
Inhalt
- Warum Vanuatu der günstigste und schnellste Pass war
- Die Programme: DSP und CIIP
- Was es 2026 kostet: die Spende ist nur der Anfang
- Der Ablauf: alles über Agenten, kein Besuch
- Wie die EU die Visafreiheit entzogen hat
- Großbritannien: Visumpflicht seit Juli 2023
- Was der Pass 2026 noch bringt
- Was ein deutscher Leser wissen muss
- Die Risiken, die in keiner Preisliste stehen
- Fazit
Wer nach "Zweitpass kaufen" sucht, landet früher oder später bei Vanuatu. Der Inselstaat im Südpazifik hatte über Jahre das einfachste Angebot am Markt: der niedrigste Preis aller Programme, keine Reise ins Land, keine Sprachprüfung, kein Aufenthalt und eine Bearbeitung in wenigen Wochen bis Monaten. Dazu kam lange Zeit der visafreie Zugang zum Schengen-Raum und nach Großbritannien. Genau dieser Teil ist weg, und zwar nicht vorübergehend.
Dieser Artikel erklärt, wie das Programm heute funktioniert, was es tatsächlich kostet, wie die EU den Zugang Schritt für Schritt entzogen hat und für wen der Pass trotzdem noch einen Zweck erfüllt. Einen Überblick über alle Programme findest du im Hub Zweitpass und Staatsbürgerschaft durch Investition.
Warum Vanuatu der günstigste und schnellste Pass war
Die Karibikstaaten verlangen seit ihrer gemeinsamen Absprache von 2024 mindestens 200.000 US-Dollar als Spende. Vanuatu lag immer deutlich darunter. Der Grund ist einfach: Das Programm ist für den Staat eine der wichtigsten Einnahmequellen. Nach den Halbjahreszahlen des Finanzministeriums, über die Fachdienste im Sommer 2026 berichtet haben, brachte der Verkauf von Staatsbürgerschaften im ersten Halbjahr 2026 rund 11,4 Milliarden Vatu ein, grob 95 Millionen US-Dollar und damit einen erheblichen Teil der gesamten Staatseinnahmen.
Ein Land, das so stark von diesen Einnahmen abhängt, gestaltet das Verfahren schlank. Daraus ergaben sich die drei Punkte, mit denen das Programm vermarktet wurde:
- Preis: der niedrigste Einstieg aller Staatsbürgerschaftsprogramme mit einer festen Spende.
- Geschwindigkeit: Agenturen nennen heute rund zwei bis drei Monate vom vollständigen Antrag bis zur Urkunde. Früher waren auch kürzere Zeiten üblich.
- Kein Aufenthalt: Man muss Vanuatu weder vor noch nach der Einbürgerung besuchen.
Genau diese Kombination war es, die die EU später als Sicherheitsproblem eingestuft hat. Dazu unten mehr.
Die Programme: DSP und CIIP
Vanuatu verkauft die Staatsbürgerschaft heute im Wesentlichen über zwei Wege, beide auf Grundlage des Citizenship Act und der dazugehörigen Verordnungen.
- Development Support Program (DSP): Eine nicht rückzahlbare Spende an den Staat. Das ist der übliche Weg und der, auf den sich fast alle Preisangaben beziehen.
- Capital Investment Immigration Plan (CIIP): Teurer, mit einem Anteil, der in ein vom Staat vorgegebenes Investment fließt. Die Angaben zu Höhe und Rückzahlbarkeit dieses Anteils widersprechen sich zwischen den Agenturen. Wer diesen Weg in Betracht zieht, sollte sich die aktuellen Bedingungen schriftlich geben lassen.
Für die meisten Antragsteller ist das DSP die relevante Variante. Die folgenden Zahlen beziehen sich darauf.
Was es 2026 kostet: die Spende ist nur der Anfang
Die offizielle Website der Citizenship Office and Commission war bei der Recherche im Oktober 2026 nicht erreichbar. Die folgenden Beträge stammen deshalb aus den übereinstimmenden Gebührentabellen mehrerer lizenzierter Agenturen. Sie sind als Richtwerte zu verstehen, nicht als amtliche Preisliste.
- Einzelperson: 130.000 US-Dollar Spende.
- Ehepaar: 150.000 US-Dollar.
- Familie mit Kindern: je nach Familiengröße mehr. Hier gehen die Tabellen der Agenturen auseinander, etwa bei der Frage, wie viele Kinder in einem Paketpreis enthalten sind.
- Due Diligence: rund 5.000 bis 5.500 US-Dollar pro Antrag, nicht erstattungsfähig, auch wenn der Antrag abgelehnt wird.
- Biometrie, Ausweis, Geburtsurkunde: Seit Juli 2025 sind biometrische Daten und vanuatuische Ausweisdokumente für alle Antragsteller Pflicht. Das kostet je nach Agentur rund 1.000 bis 3.000 US-Dollar pro Person.
- Agentur: Anträge laufen ausschließlich über zugelassene Agenten. Deren Honorar kommt obendrauf und ist frei verhandelbar.
