich in einem Pool zusammenlegen, was das Sammeln beschleunigt. Dazu bekommst du doppeltes Reiseguthaben (400 Euro bei Amex Travel), doppelten Priority Pass (als Backup), doppelten Versicherungsschutz und eine saubere Trennung für die Buchhaltung.

Effektive Kosten. 1.570 Euro Gesamtgebühren minus 400 Euro Reiseguthaben = 1.170 Euro. Die Business Platinum ist als Betriebsausgabe absetzbar, was bei einem Steuersatz von 42 Prozent nochmals 357 Euro spart. Effektiv: 813 Euro für zwei Premium-Karten und eine kostenlose Backup-Karte.

Limitierung. Hohe Gesamtkosten, auch wenn sie sich relativieren. Und Verwaltungsaufwand: Zwei Amex-Abrechnungen, eine DKB-Abrechnung. Drei Karten im Portemonnaie, drei Apps. Wer Einfachheit bevorzugt, wird sich damit nicht wohlfühlen.

Für wen. Selbständige und Unternehmer mit monatlichen Geschäftsausgaben von mindestens 2.000 Euro, die regelmäßig reisen und das Punktesystem aktiv nutzen. Dieses Setup ergibt keinen Sinn, wenn deine geschäftlichen Ausgaben unter 1.000 Euro monatlich liegen oder du nie fliegst.

Kombination 4: Amex Platinum + Miles & More Gold

Für Lufthansa-Vielflieger, die ihr Kreditkarten-Setup auf maximale Meilen und maximalen Status bei der Star Alliance ausrichten wollen.

Die Amex Platinum (720 Euro/Jahr) bringt Priority Pass Lounge-Zugang, Hotelstatus, Reiseguthaben und Membership Rewards Punkte. Die MR-Punkte lassen sich 1:1 zu Miles & More transferieren, was diese Karte zu einem effektiven Meilensammler macht, auch wenn du nicht direkt mit Lufthansa fliegst.

Die Miles & More Gold Kreditkarte (Mastercard, ca. 110 Euro/Jahr) sammelt direkt Miles & More Meilen: 1 Meile pro 2 Euro Umsatz im Inland, 1 Meile pro Euro im Ausland. Der Earning-Rate ist niedriger als bei der Amex, aber die Meilen landen direkt im Miles & More Konto, ohne Transfer. Dazu kommt ein entscheidender Vorteil: Senator Lounge Einladungen. Je nach Status und Umsatz auf der Karte erhältst du Einladungen für die Lufthansa Senator Lounge, die deutlich besser ist als die meisten Priority Pass Lounges in Deutschland.

Warum diese Kombination funktioniert. Du sammelst Meilen von zwei Seiten. MR-Punkte von der Platinum, die du zu Miles & More transferierst. Plus direkte Meilen von der M&M Gold bei allen Zahlungen, wo Mastercard akzeptiert wird und Amex nicht. Dazu hast du Lounge-Zugang über Priority Pass (weltweit) und potenziell Senator Lounge (an Lufthansa-Hubs). Hotel-Status über die Platinum und Meilensammeln im Alltag über die M&M Gold.

Effektive Kosten. 830 Euro (720 plus 110). Minus 200 Euro Reiseguthaben = 630 Euro. Für diesen Betrag bekommst du ein umfassendes Lounge-Netzwerk, Hotelstatus, Versicherungen und ein duales Meilensammel-System.

Limitierung. Du bindest dich stark an Miles & More und damit an die Star Alliance. Wer flexibel bleiben und auch bei Emirates, Qatar oder Cathay Pacific einlösen will, fährt besser mit dem reinen MR-System, das mehr Transfer-Partner bietet. Außerdem ist die M&M Gold eine Mastercard, kein Visa. Das ist in Deutschland kein Problem (Mastercard-Akzeptanz ist hoch), aber in manchen Ländern bevorzugen Händler Visa.

Für wen. Vielflieger, die primär Lufthansa und Star Alliance fliegen, die den Senator Status anstreben oder halten und die Meilensammeln über verschiedene Kanäle maximieren wollen.

Was ich persönlich nutze

Mein Setup besteht aus der Centurion Card, der Business Platinum und der DKB Visa. Plus einer Barclays Visa als Sicherheitsnetz, die ich selten brauche.

Das Prinzip entspricht Kombination 3, mit dem Unterschied, dass die Centurion die Platinum ersetzt. Die Logik ist identisch: Hauptkarte für privat (Centurion), separate Karte für geschäftlich (Business Platinum), Backup für Akzeptanzlücken (DKB).

Warum nicht die Miles & More Karte dazu? Weil ich die Flexibilität von Membership Rewards bevorzuge. MR-Punkte kann ich zu einem Dutzend Airlines transferieren. Miles & More Meilen sind an die Star Alliance gebunden. Da ich je nach Route mal British Airways, mal Singapore Airlines, mal ANA fliege, will ich diese Flexibilität nicht aufgeben.

