
Inhalt
- Was sich 2022 geändert hat: erst temporär, dann permanent
- Die temporäre Residenz: Unterlagen, Kosten, Termin vor Ort
- Der Schritt zur permanenten Residenz und warum er 2026 härter geworden ist
- Der Investorenweg über SUACE
- Cédula: der eigentliche Wert des Verfahrens
- Territoriale Besteuerung: was steuerfrei wirklich heißt
- Das Steuerresidenz-Zertifikat: oft überverkauft
- Bankkonto in Paraguay
- Was an den gängigen Versprechen nicht stimmt
- Fazit
Paraguay ist seit Jahren der Standardtipp in jedem Forum über Plan B und Wohnsitzverlagerung. Die Erzählung ist immer dieselbe: einmal hinfliegen, ein paar Dokumente abgeben, ein kleines Bankguthaben nachweisen, und schon hat man eine unbefristete Residenz in einem Land, das Auslandseinkommen nicht besteuert. Ein Teil davon stimmte einmal. Ein Teil stimmte nie. Und seit 2022 und noch einmal seit dem Sommer 2026 hat sich das Verfahren so verändert, dass viele Anleitungen im Netz schlicht veraltet sind.
Dieser Artikel beschreibt den Weg so, wie ihn das paraguayische Migrationsgesetz und die Migrationsbehörde DNM (Dirección Nacional de Migraciones) heute vorgeben. Danach geht es um die zwei Themen, die meist verwechselt werden: die Residenz als Aufenthaltsrecht und die Steuerresidenz als steuerliche Frage. Wer beides auseinanderhält, versteht, wofür Paraguay taugt und wofür nicht.
Was sich 2022 geändert hat: erst temporär, dann permanent
Am 18. Oktober 2022 trat das neue Migrationsgesetz Ley 6984/2022 in Kraft und ersetzte das alte Gesetz von 1996 vollständig. Die wichtigste Änderung für Ausländer ohne Mercosur-Pass: Die permanente Residenz gibt es nicht mehr direkt. Zuerst kommt eine temporäre Residenz, und erst nach deren Ablauf kann die permanente beantragt werden.
Die Eckdaten nach Angaben der DNM:
- Temporäre Residenz: gültig bis zu zwei Jahre, einmal um denselben Zeitraum verlängerbar. Sie ist Voraussetzung für die permanente Residenz.
- Residente precario: Während der Antrag läuft, hat man einen vorläufigen Status, mit dem man ausreisen, wieder einreisen, arbeiten und studieren darf.
- Permanente Residenz: für alle, die sich nach der temporären Phase dauerhaft niederlassen wollen. Der Ausweis dazu wird alle zehn Jahre erneuert.
- Ausnahme: Wer eine Investition nach dem Investitionsgesetz 4986/2013 nachweist (das SUACE-Verfahren, dazu unten mehr), überspringt die temporäre Phase.
Das ist der Punkt, an dem viele Anleitungen hängen geblieben sind. Der früher beliebte Weg, mit einem Bankguthaben von rund 5.000 Dollar direkt die permanente Residenz zu bekommen, existiert so nicht mehr. Wer heute anfängt, plant mit mindestens zwei Jahren temporärer Residenz.
Die temporäre Residenz: Unterlagen, Kosten, Termin vor Ort
Die DNM hat im Mai 2026 die Anforderungen für die temporäre Residenz im allgemeinen Verfahren noch einmal veröffentlicht. Verlangt werden:
- ein gültiges Ausweisdokument des Herkunftslandes, für Deutsche in der Praxis der Reisepass
- die Geburtsurkunde
- der Nachweis der Einreise nach Paraguay
- eine Personenstandsurkunde, falls zutreffend, etwa die Heiratsurkunde
- ein Führungszeugnis aus dem Herkunftsland oder dem Land des letzten Wohnsitzes
- ein Interpol-Zertifikat und ein Führungszeugnis für Ausländer der paraguayischen Nationalpolizei
- eidesstattliche Erklärungen zur Gesetzestreue, zur geplanten Tätigkeit und zur Adresse im Land
Alle ausländischen Dokumente müssen apostilliert oder legalisiert sein, fremdsprachige brauchen eine offizielle Übersetzung ins Spanische. Für Deutschland heißt das: Geburtsurkunde und Führungszeugnis mit Apostille, und das Führungszeugnis darf beim Antrag nicht zu alt sein. Die Gebühr für das allgemeine Verfahren gibt die DNM mit 2.787.550 Guaraní an, dazu kommen Kosten für Beglaubigungen, Übersetzungen und eventuelle Strafgebühren.