Realistisch landet eine Einzelperson damit bei rund 140.000 bis 145.000 US-Dollar, ein Paar mit zwei Kindern deutlich über 190.000. Wer nur die Zahl 130.000 im Kopf hat, rechnet zu niedrig. Hinzu kommen eigene Kosten für Beglaubigungen, Übersetzungen und Apostillen in Deutschland.
Der Ablauf: alles über Agenten, kein Besuch
Der Prozess ist vollständig auf den Fernantrag ausgelegt. In groben Schritten:
- Agent auswählen: Nur zugelassene Agenten dürfen Anträge einreichen. Mit dem Citizenship (Amendment) Act 2025 müssen sich diese Agenten registrieren und strengere Auflagen erfüllen. Es lohnt sich, die Zulassung zu prüfen und nicht an einen Unteragenten zu zahlen, der selbst keine Lizenz hat.
- Unterlagen zusammenstellen: Reisepass, Geburtsurkunde, gegebenenfalls Heiratsurkunde, Führungszeugnis, Nachweis über die Herkunft der Mittel, Kontoauszüge, ärztliches Attest. Deutsche Dokumente brauchen in der Regel eine Apostille und eine beglaubigte Übersetzung ins Englische.
- Due Diligence: Die Behörde und beauftragte Prüfer durchleuchten den Antragsteller, also Strafregister, Sanktionslisten, Interpol und die Herkunft des Geldes. Das ist der längste Teil des Verfahrens.
- Grundsatzgenehmigung und Zahlung: Erst nach der Zusage wird die Spende überwiesen.
- Biometrie und Eid: Die biometrischen Daten werden je nach Agentur in Port Vila, an Außenstellen oder über mobile Teams erfasst. Der Treueeid wird nach Angaben von Agenturen per Video abgelegt.
- Urkunde und Pass: Danach folgen Einbürgerungsurkunde und Reisepass.
Das Mindestalter für den Hauptantragsteller liegt bei 18 Jahren. Bestimmte Staatsangehörigkeiten sind von vornherein ausgeschlossen oder werden genauer geprüft. Diese Liste ändert sich, und im Frühjahr 2026 gab es sogar ein Rundschreiben, das wenige Tage später als irrtümlich veröffentlicht zurückgezogen wurde. Für Deutsche spielt das praktisch keine Rolle, zeigt aber, wie beweglich die Verwaltungspraxis ist.
Wie die EU die Visafreiheit entzogen hat
Bis 2022 konnten Vanuatuer ohne Visum in den Schengen-Raum reisen, auf Grundlage eines Abkommens von 2015. Genau das war der Hauptgrund, warum Investoren den Pass kauften. Die EU hat diesen Zugang in mehreren Stufen abgebaut:
- März 2022, teilweise Aussetzung: Mit dem Ratsbeschluss (EU) 2022/366 vom 3. März 2022 wurde das Abkommen für gewöhnliche Pässe ausgesetzt, die ab dem 25. Mai 2015 ausgestellt wurden. Das Datum war bewusst gewählt: Ab dann stieg die Zahl der verkauften Staatsbürgerschaften stark an. Wer einen älteren Pass hatte, durfte weiter visafrei reisen.
- Februar 2023, vollständige Aussetzung: Mit dem Ratsbeschluss (EU) 2022/2198 vom 8. November 2022 wurde das Abkommen ab dem 4. Februar 2023 vollständig ausgesetzt. Seitdem brauchen alle Vanuatuer ein Schengen-Visum, egal wann ihr Pass ausgestellt wurde.
- Februar 2025, dauerhaft: Mit der Verordnung (EU) 2025/11 vom 19. Dezember 2024 wurde Vanuatu von der Liste der visabefreiten Staaten auf die Liste der visapflichtigen Staaten verschoben. Das gilt seit dem 3. Februar 2025. Die dänische Einwanderungsbehörde fasst die Begründung so zusammen: Vanuatu verleiht die Staatsbürgerschaft an Personen ohne Bezug zum Land, genehmigt fast alle Anträge, und die Prüfung garantiert keine ausreichende Sicherheit.
Wichtig für die Einordnung: Vanuatu war der erste und lange einzige Staat, gegen den die EU ihren Aussetzungsmechanismus wegen eines Staatsbürgerschaftsprogramms angewendet hat. Ende 2025 hat die EU diesen Mechanismus mit der Verordnung (EU) 2025/2441 verschärft. Seitdem sind Programme, die Staatsbürgerschaft ohne echte Verbindung zum Land verleihen, ausdrücklich ein eigener Grund für die Aussetzung der Visafreiheit. Für Vanuatu ändert das nichts mehr, das Land steht bereits auf der Visumliste. Für die Karibikstaaten ist es dagegen ein reales Risiko.
Stand Oktober 2026 gilt: Vanuatuer brauchen für jede Reise in den Schengen-Raum ein reguläres Visum. Berichte über Gespräche zur Wiederherstellung der Visafreiheit gibt es, eine Entscheidung nicht. Wer heute einen Vanuatu-Pass kauft, sollte nicht damit rechnen, dass sich das in absehbarer Zeit ändert.
