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Lounge-Zugang 2026: Mein System als Vielreisender

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Lounge-Zugang 2026: Mein System als Vielreisender

Nach Jahren des Vielfliegens habe ich ein System entwickelt, wie ich an so gut wie jedem Flughafen Zugang zu einer brauchbaren Lounge bekomme. Es ist kein Geheimnis und kein Hack. Es ist eine pragmatische Entscheidungskette, die ich im Kopf durchgehe, sobald ich am Flughafen bin.

Das hier ist keine vollständige Liste aller Lounges der Welt. Es ist mein persönlicher Ansatz, der sich über die Zeit bewährt hat. Dein Mileage mag variieren, im wahrsten Sinne des Wortes.

Lounge-Guide für Vielreisende

Die verschiedenen Zugangswege

Bevor wir ins Detail gehen, ein kurzer Überblick über die Zugangswege, die mir zur Verfügung stehen. Das ist gleichzeitig eine Bestandsaufnahme der Optionen, die viele Vielreisende in ähnlicher Form haben.

Priority Pass. Kommt mit der Amex Platinum und gibt Zugang zu über 1.400 Lounges weltweit. Ein Gast ist inklusive. Die Qualität schwankt enorm.

Airline-Status. Über Vielflieger-Programme wie Miles & More, SkyTeam oder Oneworld. Abhängig von deinem Status und der gebuchten Reiseklasse. Oft der beste Zugang, aber an Bedingungen geknüpft.

Amex Centurion Lounges. Eigene Lounges von American Express, aktuell vor allem in den USA. Zugang mit Platinum oder Centurion Card. Meistens hervorragend.

Tageskarten und Pay-per-Visit. An vielen Flughäfen kannst du dir den Zugang zu bestimmten Lounges einfach kaufen. Zwischen 30 und 70 EUR, je nach Lounge und Standort.

Drittanbieter-Lounges. Plaza Premium, No1 Lounges und ähnliche Ketten, die teilweise im Priority Pass Netzwerk sind, teilweise separat.

Mein Entscheidungsbaum

Wenn ich am Flughafen ankomme und Zeit habe, gehe ich eine einfache Reihenfolge durch.

Erstens: Gibt es eine Centurion Lounge? Falls ja, gehe ich dorthin. Punkt. Die Centurion Lounges, die ich in den USA besucht habe, sind konsistent auf einem Niveau, das die meisten anderen Optionen übertrifft. Gutes Essen, vernünftige Getränke, angenehme Atmosphäre, nicht zu voll. Das gilt aktuell vor allem für US-Flughäfen wie JFK, LAX, SFO, Miami und Dallas. In Europa gibt es diese Lounges noch nicht, was schade ist.

Zweitens: Habe ich über mein Ticket oder meinen Airline-Status Zugang zu einer guten Lounge? Wenn ich Business Class fliege oder Senator-Status bei Miles & More habe, nutze ich die Airline-eigene Lounge. Bei Lufthansa ist die Senator Lounge in Frankfurt meine erste Wahl. Sie ist geräumig, das Essen ist solide, und die Atmosphäre ist ruhiger als in der Business Lounge.

Drittens: Priority Pass. Wenn keine der ersten beiden Optionen verfügbar ist, schaue ich, was der Priority Pass am jeweiligen Flughafen bietet. Und hier wird es interessant, denn die Qualität variiert massiv.

Viertens: Kaufe ich mir den Zugang? Manchmal ist die beste Entscheidung, 40 EUR für eine Tageskarte in einer ordentlichen Lounge zu bezahlen, anstatt eine schlechte Priority Pass Lounge zu nutzen. Besonders bei langen Layovern ist das investierte Geld gut angelegt.

Flughafen-Lounge Interieur

Flughafen für Flughafen: Meine Empfehlungen

Frankfurt (FRA)

Frankfurt ist mein Heimatflughafen, und ich kenne ihn gut. Die beste Lounge am gesamten Flughafen ist die Lufthansa First Class Lounge in Terminal 1, aber die ist HON Circle Mitgliedern und First-Class-Passagieren vorbehalten. Vergessen wir die für die meisten Zwecke.

Die Lufthansa Senator Lounge in Terminal 1, Bereich B, ist hervorragend. Großzügig geschnitten, gutes Buffet, brauchbare Arbeitsmöglichkeiten, Duschen. Zugang mit Star Alliance Gold Status. Ein Business-Class-Ticket allein reicht hier nicht, damit kommst du in die Business Lounge, nicht in die Senator Lounge.

Die Lufthansa Business Lounge ist eine Stufe darunter, aber immer noch deutlich besser als die meisten Priority Pass Optionen am Flughafen. Zugang mit einem Business-Class-Ticket.

