Amex streicht Lufthansa-Lounges zum 1. Oktober 2026
Das war der letzte große Vorteil, der die Centurion Card in Deutschland von jeder anderen Karte unterschieden hat. Zum 1. Oktober 2026 beendet American Express die Kooperation mit Lufthansa. Danach öffnet keine Amex-Karte mehr eine Lufthansa-Lounge.
Ich schreibe das mit deutlich mehr Bedauern als beim SmartBand. Das SmartBand war ein Objekt. Das hier war ein Vorteil, den ich bei fast jedem Abflug ab Frankfurt genutzt habe.

Wer genau was verliert
Centurion-Inhaber verlieren den Zugang zu den Lufthansa First Lounges — und zwar unabhängig von der gebuchten Klasse. Das war der eigentliche Coup: Du konntest Economy fliegen und trotzdem in die First Class Lounge. First Lounges gibt es nur in Frankfurt und München.
Platinum-Inhaber verlieren die Business Lounges (beim Flug in Economy) und die Senator Lounges (beim Flug in Business).
Betroffen sind nicht nur die deutschen Standorte. In der Aufstellung tauchen unter anderem Athen, Paris CDG, Düsseldorf, London Heathrow, Mailand Malpensa und Washington Dulles auf.
Eine Präzisierung, die oft untergeht: Das First Class Terminal in Frankfurt, das eigenständige Gebäude mit eigener Sicherheitskontrolle, war nie Teil dieser Kooperation. Es hängt an einem First-Class-Ticket oder am HON Circle Status, nicht an der Kreditkarte. Dort ändert sich also nichts, weil es dort für Karteninhaber nie etwas gab.
Warum
Offiziell: kein Grund. American Express hat die Medienpartner informiert, dass die Zusammenarbeit endet, mehr nicht.
Inoffiziell ist die Bandbreite der Vermutungen klein. Entweder Lufthansa wollte nicht verlängern, oder Lufthansa wollte mehr Geld, als Amex zu zahlen bereit war. Nach Jahren der Zusammenarbeit ist das ein nüchternes Ende ohne Erklärung, und genau das ist der Teil, der Karteninhaber ärgert.
Was Amex als Ersatz anbietet
Der Verweis lautet: über 1.550 Lounges weltweit, davon 32 im Centurion-Lounge-Netzwerk.
Für einen deutschen Karteninhaber ist dieser Satz weniger wert, als er klingt. In Deutschland gibt es keine einzige Centurion Lounge. Das Netzwerk ist fast vollständig amerikanisch, dazu Hongkong und ein kleinerer Bereich in London Heathrow. Wer ab Frankfurt oder München fliegt, hat davon exakt nichts. Details dazu stehen in meinem Überblick zu den Centurion Lounge Standorten.
Bleibt der Priority Pass. Der öffnet in Deutschland ein paar Türen, aber keine Lufthansa-Lounge auf First-Class-Niveau. Das ist eine Klasse darunter, in manchen Fällen zwei.
Was in Frankfurt tatsächlich bleibt
Der ehrlichste Ersatz ist kein Lounge-Zugang, sondern eine Stufe darüber: der Fraport VIP Service. Mindestens vier Betreuungen pro Jahr sind in der Centurion-Mitgliedschaft enthalten, gemessen an der offiziellen Preisliste ein Gegenwert von rund 2.180 Euro netto.
Das ist kein kleiner Trost. Eine VIP-Betreuung schlägt eine First Class Lounge in fast jeder Hinsicht: eigener Bereich statt geteilter Lounge, à la carte statt Buffet, Limousine ans Flugzeug statt Weg zum Gate. Der Unterschied ist die Verfügbarkeit. Die Lounge stand bei jedem Abflug offen, die VIP-Betreuung ein paar Mal im Jahr.
Das Muster, das langsam ein Bild ergibt
Innerhalb von zwei Jahren sind gestrichen worden:
- der Emirates Skywards Gold Status
- das Net-a-Porter und Mr Porter Guthaben
- das Valet Parking am Flughafen
- der Chip im Prada SmartBand, ebenfalls zum 1. Oktober 2026
- und jetzt der Lufthansa-Lounge-Zugang
Am 1. Oktober sterben also zwei Centurion-Vorteile am selben Tag. Das ist Zufall, aber ein sprechender.
Was auffällt: Es verschwinden immer die Vorteile mit dem festesten Ort in der Wirklichkeit. Ein Status, den du nutzt. Eine Lounge, die du betrittst. Ein Parkservice, der dein Auto nimmt. Was bleibt, sind Guthaben und Programm-Status, die man aktivieren, registrieren und abrufen muss.
Was du bis zum 1. Oktober tun solltest
Nutze ihn. Wenn du in den nächsten Wochen ohnehin über Frankfurt oder München fliegst, geh in die First Class Lounge, auch wenn du Economy fliegst. Das ist die letzte Gelegenheit, und sie kostet dich nichts.
Und wenn du eine Platinum hast und deine Lounge-Rechnung auf Lufthansa aufgebaut war: Die Karte kostet weiterhin dasselbe. Es ist ein guter Moment, die Kostenrechnung noch einmal aufzumachen.
Mein Fazit
Kartenvorteile kommen und gehen, das gehört dazu. Aber dieser hier war anders, weil er ein Alltagsvorteil war und weil er etwas konnte, das man mit Geld allein nicht kaufen konnte: In die First Class Lounge kommt man sonst nur mit dem passenden Ticket oder dem passenden Status.
Ab dem 1. Oktober 2026 ist die Centurion Card in einer deutschen Lounge eine Karte wie jede andere. Was bleibt, ist der VIP-Service am Boden, und der ist gut. Aber er ist ein paar Mal im Jahr gut, nicht immer.
Details zur Lounge selbst, solange es sie noch gibt, stehen in meinem Lufthansa Lounge Guide.