Wichtiger als die Liste ist ein Satz am Ende der DNM-Mitteilung: Das Verfahren ist persönlich und erfolgt vor Ort. Man muss also nach Paraguay reisen, um den Antrag zu stellen, und es ist sinnvoll, die Reise so zu planen, dass die örtlichen Dokumente wie das Polizeizeugnis in Asunción in derselben Reise erledigt werden. Eine Residenz "ohne Aufenthalt" gibt es nicht, auch wenn manche Anbieter das so formulieren.
Der Schritt zur permanenten Residenz und warum er 2026 härter geworden ist
Die temporäre Karte zu bekommen ist vergleichsweise leicht. Die Umwandlung in die permanente Residenz ist seit 2026 der eigentliche Engpass. Am 28. Mai 2026 hat die DNM die Resolution 407/2026 unterzeichnet, sie gilt für Anträge ab dem 6. Juli 2026. Sie fasst mehrere ältere Verwaltungsvorschriften zur wirtschaftlichen Solvenz zusammen und legt zwölf Kategorien fest, über die man sie nachweist, darunter Angestellte, Selbstständige, Remote Worker, Immobilieneigentümer, Gesellschafter, Rentner und Familienangehörige.
Die Richtung ist klar: Ein Hochschulabschluss oder eine bloße Berufsangabe reicht nicht mehr. Verlangt wird ein aktueller, überprüfbarer Nachweis von echtem Einkommen oder verfügbaren Mitteln, der zur Tätigkeit passt, die man bei der temporären Residenz angegeben hat. Nach Analysen von Fachdiensten wie IMI Daily wird außerdem streng darauf geachtet, dass man während der temporären Phase nicht länger als ein Jahr am Stück abwesend war. Alle Angaben gelten als eidesstattliche Erklärung, falsche Angaben können strafrechtlich verfolgt werden.
Eine feste Einkommensschwelle nennt die Resolution nicht. Wie die Prüfung am Schalter genau aussieht, wird sich erst in der Praxis zeigen. Wer die Residenz mit Blick auf die permanente Stufe plant, sollte deshalb von Anfang an eine Tätigkeit angeben, die sich später mit Unterlagen belegen lässt, und nicht die bequemste.
Der Investorenweg über SUACE
Der einzige reguläre Weg an der temporären Phase vorbei ist die Investition. Das Industrie- und Handelsministerium hat dafür mit der Resolution 283/2026 die Voraussetzungen für das Investorenzertifikat (Certificado de Inversor Extranjero) neu gefasst, das über das Unternehmensportal SUACE ausgestellt wird. In der Presse läuft das als "Investor Pass". Es gibt vier Kategorien:
- Produktive Investition: mindestens 70.000 US-Dollar, mit einem vorab genehmigten Geschäftsplan für Industrie, Handel oder Dienstleistungen und mindestens fünf formellen Arbeitsplätzen.
- Finanzinstrumente: mindestens 200.000 US-Dollar, die mindestens zwei Jahre gehalten werden müssen, mit jährlicher Berichtspflicht.
- Immobilien: mindestens 200.000 US-Dollar in Immobilien, die Erträge bringen oder entwickelt werden. Die eigene Wohnung zählt ausdrücklich nicht.
- Tourismus: mindestens 150.000 US-Dollar, ebenfalls mit genehmigtem Geschäftsplan.
Die oft genannten 70.000 Dollar sind also richtig, aber sie sind kein Preis für eine Karte. Sie sind eine echte Unternehmensinvestition mit fünf Angestellten in Paraguay. Wer kein operatives Geschäft vor Ort plant, landet bei 200.000 Dollar. Familienangehörige werden nach Angaben von Fragomen nicht mit aufgenommen, sie beantragen separat die temporäre Residenz und können nach zwei Jahren nachziehen. Für die meisten Leser ist der normale Weg über die temporäre Residenz deshalb der realistischere.
Cédula: der eigentliche Wert des Verfahrens
Mit dem neuen Gesetz können auch temporäre Residenten die paraguayische Cédula de Identidad bekommen, mit derselben Gültigkeit wie ihr Residenzausweis. Früher war das permanenten Residenten vorbehalten. Die Cédula ist im Alltag wichtiger als der Residenzausweis selbst: Sie ist die Voraussetzung für die Steuernummer RUC, für ein vollwertiges Bankkonto und für fast jeden Vertrag im Land.