Was den Priority Pass betrifft: Die Optionen in Frankfurt sind funktional, aber nicht berauschend. Das Primeclass Lounge in Terminal 1 und Terminal 2 ist okay. Sitzgelegenheiten, Snacks, Getränke. Aber verglichen mit der Senator Lounge ist es eine andere Welt. Wenn du keinen Airline-Status hast und auf Priority Pass angewiesen bist, ist es immer noch besser als der Gate-Bereich. Aber erwarte kein Fünf-Sterne-Erlebnis.

München (MUC)

München ist etwas komplizierter. Die Lufthansa Business Lounge im Terminal 2 ist solide und mein üblicher Anlaufpunkt, wenn ich mit Lufthansa fliege. Gutes Frühstück, vernünftiges Mittagessen, Duschen vorhanden.

Im Satellitenterminal sieht es allerdings dünner aus. Die Lounge-Optionen dort sind begrenzter, und je nach Gate kann es sein, dass du einen längeren Weg hast. Plane das ein, besonders wenn du knapp dran bist.

Für Priority Pass gibt es die Airport Lounge World im Terminal 1 und die Airbräu Lounge im Terminal 2. Letztere ist eher ein gehobenes Restaurant als eine klassische Lounge, was nicht unbedingt schlecht ist. Du bekommst ein Essen und ein Getränk, sitzt aber nicht in einer abgeschirmten Lounge-Umgebung. Manchmal ist das vollkommen in Ordnung.

London Heathrow (LHR)

Heathrow ist ein eigenes Universum. Fünf Terminals, dutzende Lounges, und die Qualität reicht von miserabel bis erstklassig.

Im Terminal 3 ist die Amex Centurion Lounge meine erste Wahl, wenn ich mit der Platinum oder Centurion unterwegs bin. Sie ist nicht riesig, aber gepflegt, ruhig und hat ein besseres Speiseangebot als die meisten Priority Pass Optionen am Flughafen. Zugang mit einer Amex Platinum oder Centurion Card, unabhängig von der Airline.

Die BA Galleries Lounge im Terminal 5 ist für Business-Class-Passagiere und Oneworld-Statusinhaber zugänglich. Qualität schwankt je nach Tageszeit. Morgens um 6 ist sie angenehm leer. Nachmittags um 15 Uhr gleicht sie einem überfüllten Wartezimmer.

Für Priority Pass sind die Plaza Premium Lounges in den Terminals 2, 4 und 5 eine brauchbare Option. Nicht spektakulär, aber sauber, mit Duschen und einem akzeptablen Essensangebot. Im Terminal 2 gibt es außerdem die No1 Lounge, die ebenfalls über Priority Pass zugänglich ist und die ich persönlich etwas besser finde als Plaza Premium.

Dubai (DXB)

Dubai ist ein interessanter Fall. Die Emirates Business Class Lounge in Terminal 3 ist riesig und gut ausgestattet. Zugang bekommst du mit einem Business-Class-Ticket auf Emirates. Früher gab es auch Zugang für Inhaber bestimmter Premium-Kreditkarten, aber diese Regelung wurde in den letzten Jahren eingeschränkt. Aktuell brauchst du ein Business- oder First-Class-Ticket.

Für Priority Pass gibt es das Ahlan Business Class Lounge und die Marhaba Lounge. Die Marhaba Lounge in Terminal 3 ist solide. Nichts Besonderes, aber ein ruhiger Ort mit Essen und Getränken. Das Ahlan ist etwas gehobenener. Beide sind im Priority Pass Netzwerk.

Was ich in Dubai gelernt habe: Wenn du Economy fliegst und keinen Airline-Status hast, ist der Priority Pass dein bester Freund. Die Lounges sind nicht auf Emirates-Niveau, aber sie sind komfortabel genug für einen Layover.

New York JFK

Hier kommt die Centurion Lounge in Terminal 4 voll zur Geltung. Es ist eine der besten Centurion Lounges im gesamten Netzwerk. Ordentliches Essen mit wechselnder Karte, eine vollwertige Bar, Duschen, und eine Atmosphäre, die sich eher nach einem gehobenen Restaurant anfühlt als nach einer Flughafenlounge.

Wenn du in einem anderen Terminal bist, lohnt es sich, den Weg auf sich zu nehmen. Die Centurion Lounge ist den Umweg wert, vorausgesetzt du hast genug Zeit. Der Transfer zwischen den Terminals in JFK dauert je nach Verkehrslage 15 bis 30 Minuten mit dem AirTrain. Plane das ein.

Neben der Centurion Lounge gibt es im Terminal 4 auch die Virgin Atlantic Clubhouse (wenn du Virgin Atlantic fliegst) und diverse Priority Pass Optionen. Im Terminal 1 ist die Korean Air Lounge über Priority Pass zugänglich und überraschend gut.

