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Membership Rewards Entwertung: Was ein Amex-Punkt seit August 2025 noch wert ist

ChristianChristian··5 Min Lesezeit
Membership Rewards Entwertung: Was ein Amex-Punkt seit August 2025 noch wert ist

Seit heute gelten bei American Express Deutschland neue Transferkurse für vier Vielfliegerprogramme. Angekündigt wurde die Änderung am 1. Juli, einen Monat vorher. Das ist der zweite Schnitt am deutschen Membership Rewards Programm in anderthalb Jahren, nach der PAYBACK-Abwertung im März 2024. Beide zusammen verschieben das Programm an einen Punkt, an dem man ehrlich fragen muss, was ein Punkt hier überhaupt noch wert ist.

Die kurze Antwort: bei den besten Partnern 0,8 Meilen, bei den schlechten eine halbe, und in bar deutlich unter einem halben Cent. Die lange Antwort folgt.

Update 14. Oktober 2026: Seit dem 30. Juni 2026 ist Etihad Guest kein Transferpartner mehr, die Liste im Konto führt noch neun Airlines, vier Hotelprogramme und PAYBACK. Die Punkte-gegen-Umsatz-Einlösung steht im Konto bei 70.000 Punkten für eine Gutschrift von 280 Euro, also 0,4 Cent pro Punkt. Alle anderen Kurse in diesem Artikel gelten unverändert.

Was sich am 1. August 2025 geändert hat

Vier Partner, vier neue Kurse. Vorher lagen alle vier bei 5:4, also 0,8 Meilen pro Punkt.

  • Emirates Skywards: von 5:4 auf 2:1. Statt 0,8 Meilen bekommst du 0,5 Meilen pro Punkt, ein Minus von 38 %. Das ist der härteste Schnitt im ganzen Programm.
  • Qatar Airways Privilege Club: von 5:4 auf 3:2. Statt 0,8 jetzt 0,67 Meilen pro Punkt, minus 17 %.
  • Cathay Pacific Asia Miles: von 5:4 auf 3:2, minus 17 %.
  • Etihad Guest: von 5:4 auf 3:2, minus 17 %.

Unverändert bleiben British Airways Club, Iberia Club, Air France/KLM Flying Blue und SAS EuroBonus bei 5:4. Singapore Airlines KrisFlyer und Delta SkyMiles standen schon vorher bei 3:2.

In Punkten pro 100.000: Bei Emirates wurden daraus bis Juli 80.000 Meilen, seit heute 50.000. Bei Qatar und Cathay 66.667 statt 80.000. Wer im Juli nicht übertragen hat, hat bei Emirates 30.000 Meilen verloren, ohne dass sich im Konto eine Zahl geändert hätte.

Der Qatar-Schnitt lässt sich umgehen: Avios wandern kostenlos zwischen British Airways Club und Qatar Privilege Club. Wer Qatar-Prämien will, transferiert weiter zu 5:4 an British Airways und schiebt die Avios dann rüber. Für Emirates, Cathay und Etihad gibt es keinen solchen Umweg.

Der Schnitt davor: PAYBACK seit März 2024

Der Transfer zu PAYBACK war lange der stille Ausweg für alle, die keine Flugprämien buchen: Punkte zu PAYBACK, PAYBACK zu einem Cent pro Punkt im Supermarkt oder als Gutschrift. Bis Februar 2024 lag der Kurs bei 2:1, ein Membership Rewards Punkt war auf diesem Weg 0,5 Cent wert.

Seit dem 1. März 2024 gilt 3:1. Drei Amex-Punkte für einen PAYBACK-Punkt, also 0,33 Cent pro Punkt. Aus 100.000 Punkten wurden vorher 500 Euro, jetzt 333 Euro. Minus ein Drittel, mit vier Wochen Vorlauf.

Damit ist auch der zweite Weg zu Miles & More betroffen, denn einen direkten Transfer zu Lufthansa hat das deutsche Programm nicht. Miles & More erreicht man nur über PAYBACK, und seit März 2024 kostet jede Lufthansa-Meile drei Amex-Punkte.

Punkte gegen Umsatz: der Boden

Die dritte Einlösung ist die, die Amex am prominentesten zeigt: Punkte auf eine Kartentransaktion anrechnen. Keine Partner, kein Transfer, Gutschrift auf der Abrechnung. Der Kurs liegt bei 0,4 Cent pro Punkt. 70.000 Punkte löschen eine Buchung von 280 Euro.

Das ist der Wert, den Amex selbst für einen Punkt ansetzt, und er ist die Messlatte für alles andere. Die Gutscheine liegen in derselben Gegend, PAYBACK darunter. Der Punkte-Turbo für 15 Euro im Jahr bringt bei diesem Kurs auf 30.000 Euro Jahresumsatz 60 Euro, die Platinum-Jahresgebühr von 720 Euro entspricht 180.000 Punkten.

Zum Vergleich: Für denselben Umsatz von 30.000 Euro gibt es bei einer Cashback-Karte mit 1 % schlicht 300 Euro. Membership Rewards gegen Umsatz eingelöst sind ein Cashback-Programm mit 0,4 %, das zusätzlich eine Karte mit Jahresgebühr voraussetzt.

Was 100.000 Punkte heute ergeben

Dieselben 100.000 Punkte, je nach Ausgang:

  • British Airways, Iberia, Flying Blue, SAS: 80.000 Avios oder Meilen. Der beste Kurs, der übrig ist.
  • Qatar, Cathay, Etihad, Singapore, Delta: 66.667 Meilen.
  • Emirates: 50.000 Meilen.
  • Hilton: 100.000 Hilton-Punkte, Marriott: 66.667 Bonvoy-Punkte, Radisson: 200.000 Punkte, Accor: 33.333 Punkte, die Accor zu 2.000 Punkten gleich 40 Euro fest abrechnet, also 667 Euro.
  • PAYBACK: 33.333 Punkte, 333 Euro.
  • Umsatz: 400 Euro Gutschrift.

