Amex Platinum kündigen: Frist, anteilige Gebühr und wie du die Punkte rettest
Die Platinum zu kündigen ist einfacher als sie zu beantragen. Ein Anruf, ein Monat Frist, fertig. Teuer wird die Kündigung nicht durch das Kündigen selbst, sondern durch die Reihenfolge: Punkte, die nach Vertragsende nur noch gegen Gutscheine tauschbar sind, ein Willkommensbonus, der bei zu früher Kündigung rückwirkend verschwindet, und eine Sperrfrist für den nächsten Bonus.
Dieser Artikel geht die Kündigung von hinten nach vorne durch: Punkte, Erstattung, Sperrfrist. Und am Ende, wann eine Kündigung die falsche Entscheidung ist.
Frist und Weg: Was Amex selbst dazu sagt
Laut Amex-Kundenservice kannst du den Kartenvertrag "unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Monat schriftlich oder telefonisch kündigen". Schriftlich ist nur bei Corporate Cards Pflicht. Für die private Platinum reicht ein Anruf, wobei sich eine Nachricht über das Online-Konto als Nachweis des Datums anbietet.
Der eine Monat ist auch die gesetzliche Obergrenze: Nach § 675h BGB darf die Kündigungsfrist für einen Zahlungsdiensterahmenvertrag, und das ist ein Kartenvertrag, einen Monat nicht überschreiten.
Wichtig für alles Weitere: Die Karte ist erst mit Ablauf dieser Frist geschlossen. Bis dahin läuft der Vertrag normal, inklusive Vorteilen und Gebühr. In diesem Monat sind die Punkte noch voll beweglich. Nutze ihn.
Was mit den Membership Rewards Punkten passiert
Hier kosten die meisten Kündigungen Geld. Abschnitt 5.2 der Teilnahmebedingungen von Membership Rewards regelt zwei Dinge, die zusammen gelesen werden müssen:
- Nach einer ordentlichen Kündigung kannst du deine Punkte noch zwölf Monate lang einlösen.
- Nach Kündigung des Punktekontos können Punkte aber "nur noch telefonisch über das American Express Service-Team für Gutscheine, E-Codes oder, sofern angeboten, gegen Waren (Sachprämien) eingelöst werden".
Die zwölf Monate gelten also nur für die schlechtesten Einlösungen. Der Transfer zu Airline- und Hotelprogrammen, das Einzige, womit die Punkte einen Wert deutlich über einem Cent erreichen, ist nach Vertragsende nicht mehr möglich. Wer erst nach der Kündigung ans Einlösen denkt, tauscht Punkte gegen Gutscheine statt gegen Business Class.
Dazu kommt Abschnitt 5.1: Die Punkte gelten nur bei ausgeglichenem Kartenkonto unbeschränkt. Wird eine Monatsrechnung nicht bis zur Fälligkeit bezahlt, verfallen sie. Wer die letzte Abrechnung schleifen lässt, weil "die Karte ja eh weg ist", riskiert das Punktekonto.
Zwei saubere Wege:
Weg 1: Vor Vertragsende transferieren. Übertrage die Punkte zu dem Transferpartner, bei dem du eine konkrete Verwendung hast. Nicht "irgendwohin, damit sie sicher sind". Transfers sind unumkehrbar, und Meilen in einem Programm, das du nicht nutzt, sind schlechter als Punkte bei Amex.
Weg 2: Eine andere MR-Hauptkarte behalten. Endet der Vertrag über eine Karte und bleibt mindestens eine andere verknüpfte Hauptkarte offen, läuft das Punktekonto laut Bedingungen einfach weiter. Es hängt an dir, nicht an der Platinum. Wer eine Gold Card oder Business Platinum hält, verliert nichts. Wer keine hat, kann eine beantragen, bevor die Platinum endet. Sie muss aktiv und verknüpft sein, bevor der Vertrag ausläuft.
Was Amex anteilig erstattet
Die Amex-FAQ sagt: "Die bereits gezahlte Jahresgebühr wird anteilig wieder gutgeschrieben." Das ist keine Kulanz, sondern § 675h Abs. 3 BGB: Regelmäßig erhobene Entgelte sind nur anteilig bis zur Kündigung geschuldet, im Voraus gezahlte Entgelte anteilig zu erstatten.
In der Praxis fällt die Erstattung bei der Platinum kleiner aus, als das Wort "Jahresgebühr" vermuten lässt. Amex weist die Gebühr auf der Produktseite als "Monatsentgelt von 60 Euro" aus. Bei monatlicher Abrechnung gibt es nichts Großes zu erstatten: Du zahlst bis zum Vertragsende, dann hört es auf. Ein Restbetrag betrifft höchstens den angebrochenen Monat.
Anders bei Verträgen, bei denen die Gebühr noch jährlich im Voraus belastet wird. Prüfe das in deiner Abrechnung, bevor du mit einer Erstattung rechnest. Und nimm die Erstattung nicht als Argument für die Kündigung, sie ist nur eine Frage des Zeitpunkts.
Ein Guthaben auf dem Kartenkonto wird nicht automatisch überwiesen. Frag beim Kündigungsgespräch ausdrücklich nach der Auszahlung und gib eine Bankverbindung an.