Zürich (ZRH)

Ein oft übersehener Flughafen mit guten Lounge-Optionen. Die Swiss Business Lounge im Dock E ist hervorragend. Gutes Essen, Schweizer Schokolade in rauen Mengen, und eine angenehme Atmosphäre. Zugang mit Business-Class-Ticket auf einer Star-Alliance-Airline oder mit Star Alliance Gold.

Über Priority Pass gibt es die Aspire Lounge im Terminal E. Funktional, nicht aufregend, aber für einen kurzen Aufenthalt vor einem Intra-Europa-Flug völlig ausreichend.

Die Realität von Priority Pass in 2026

Ich muss hier offen sein. Priority Pass ist nicht mehr das, was es vor fünf Jahren war. Die Entwicklung geht in eine Richtung, die mich einerseits freut und andererseits ärgert.

Immer mehr klassische Lounges werden durch Restaurantangebote ersetzt. Das bedeutet: Statt in eine Lounge zu gehen, bekommst du ein Credit von typischerweise 25 bis 35 USD in einem bestimmten Restaurant am Flughafen. Du setzt dich ins Restaurant, bestellst Essen und Getränke bis zum Credit-Betrag, und der Rest geht auf deine Rechnung.

Das ist manchmal besser als die Alternative. In Madrid Barajas gibt es über Priority Pass Zugang zum Cerrado del Quijote, einem recht guten Restaurantangebot im Terminal 4S. Das Essen dort ist ehrlich gesagt besser als in mancher dedizierten Lounge. Ähnlich in einigen US-Flughäfen, wo die Restaurant-Credits dich in Restaurants bringen, die qualitativ weit über dem typischen Lounge-Buffet liegen.

Andererseits verlierst du damit genau das, wofür eine Lounge da ist: einen ruhigen, abgeschirmten Ort zum Arbeiten oder Entspannen. In einem Flughafenrestaurant sitzt du mitten im Trubel. Für manche Situationen ist das in Ordnung. Für einen langen Layover, an dem du arbeiten oder einfach nur Ruhe haben willst, ist es kein Ersatz.

Die besten Zeiten für Lounges

Eine Beobachtung, die sich über Jahre bestätigt hat: Die Tageszeit bestimmt maßgeblich, wie gut dein Lounge-Erlebnis wird.

Frühmorgens (5:30 bis 8:00 Uhr) sind die meisten Lounges angenehm leer. Das Frühstücksbuffet ist frisch aufgefüllt, die Sitze sind frei, und du kannst in Ruhe arbeiten oder einen Kaffee trinken. Meine Lieblingszeit.

Vormittags bis früher Nachmittag (8:00 bis 13:00 Uhr) füllt es sich allmählich, ist aber meistens noch erträglich.

Nachmittags (14:00 bis 18:00 Uhr) ist die Stoßzeit an den meisten großen Hubs. In Frankfurt, London und Dubai sind die Lounges zu dieser Zeit voll. Teilweise unangenehm voll. Wenn du die Wahl hast, meide diese Zeitfenster.

Abends (ab 20:00 Uhr) leert sich die Lounge wieder. Bei Spätflügen hast du oft fast eine leere Lounge für dich. In Dubai um 22 Uhr habe ich schon in der Marhaba Lounge gesessen und war einer von vielleicht zehn Gästen.

Was ich unterwegs immer dabeihabe

Zum Schluss ein praktischer Hinweis. Ich habe auf meinem Telefon die Priority Pass App installiert, die mir an jedem Flughafen zeigt, welche Lounges und Restaurants verfügbar sind. Dazu die LoungeBuddy App (jetzt Teil von American Express), die eine breitere Übersicht bietet.

Außerdem habe ich eine einfache Notiz mit meinen persönlichen Top-Lounges an den Flughäfen, die ich regelmäßig nutze. Klingt altmodisch, ist aber erstaunlich praktisch, wenn du um 5 Uhr morgens in einem fremden Terminal stehst und nicht erst recherchieren willst.

Ein System, kein Luxus

Lounge-Zugang wird oft als Luxus-Thema behandelt. Für mich ist es ein praktisches System. Es geht nicht darum, in einer schicken Lounge zu sitzen und Champagner zu trinken (obwohl das gelegentlich vorkommt). Es geht darum, an Flughäfen einen Ort zu haben, an dem ich arbeiten kann, an dem es Steckdosen gibt, an dem ich vor einem Langstreckenflug duschen kann, und an dem das Essen etwas besser ist als ein trockenes Brötchen vom Kiosk.

Wer regelmäßig fliegt, weiß, wie viel Zeit man an Flughäfen verbringt. Diesen Stunden eine gewisse Qualität zu geben, ist kein Luxus. Es ist eine vernünftige Entscheidung.

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