Für Bürger der Mercosur-Staaten gilt ein eigenes Verfahren mit eigenen Regeln. Für Deutsche spielt es keine Rolle.
Territoriale Besteuerung: was steuerfrei wirklich heißt
Paraguay besteuert nach dem Territorialprinzip. Steuerpflichtig ist Einkommen aus paraguayischer Quelle, also aus Tätigkeiten im Land und aus Vermögen, das dort liegt oder genutzt wird. Für Dienstleistungseinkommen gelten nach der PwC-Steuerübersicht progressive Sätze von 8, 9 und 10 Prozent, Veräußerungsgewinne werden pauschal mit 8 Prozent besteuert. Wer als Steuerresident gilt, bestimmt eine einfache Regel: mehr als 120 Tage im Jahr im Land.
Daraus wird gern gemacht: "In Paraguay zahlst du null Prozent." Das ist an drei Stellen ungenau.
- Es gilt nur für ausländisches Einkommen. Wer in Paraguay arbeitet, Kunden vor Ort bedient oder dort Immobilien vermietet, zahlt Steuern. Und Dienstleistungen, die man vom Ausland aus für paraguayische Steuerzahler erbringt, gelten ebenfalls als inländisches Einkommen.
- Es entscheidet nicht über deine deutsche Steuerpflicht. Ob du in Deutschland steuerpflichtig bleibst, hängt allein am deutschen Recht: an einem Wohnsitz in Deutschland oder einem gewöhnlichen Aufenthalt. Eine Residenz in Paraguay beendet nichts davon. Wer die Wohnung in Deutschland behält, bleibt unbeschränkt steuerpflichtig.
- Zwischen Deutschland und Paraguay gibt es kein allgemeines Doppelbesteuerungsabkommen. Das einzige Abkommen aus dem Jahr 1983 betrifft den internationalen Luftverkehr. Es gibt also keine Abkommensregel, die bei Konflikten Paraguay den Vorrang gibt. Dazu kommen die deutschen Wegzugsregeln: die Wegzugsbesteuerung auf Beteiligungen an Kapitalgesellschaften und die erweiterte beschränkte Steuerpflicht beim Umzug in ein Land mit niedriger Besteuerung.
Wie das im eigenen Fall ausgeht, hängt von den Einzelheiten ab und gehört vor dem Umzug zu einem Steuerberater, der beide Seiten kennt.
Das Steuerresidenz-Zertifikat: oft überverkauft
Das zweite Verkaufsargument nach der Residenz ist das Certificado de Residencia Fiscal. Agenturen verkaufen es als Dokument, mit dem man sich gegenüber dem deutschen Finanzamt, der Bank oder dem Broker als "Steuerresident in Paraguay" ausweist. Die rechtliche Grundlage ist nüchterner.
Das Zertifikat regelt die Resolution General 65/20 der Steuerbehörde, heute DNIT. Sie dient ausdrücklich der Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen. Wer im Steuerregister RUC eingetragen ist, braucht eine gültige Cédula und muss seine Steuerpflichten erfüllt haben. Wer kein Steuerzahler ist, legt neben der Cédula einen Auszug seiner Ein- und Ausreisen für das betreffende Jahr vor.
Was das in der Praxis heißt:
- Gegenüber Deutschland hat das Zertifikat keine Abkommenswirkung, weil es kein Abkommen gibt, auf das es sich beziehen könnte. Das deutsche Finanzamt prüft Wohnsitz und Aufenthalt nach deutschem Recht und lässt sich von einem paraguayischen Papier nicht davon abbringen.
- Banken und Broker können es nutzen, um eine geänderte Steuerresidenz zu dokumentieren. Ob sie es akzeptieren, ist ihre Entscheidung, und viele fragen gleichzeitig nach einer echten Adresse und nach Belegen, dass man den alten Wohnsitz aufgegeben hat.
- Es beweist nicht, dass man nirgends sonst steuerpflichtig ist. Es bestätigt nur, dass Paraguay einen als Residenten führt. Doppelte Steuerresidenz ist ohne Abkommen ein reales Risiko, kein theoretisches.
Das Zertifikat ist ein brauchbarer Baustein, wenn man tatsächlich in Paraguay lebt oder dort einen echten Lebensmittelpunkt aufbaut. Als Ersatz für einen sauberen Wegzug aus Deutschland ist es wertlos.