Auffällig ist die Reihenfolge am unteren Ende: Der Hotelpartner Accor mit festem Euro-Kurs liegt über der Amex-eigenen Gutschrift, die wiederum über PAYBACK liegt. Der Weg, den Amex am sichtbarsten anbietet, ist nicht der schlechteste, aber er ist nah dran.

Oben bleibt der Wert vom Prämienflug abhängig. 80.000 Avios können in einer gut gewählten Business Class mehrere tausend Euro Ticketwert sein, oder bei einer schlechten Einlösung 400 Euro. Das Programm ist kein Sparbuch mehr, falls es das je war, sondern eine Währung, die nur in einem einzigen Laden einen guten Kurs hat: beim Prämienflug mit einem 5:4-Partner.

Was aus der Entwertung folgt

Drei Konsequenzen, die sich aus den Zahlen ergeben.

Transfers nur mit Buchung, aber nicht mehr nach dem alten Reflex. Die Regel nie auf Vorrat zu transferieren galt, weil Airlines ihre Prämientabellen entwerten. Seit heute gilt sie doppelt, weil auch der Transferkurs selbst von Amex gekürzt werden kann, mit vier Wochen Vorlauf. Wer eine konkrete Buchung sieht, bei der ein Punkt mehr als 1 Cent bringt, wartet nicht auf den perfekten Deal.

Die 5:4-Partner sind die einzigen, die den Namen Transferpartner noch verdienen. British Airways, Iberia, Flying Blue und SAS. Qatar über den Avios-Umweg. Alle anderen Airlines kosten 1,5 bis 2 Punkte pro Meile, und bei diesen Kursen gewinnt die Meile nur noch bei Upgrades und First-Class-Einlösungen gegen den Barpreis.

Die Alternative zu Flugprämien ist nicht PAYBACK oder Umsatz, sondern gar nicht sammeln. Wer keine Prämienflüge bucht, ist mit einer Karte ohne Jahresgebühr und einem Prozent Cashback besser bedient als mit Membership Rewards zu 0,33 oder 0,4 Cent. Die Punkte rechtfertigen die Jahresgebühr nur bei denen, die den einen Laden mit gutem Kurs auch betreten.

Der Ausweg: dieselben Punkte im US-Programm

Membership Rewards ist pro Land ein eigenes Programm mit eigenen Kursen, und das deutsche ist eines der schwächsten. Das US-Programm von American Express zeigt, wie dieselbe Währung aussehen kann, wenn der Herausgeber sie ernst nimmt:

  • Gutschrift auf die Abrechnung: 0,6 US-Cent pro Punkt. Das ist dort die schlechteste Einlösung, und sie liegt über dem deutschen Boden von 0,4 Cent.
  • Flüge über Amex Travel mit Punkten bezahlen: 1 US-Cent pro Punkt, fest, ohne Prämienverfügbarkeit, auf jeden Flug, den man auch bar kaufen könnte. Mit der US Business Platinum kommen 35 % der eingesetzten Punkte zurück, was den Kurs auf rund 1,5 Cent hebt.
  • Transfers: zu den meisten Airline-Partnern 1:1, darunter British Airways, Flying Blue und Singapore Airlines. Aus 100.000 Punkten werden 100.000 Meilen statt 80.000 oder 66.667.

Der schlechteste US-Kurs schlägt den besten deutschen Barkurs, und der beste US-Transfer liegt 25 % über dem besten deutschen. Für jemanden, der Punkte ohnehin in Flüge steckt, ist das der Unterschied zwischen einem Programm, das die Jahresgebühr trägt, und einem, das es nicht tut.

Den Zugang zum US-Programm gibt es für deutsche Karteninhaber über Amex Global Transfer: Amex nimmt die bestehende deutsche Kundenbeziehung als Referenz und eröffnet eine US-Karte, ohne dass vorher ein amerikanischer Credit Score aufgebaut werden muss. Voraussetzung ist eine US-Steuernummer, in der Regel eine ITIN, und eine US-Adresse. Die vorhandenen deutschen Punkte lassen sich dabei nicht mitnehmen, die Programme sind getrennt. Was sich ändert, ist, wo die künftigen Punkte landen: Der Umsatz, der heute 0,8 Avios oder 0,4 Cent pro Euro bringt, bringt auf der US-Karte einen Punkt, der mindestens 0,6 Cent, bei Flügen 1 Cent und im Transfer eine volle Meile wert ist.

Das ist kein Trick, sondern die simple Konsequenz aus der Entwertung: Wenn der Herausgeber eines Punkteprogramms es in einem Land auf 0,4 Cent herunterschneidet und im anderen bei 0,6 bis 1 Cent hält, wechselt man das Land, nicht den Herausgeber.

Fazit

Zwei Schnitte in anderthalb Jahren, beide mit vier Wochen Vorlauf, beide ohne Gegenleistung. PAYBACK von 0,5 auf 0,33 Cent, Emirates von 0,8 auf 0,5 Meilen, drei weitere Partner von 0,8 auf 0,67. Was im deutschen Programm an Wert übrig ist, sitzt in vier Avios- und Flying-Blue-Partnern und sonst nirgends.

Wer die Punkte weiter sammelt, sollte sie dort einlösen und nirgendwo anders. Wer das nicht tut, sollte prüfen, ob die Karte die Gebühr noch trägt. Und wer das Programm für das nutzen will, wofür es gedacht war, findet die bessere Version davon auf der anderen Seite des Atlantiks, beim selben Herausgeber.

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