Die gebundenen Guthaben: nutzen, aber nicht kaufen
Reiseguthaben, Restaurantguthaben, SIXT ride Guthaben und Lodenfrey-Gutscheine laufen pro Kalenderjahr und enden mit dem Vertrag. Was du bis dahin nicht abgerufen hast, ist weg.
Die Versuchung ist, in der Kündigungsphase Dinge zu kaufen, um "nichts liegen zu lassen". Das ist die falsche Rechnung. Ein Restaurantguthaben, das du nur nutzt, weil es verfällt, spart keine 150 Euro. Es kostet dich den Anteil, den du ohne die Karte nie ausgegeben hättest. Zähle nur, was du ohnehin geplant hattest. Wie die Guthaben grundsätzlich zu bewerten sind, steht in der Rechnung zur Platinum.
Offene Gutschriften aus Amex Offers brauchen manchmal Wochen. Warte sie ab, bevor die Karte geschlossen wird. Ob Amex eine Gutschrift auf ein geschlossenes Konto nachbucht, regeln die öffentlichen Bedingungen nicht. Verlass dich nicht darauf.
Bonus rückwirkend weg: Die 12-Monats-Klausel
Bevor du kündigst, schau aufs Ausstellungsdatum. In den Bonusbedingungen der Platinum steht: "Im Fall einer Kartenkündigung oder eines Kartenwechsels innerhalb der ersten 12 Monate nach Ausstellung der Karte erlischt dein Anspruch auf den Willkommensbonus rückwirkend."
Zwei Punkte werden regelmäßig übersehen. Erstens: Auch ein Kartenwechsel, also das Downgrade auf die Gold, zählt als Auslöser. Zweitens: Die Kündigungsfrist zählt mit. Wer im elften Monat kündigt, beendet den Vertrag im zwölften. Warte, bis die zwölf Monate sicher voll sind, plus die Frist.
Die Sperrfrist für den nächsten Willkommensbonus
Die Neukundenregel bei Amex Deutschland: Als Neukunde gilt, wer "innerhalb der letzten 18 Monate vor Antragstellung kein Hauptkarteninhaber:in desselben deutschen Kartenprodukts bei American Express war".
Daraus folgt:
- Die Frist zählt ab dem Tag, an dem du nicht mehr Hauptkarteninhaber bist, also ab Vertragsende, nicht ab dem Kündigungsschreiben.
- Die Regel gilt pro Kartenprodukt. Wer die Platinum kündigt, kann eine Gold Card grundsätzlich mit Bonus beantragen, sofern er sie nicht in den letzten 18 Monaten hatte.
- Wer nur Zusatzkarteninhaber war, ist von der Sperre nicht betroffen.
Diese Bedingungen kann Amex ändern. Lies sie im Antrag, den du tatsächlich stellst. Wie sich der Bonus sauber mitnehmen lässt, steht im Beitrag zum Willkommensbonus.
Was sonst mit der Karte endet
- Zusatzkarten enden mit der Hauptkarte. Zusatzkarteninhaber vorher informieren.
- Priority Pass und Centurion Lounges enden mit dem Vertrag.
- Hotelstatus über die Karte (Hilton, Marriott, Radisson) bleibt nicht dauerhaft. Wann der Partner zurückstuft, hängt vom Programm ab. Wer den Status braucht, prüft die Alternativen über andere Karten.
- Versicherungen enden mit dem Vertrag. Bei gebuchten Reisen nach dem Vertragsende kläre den Schutz vorher, siehe Überblick der Amex-Versicherungen.
- Abos und Dauerbelastungen auf der Karte müssen umziehen. Die Liste steht in den letzten drei Monatsabrechnungen.
Wann die Kündigung die falsche Entscheidung ist
- Du bist im ersten Jahr und hast den Bonus bekommen. Warten kostet ein paar Monatsgebühren, Kündigen kostet den Bonus.
- Du hast ein großes Punkteguthaben und keine konkrete Verwendung. Dann ist der Wechsel auf die Gold oder eine zweite MR-Karte billiger als jeder Transfer ins Blaue.
- Du willst in unter 18 Monaten wieder eine Platinum mit Bonus. Das geht nicht. Wer die Karte eigentlich behalten will und nur die Gebühr drückt, fragt beim Kündigungsgespräch nach einem Angebot zum Bleiben. Was Amex anbietet, schwankt und ist nicht garantiert, aber die Frage kostet nichts. Wie solche Gespräche laufen, steht in der Erfahrung mit dem Amex-Kundenservice.
Kündigen ist richtig, wenn du die Guthaben nur noch mit Mühe abrufst, die Lounges nicht mehr brauchst und die Punkte verplant oder auf einer anderen Karte gesichert sind. Dann ist die Platinum eine 720-Euro-Karte ohne 720 Euro Gegenwert.
Fazit
Die richtige Reihenfolge: Ausstellungsdatum prüfen (zwölf Monate voll?), Punkte sichern (transferieren mit konkretem Ziel oder zweite MR-Hauptkarte offen halten), offene Gutschriften abwarten, Abos umziehen, dann kündigen und um Auszahlung eines Guthabens bitten. Die anteilige Erstattung ist dir gesetzlich sicher, bei monatlicher Abrechnung aber kaum der Rede wert. Die 18-Monats-Sperre läuft ab Vertragsende, pro Kartenprodukt.
Wer diese Schritte in der falschen Reihenfolge macht, verliert nicht die Karte, sondern das, was sich mit ihr angesammelt hat.
