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Das Friendly Nations Visa hat in der Plan-B-Szene einen Ruf, der aus einer anderen Zeit stammt. Bis 2021 reichten ein Bankkonto mit rund 5.000 Dollar, eine Firma auf dem Papier und ein paar Monate Bearbeitung, und am Ende stand eine permanente Aufenthaltserlaubnis in Panama. Viele Ratgeberseiten verkaufen das Programm bis heute so, mit dem Zusatz "keine physische Anwesenheit nötig, alles remote".
Beides stimmt so nicht mehr. Panama hat das Programm 2021 grundlegend umgebaut. Heute braucht man entweder 200.000 Dollar in einer Immobilie oder auf einem Festgeldkonto, oder einen echten Arbeitsvertrag mit Arbeitserlaubnis. Und man muss mehrfach persönlich einreisen. Dieser Artikel geht die aktuellen Regeln durch, ordnet den Zeitplan ein und erklärt, was das Visum steuerlich und beim Banking leistet und was nicht.
Wer überhaupt in Frage kommt
Das Programm heißt offiziell "Residente Permanente en calidad de Nacionales de Países Específicos", es richtet sich also an Staatsangehörige bestimmter Länder, mit denen Panama freundschaftliche, wirtschaftliche und Investitionsbeziehungen pflegt. Geschaffen wurde es 2012 mit dem Exekutivdekret 343. Die Liste umfasst rund 50 Länder und wird per Dekret erweitert, 2021 kam zum Beispiel Peru dazu.
Deutschland steht seit Beginn auf der Liste, ebenso Österreich, die Schweiz und die meisten EU-Staaten, dazu die USA, Kanada, das Vereinigte Königreich, Australien, Japan und Südkorea. Entscheidend ist die Staatsangehörigkeit, nicht der Wohnsitz. Wer einen deutschen Pass hat und in Dubai lebt, ist berechtigt.
Daneben gelten die üblichen Bedingungen jedes panamaischen Aufenthaltstitels: ein gültiger Reisepass, ein apostilliertes Führungszeugnis aus dem Herkunftsland, ein Gesundheitszeugnis und eine eidesstattliche Erklärung über die eigene Person. Familienangehörige können mitbeantragt werden, der Hauptantragsteller muss dann nachweisen, dass er für sie aufkommen kann.
Die Verschärfung von 2021
Mit dem Exekutivdekret 197 vom Mai 2021 und vor allem dem Exekutivdekret 226 vom 20. Juli 2021 hat Panama das Programm neu geordnet. Die Änderungen gelten seit August 2021 und haben zwei Folgen.
Erstens gibt es keine sofortige permanente Residency mehr. Wer heute zugelassen wird, bekommt zunächst eine provisorische Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre. Erst danach kann man die permanente beantragen.
Zweitens reicht ein symbolisches Konto nicht mehr. Das Dekret 226 nennt genau drei Gründe, auf die sich der Antrag stützen kann: Arbeit, Immobilie oder Festgeld. Die alte 5.000-Dollar-Variante gibt es nicht mehr, auch wenn sie in Überschriften noch auftaucht.
Die drei Wege und ihre Beträge
Weg 1: Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen in Panama. Du brauchst ein Arbeitsschreiben, unterschrieben vom gesetzlichen Vertreter des Arbeitgebers, mit Position, Gehalt und der Zusage, im Fall der Fälle die Rückführungskosten zu tragen. Dazu den Handelsregisterauszug der Firma und ihre Betriebsgenehmigung. Vor allem aber muss eine Arbeitserlaubnis beim Arbeitsministerium MITRADEL beantragt werden. Das ist der Haken: Eine eigene Briefkastenfirma, die dich "anstellt", trägt nicht weit, denn die Arbeitserlaubnis prüft ein echtes Arbeitsverhältnis. Panama behält zudem viele Berufe den eigenen Staatsbürgern vor. Ohne Mindestinvestition ist dieser Weg also nur auf dem Papier der billigste.
Weg 2: Immobilie ab 200.000 Dollar. Nachzuweisen über einen Auszug aus dem öffentlichen Register, der dich (oder eine Gesellschaft, deren wirtschaftlich Berechtigter du bist) als Eigentümer ausweist und einen Wert von mindestens 200.000 Balboa zeigt. Der Balboa ist 1:1 an den Dollar gebunden. Der Kauf darf über eine Bank mit Generallizenz in Panama finanziert sein. Die Immobilie muss lastenfrei sein, soweit es nicht diese Finanzierung betrifft, und du solltest sie mindestens bis zur permanenten Residency halten.
Weg 3: Festgeld ab 200.000 Dollar. Eine Bescheinigung einer Bank in Panama über ein Festgeld von mindestens 200.000 Balboa, frei von Belastungen und mit einer Laufzeit von mindestens drei Jahren. Diese Variante existiert weiterhin. Sie klingt am einfachsten, hat aber eine Voraussetzung, die viele unterschätzen: Du brauchst zuerst ein Konto bei einer panamaischen Bank. Dazu weiter unten mehr.