Bankkonto in Paraguay
Das paraguayische Bankkonto ist der Teil, den viele Anleitungen überspringen, und der Teil, über den sich Neuankömmlinge laut lokaler Wirtschaftspresse am häufigsten beschweren. Die Banken unterliegen strengen Geldwäscheregeln, und ohne Cédula und RUC ist ein vollwertiges Privatkonto in der Regel nicht zu haben. Einheitliche Regeln für Ausländer gibt es nicht, jede Bank entscheidet selbst, und die Anforderungen ändern sich.
Für die Planung bedeutet das:
- Die Reihenfolge ist fest: temporäre Residenz, dann Cédula, dann RUC, dann Bank. Wer das Konto beim ersten Besuch erwartet, wird enttäuscht.
- Herkunft der Mittel nachweisen: Größere Überweisungen aus dem Ausland lösen Rückfragen aus. Kontoauszüge, Steuerbescheide und Verträge sollten griffbereit sein.
- Firmenkonten sind ein eigener Weg: Eine in Paraguay gegründete und registrierte Gesellschaft mit aktiver RUC kann ein Konto eröffnen, auch wenn der Geschäftsführer Ausländer ist.
- Kein Versteck: Paraguay hat angekündigt, den OECD-Standard für den automatischen Informationsaustausch umzusetzen. Wer ein Konto dort als unsichtbar einplant, plant mit einer auslaufenden Annahme.
Ein Konto in Paraguay ist sinnvoll für das Leben vor Ort. Für die internationale Diversifizierung des eigenen Geldes ist es meist nicht die erste Wahl, dafür gibt es Wege, die der Artikel zum Auslandskonto außerhalb der EU und die Banking-Leiter von Fintech bis Privatbank beschreiben.
Was an den gängigen Versprechen nicht stimmt
Auf vielen Vergleichsseiten zu Residency-Programmen steht Paraguay mit drei Zahlen: rund 1.300 Dollar Monatseinkommen als Nachweis, eine Karte für "10+ Jahre" und ein "Fast-Track"-Verfahren. Dazu der Hinweis, man müsse keine Zeit vor Ort verbringen. Gemessen an den heutigen Regeln:
- 1.300 Dollar Monatseinkommen: Weder das Gesetz noch die Resolution 407/2026 nennen eine solche feste Schwelle. Verlangt wird ein belegbarer Nachweis von echtem Einkommen oder echten Mitteln, passend zur angegebenen Tätigkeit. Ob ein bestimmter Betrag reicht, entscheidet die Prüfung des Einzelfalls.
- Karte für 10+ Jahre: Zehn Jahre gilt erst der Ausweis der permanenten Residenz, und auch der muss erneuert werden. Am Anfang steht eine temporäre Residenz von bis zu zwei Jahren.
- Fast-Track: Die einzige Abkürzung ist der Investorenweg ab 70.000 Dollar mit fünf Arbeitsplätzen oder ab 150.000 bis 200.000 Dollar. Im normalen Verfahren dauert es mindestens zwei Jahre bis zur permanenten Residenz, und die Umwandlung ist seit Juli 2026 strenger.
- Keine Zeit vor Ort: Die Antragstellung ist persönlich. Und wer bei der Umwandlung länger als ein Jahr am Stück abwesend war, hat ein Problem.
Fazit
Paraguay ist immer noch eine der zugänglicheren Residenzen der Welt: moderate Gebühren, eine überschaubare Dokumentenliste und eine Cédula schon in der temporären Phase. Aber das Bild vom Kurztrip zur unbefristeten Karte ist überholt. Seit 2022 heißt es zwei Jahre temporär, seit Juli 2026 braucht die permanente Stufe echtes, belegtes Einkommen, und die Abkürzung über SUACE ist eine Unternehmensinvestition, kein Gebührenmodell.
Die territoriale Besteuerung ist real, sie hilft aber nur dem, der tatsächlich aus Deutschland wegzieht und seinen Lebensmittelpunkt verlagert. Das Steuerzertifikat ändert daran nichts. Wer Paraguay als Teil eines Plan B sieht, sollte es als das behandeln, was es ist: ein zweites Aufenthaltsrecht mit Pflegeaufwand. Welche anderen Optionen es gibt und wie sie sich unterscheiden, steht im Überblick über Plan-B-Wohnsitze, und wer den Vergleich mit Lateinamerika sucht, findet ihn beim Panama Friendly Nations Visum.