Die DKB Visa nutze ich häufiger, als mir lieb ist. Geschätzt 25 bis 30 Prozent meiner Zahlungen in Deutschland gehen über die DKB, weil Amex nicht akzeptiert wird. Das sind verlorene Punkte. Aber die Alternative, nur Amex-freundliche Händler zu frequentieren, ist unrealistisch.

Worauf du bei der Kombination achten solltest

Ein paar Grundregeln, die unabhängig von der gewählten Kombination gelten.

Versicherungsüberschneidungen prüfen. Wenn du zwei Karten mit Reiseversicherung hast, bezahlst du im Zweifel doppelt für denselben Schutz. Die Versicherung greift immer nur bei der Karte, mit der du die Reise bezahlt hast. Zwei Versicherungspakete bedeuten nicht doppelten Schutz, sondern Wahlmöglichkeit. Stell sicher, dass du weißt, welche Karte welche Leistung bietet und buche entsprechend.

Punktesysteme, die sich ergänzen. Amex Membership Rewards plus Miles & More ergibt Sinn, weil du MR-Punkte zu M&M transferieren kannst und so beide Systeme verbindest. Amex plus Payback ergibt weniger Sinn, weil die Systeme nicht verknüpfbar sind und du zwei getrennte Pools mit unterschiedlichem Gegenwert verwaltest.

Jahresgebühren im Gesamtpaket rechnen. Nicht jede Karte einzeln bewerten, sondern das Gesamtpaket. Was kosten alle Karten zusammen? Was bekommst du dafür? Gibt es Überschneidungen, für die du doppelt zahlst? Wenn ja, kann eine Karte weg.

Die Entscheidung an der Kasse vereinfachen. Ein gutes Karten-Setup braucht klare Regeln. Geschäftlich: Business-Karte. Privat, Amex akzeptiert: Amex. Privat, Amex nicht akzeptiert: Visa. Wenn du bei jeder Zahlung überlegen musst, welche Karte du zückst, ist dein System zu kompliziert.

Die Falle: Zu viele Karten

Ich sehe es in meinem Umfeld regelmäßig. Leute, die von Kreditkarten-Optimierung begeistert sind und anfangen, Karten zu sammeln. Fünf, sechs, sieben Karten. Jede mit einer vermeintlichen Nische, jede mit einem theoretischen Vorteil.

Das Problem: Ab vier Karten wird es unübersichtlich. Du vergisst, welche Karte welche Versicherung hat. Du verpasst es, Guthaben rechtzeitig einzulösen. Du zahlst Jahresgebühren für Karten, die du seit Monaten nicht benutzt hast. Und die Verwaltung, Abrechnungen prüfen, Punkte im Blick behalten, Versicherungsbedingungen kennen, frisst mehr Zeit, als die Vorteile wert sind.

Drei Karten reichen in der Regel. Eine Amex als Hauptkarte, eine Visa oder Mastercard als Backup, optional eine dritte für einen spezifischen Zweck (Business-Trennung, Meilensammeln bei einer bestimmten Airline, Bargeldabhebungen). Mehr als vier wird für die meisten Menschen kontraproduktiv.

Ich habe vier Karten und halte das für die Obergrenze. Die vierte (Barclays) nutze ich selten genug, dass ich gelegentlich darüber nachdenke, sie zu kündigen. Ich behalte sie, weil sie kostenlos ist und als Sicherheitsnetz funktioniert. Würde sie Gebühren kosten, wäre sie längst weg.

Die richtige Kombination finden

Am Ende hängt die Wahl von drei Faktoren ab.

Dein Reiseverhalten. Fliegst du häufig, brauchst du Lounge-Zugang und Hotelstatus. Das spricht für die Platinum. Fliegst du selten, reicht die Gold. Fliegst du primär Lufthansa, lohnt sich die M&M-Ergänzung.

Dein Ausgabenprofil. Hohe geschäftliche Ausgaben sprechen für die Business Platinum. Moderate private Ausgaben sprechen für die Gold. Ein Mix aus beidem spricht für Kombination 3.

Deine Bereitschaft zur Optimierung. Wer bereit ist, bei jeder Zahlung die richtige Karte zu wählen, Punkte aktiv zu transferieren und Guthaben auszuschöpfen, bekommt aus einem Drei-Karten-Setup enormen Gegenwert. Wer einfach nur eine Karte zücken und nicht nachdenken will, ist mit der Amex Platinum plus DKB gut bedient und sollte es dabei belassen.

Es gibt kein objektiv bestes Kartenportfolio. Aber es gibt für jedes Profil eine Kombination, die deutlich besser funktioniert als eine einzelne Karte. Und der Aufwand, das richtige Setup zu finden und einzurichten, ist einmalig. Danach läuft es von allein.

Alle ArtikelDu hast eine Frage zu Kreditkarten, Status oder dem US Credit System? Zum Kontakt
Anzeige