Zum Vergleich: Für das separate Investorenprogramm "Inversionista Calificado", das ohne Umweg über eine provisorische Phase zur permanenten Residency führt, lag die Immobilienschwelle in einer Übergangsphase bei 300.000 Dollar, die Anhebung auf 500.000 Dollar ist im Dekret bereits angelegt. Für Rentner gibt es das Pensionado-Visum mit einer lebenslangen Rente ab 1.000 Dollar im Monat. Für Erwerbstätige unter dem Rentenalter bleibt das Friendly Nations Visa der günstigste dauerhafte Weg.
Kosten und Zeitplan
Die staatlichen Gebühren sind überschaubar. Fällig sind ein Scheck über 250 Balboa an das Schatzamt und einer über 800 Balboa an die Migrationsbehörde SNM, dazu Kosten für die Ausweiskarte, Übersetzungen und Apostillen. Anwaltshonorare liegen je nach Kanzlei grob zwischen knapp 2.000 und 5.000 Dollar für den Hauptantragsteller, das ist ein Richtwert, kein Tarif. Den Antrag stellt in der Praxis immer ein panamaischer Anwalt mit Vollmacht.
Der Ablauf sieht so aus:
- Einreise und Antrag. Du reist mit dem Original-Reisepass ein, der Anwalt reicht den Antrag ein, deine Einreise wird registriert. Du bekommst eine vorläufige Karte, die den Status während der Bearbeitung belegt.
- Bearbeitung, als Richtwert vier bis sechs Monate. Die Dauer schwankt mit der Auslastung der Behörde.
- Provisorische Residency für zwei Jahre. Nach der Genehmigung werden Fotos und biometrische Daten aufgenommen, persönlich, und die Karte ausgegeben.
- Antrag auf permanente Residency kurz vor Ablauf der zwei Jahre. Wieder mit Nachweisen, dass die Grundlage (Job, Immobilie, Festgeld) noch besteht, und wieder mit einem Termin vor Ort.
- Cédula und Einbürgerung. Mit der permanenten Residency kannst du eine Cédula beantragen, den panamaischen Personalausweis für Ausländer. Einbürgern lassen kann man sich frühestens nach fünf Jahren als permanenter Resident, mit Prüfung zu Sprache, Geschichte und Landeskunde.
Realistisch dauert es also zweieinhalb bis drei Jahre bis zur permanenten Residency, nicht sechs Monate wie vor 2021.
"Keine Anwesenheit nötig": was davon stimmt
Richtig ist: Panama verlangt für diesen Titel keinen Mindestaufenthalt pro Jahr. Es gibt keine 183-Tage-Pflicht, um die Residency zu behalten.
Falsch ist die Behauptung, das Ganze lasse sich remote erledigen. Mindestens bei der Antragstellung, bei der biometrischen Erfassung und Kartenausgabe und beim Antrag auf die permanente Residency musst du in Panama sein. Dazu kommt in der Regel ein Termin für die Kontoeröffnung, wenn du den Festgeld- oder Immobilienweg gehst. Wer sauber plant, kommt mit zwei bis drei Reisen über die ersten zweieinhalb Jahre aus, aber nicht mit null.
Nach der permanenten Residency gilt nach gängiger Praxis: mindestens alle zwei Jahre einreisen und länger als 24 Stunden bleiben, ein Transitflug zählt nicht. Wer das versäumt, riskiert eine Suspendierung, über die der Beamte bei der Einreise entscheidet. Nach sehr langer Abwesenheit erlischt der Titel ganz. Für eine spätere Einbürgerung reicht eine reine Pro-forma-Residency ohnehin nicht.
Steuern: Residency ist nicht Steuerresidenz
Panama besteuert territorial. Einkommensteuer fällt nur auf Einkünfte aus panamaischen Quellen an, also auf Arbeit, Geschäfte oder Vermietung in Panama. Wer dort angestellt ist oder lokal Umsatz macht, zahlt progressiv bis zu 25 Prozent. Ausländische Einkünfte, etwa Dividenden aus einem europäischen Depot oder Honorare von Kunden außerhalb Panamas, sind in Panama nicht steuerpflichtig.
Das klingt nach dem perfekten Plan B, hat aber zwei Haken.
Erstens macht die Aufenthaltserlaubnis dich nicht automatisch steuerlich ansässig. Steuerresident in Panama ist, wer im Steuerjahr mindestens 183 Tage im Land verbringt oder dort einen ständigen Wohnsitz mit Lebensmittelpunkt hat. Ein Steuerresidenzzertifikat der Steuerbehörde DGI gibt es nur mit Nachweisen wie Mietvertrag oder Eigentum, Belegen für den Aufenthalt und einer wirtschaftlichen Verbindung, und es muss jährlich neu beantragt werden. Eine Residency-Karte allein reicht dafür nicht, und ein Zertifikat ohne echte Präsenz hält einer Prüfung durch einen europäischen Fiskus nicht stand.
Zweitens endet die deutsche Steuerpflicht nicht mit einem panamaischen Ausweis. In Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bleibt, wer hier einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Wer die Wohnung behält, bleibt im System, egal welche Karte im Portemonnaie steckt. Zwischen Deutschland und Panama gibt es kein allgemeines Doppelbesteuerungsabkommen, nur ein Abkommen für Schifffahrt und Luftfahrt, es gibt also auch keine Tie-Breaker-Regel, die dich aus der deutschen Steuerpflicht lösen könnte. Wer wirklich wegzieht, muss außerdem die Wegzugsbesteuerung auf Firmenbeteiligungen ab einem Prozent und die erweiterte beschränkte Steuerpflicht für zehn Jahre bei einem Umzug in ein Niedrigsteuerland bedenken. Panama steht zudem seit Jahren auf der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete, zuletzt im Oktober 2025 bestätigt, was bei Geschäftsbeziehungen nach Deutschland zusätzliche Pflichten auslöst.
Wie das im eigenen Fall ausgeht, hängt von den Details ab und gehört zu einem Steuerberater, der Wegzugsfälle kennt.
Banking: der eigentliche Engpass
Viele Anbieter verkaufen das Visum mit dem Versprechen "inklusive Bankzugang". Ein Anspruch auf ein Konto entsteht durch die Residency aber nicht. Panamaische Banken gehören seit den Panama Papers und den Jahren auf der FATF-Grauliste zu den strengsten der Region beim Know-your-customer-Prozess.
Typischerweise verlangt werden:
- Reisepass und ein zweites Ausweisdokument.
- Ein oder zwei Bankreferenzschreiben deiner bisherigen Bank, oft nicht älter als 30 bis 90 Tage.
- Eine berufliche Referenz, etwa von einem Anwalt oder Steuerberater.
- Einkommensnachweise und eine Erklärung zur Herkunft der Mittel, mit Belegen wie Steuerbescheiden, Jahresabschlüssen oder Verkaufsverträgen.
- Adressnachweis und eine Begründung, warum du ein Konto in Panama brauchst.
- Bei manchen Banken eine Mindesteinlage im fünfstelligen Bereich und meist ein persönlicher Termin.
Ausländische Dokumente brauchen eine Apostille und eine Übersetzung ins Spanische. Ablehnungen ohne Begründung sind nicht ungewöhnlich, und US-Personen werden wegen FATCA von manchen Häusern gar nicht genommen.
Für den Festgeldweg ist das der kritische Pfad: Ohne Konto kein Festgeld, ohne Festgeld kein Antrag. Wer diesen Weg plant, sollte die Kontoeröffnung als ersten Schritt behandeln und eine Bank wählen, mit der der Anwalt regelmäßig arbeitet. Wie sich ein Konto außerhalb der EU allgemein einordnet, steht im Artikel zum Auslandskonto außerhalb der EU, die Stufen von Fintech bis Privatbank in der Banking-Leiter.
Für wen sich das Visum eignet
Das Friendly Nations Visa passt zu Leuten, die ohnehin in Lateinamerika Fuß fassen wollen oder einen Dollar-Standort mit Immobilie suchen. Wer eine Wohnung in Panama-Stadt oder am Pazifik kaufen will und dafür ohnehin 200.000 Dollar in die Hand nimmt, bekommt die Residency fast als Beigabe. Auch als reines Rückfallnetz kann es sinnvoll sein: ein zweiter Aufenthaltstitel außerhalb der EU, der mit einer Reise alle zwei Jahre erhalten bleibt.
Wenig taugt es als Abkürzung zur Steuerfreiheit ohne Umzug. Wer das sucht, landet bei einem Ausweis, der steuerlich nichts bewirkt. Andere Optionen mit geringeren Einstiegsbeträgen oder anderer Logik vergleicht der Überblick zu Plan-B-Wohnsitzen, etwa Paraguay mit deutlich niedrigeren Kosten oder Zypern innerhalb der EU.
Fazit
Das Friendly Nations Visa ist seit 2021 kein Geheimtipp für 5.000 Dollar mehr, sondern ein solides, aber ernsthaftes Programm. Die Eintrittskarte sind 200.000 Dollar in Immobilie oder Festgeld, oder ein echter Job mit Arbeitserlaubnis. Bis zur permanenten Residency vergehen gut zwei Jahre, und mehrere Termine vor Ort sind Pflicht. Danach ist die Pflege tatsächlich leicht, eine Einreise alle zwei Jahre reicht. Steuerlich ist die Karte nur der Anfang: Ohne echten Umzug, 183 Tage oder Lebensmittelpunkt in Panama und einen sauberen Wegzug aus Deutschland bleibt alles beim Alten. Wer das weiß und die Bank zuerst klärt, hat mit Panama einen der stabileren Plan-B-Titel.