Großbritannien: Visumpflicht seit Juli 2023
Großbritannien hat am 19. Juli 2023 mit sofortiger Wirkung eine Visumpflicht für Staatsangehörige von Vanuatu eingeführt, auch für touristische Besuche. Die britische Regierung begründete das ausdrücklich mit Bedenken gegenüber dem Staatsbürgerschaftsprogramm. Für bereits gebuchte Reisen galt eine kurze Übergangsfrist bis zum 16. August 2023. Dominica war von derselben Entscheidung betroffen.
Die USA haben Vanuatuern ohnehin nie visafreie Einreise gewährt, Vanuatu war nie Teil des Visa Waiver Program. Vanuatu steht auch nicht auf der Liste der Vertragsstaaten für das US-amerikanische E-2-Visum. Wer den Zweitpass vor allem als Tür in die USA sucht, ist mit Grenada und dem E-2-Visum besser bedient.
Was der Pass 2026 noch bringt
Ohne Schengen und Großbritannien bleibt ein Pass, der in Asien, im Pazifikraum und in Teilen Lateinamerikas und der Karibik weiterhin visafreien oder vereinfachten Zugang bietet. Die genaue Zahl schwankt je nach Index und Stichtag. Für jedes konkrete Reiseziel sollte man die aktuellen Einreiseregeln des Ziellandes prüfen, statt sich auf Ranglisten zu verlassen.
Wofür der Pass realistisch noch taugt:
- Reservepass: ein zweites Reisedokument für den Fall, dass der eigene Pass verloren geht, eingezogen wird oder in bestimmten Ländern ungünstig ist.
- Staatsangehörigkeit für Personen mit schwachem Erstpass: Für jemanden, dessen Heimatpass kaum Visafreiheit bietet, kann Vanuatu immer noch ein Fortschritt sein. Für Deutsche ist es reisetechnisch ein klarer Rückschritt.
- Weitergabe an Kinder: Die Staatsbürgerschaft wird an Nachkommen vererbt, mit allen Vor- und Nachteilen.
Wofür er nicht taugt:
- Reisen nach Europa und Großbritannien: Für Deutsche irrelevant, da der deutsche Pass ohnehin gilt, für Nicht-EU-Bürger aber der wichtigste Wertverlust.
- Bankkonten: Banken und Fintechs prüfen Staatsbürgerschaften aus Investorenprogrammen inzwischen kritisch. Ein Vanuatu-Pass öffnet keine Konten, die ein deutscher Pass nicht öffnet. Er kann Kontoeröffnungen sogar erschweren, weil er als Risikofaktor gilt. Mehr zum Thema Konten außerhalb Deutschlands steht in Auslandskonto außerhalb der EU.
- Steuern: Dazu der nächste Abschnitt.
Was ein deutscher Leser wissen muss
Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 27. Juni 2024 verlieren Deutsche ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr automatisch, wenn sie auf Antrag eine fremde annehmen. Die frühere Beibehaltungsgenehmigung ist damit entfallen. Vanuatu selbst erlaubt die doppelte Staatsangehörigkeit. Das Thema ist ausführlich im Artikel Doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsche erklärt.
Steuerlich ändert ein zweiter Pass nichts. Deutschland besteuert nach Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt, nicht nach Staatsangehörigkeit. Wer in Deutschland wohnt, bleibt unbeschränkt steuerpflichtig, egal wie viele Pässe er besitzt. Eine Steuerersparnis entsteht nur durch einen echten Wegzug mit einer neuen Residenz, und das ist eine ganz andere Frage. Wie die Residenzwege aussehen, steht im Überblick Plan B: Wohnsitz-Optionen. Wie das im eigenen Fall ausgeht, hängt von den Einzelheiten ab und gehört zu einem Berater, der Staatsangehörigkeits- und Steuerrecht kennt.
Die Risiken, die in keiner Preisliste stehen
- Weitere Einschränkungen: Die Visafreiheit kann auch in anderen Ländern wegfallen. Die EU und Großbritannien haben gezeigt, dass das schnell gehen kann.
- Widerruf: Eine Staatsbürgerschaft, die auf falschen oder unvollständigen Angaben beruht, kann widerrufen werden. Die Spende ist dann verloren.
- Regeländerungen ohne Vorlauf: Gebühren, Pflichtunterlagen und ausgeschlossene Nationalitäten haben sich 2025 und 2026 mehrfach geändert. Was ein Agent vor sechs Monaten zugesagt hat, kann heute anders sein.
- Agentenrisiko: Die Spende ist nicht rückzahlbar. Wer an einen unseriösen Vermittler zahlt, hat im Zweifel weder Geld noch Pass.
Fazit
Vanuatu ist immer noch der günstigste und schnellste Weg zu einer zweiten Staatsangehörigkeit, und das Verfahren läuft vollständig aus der Ferne. Aber das Hauptargument, mit dem der Pass jahrelang verkauft wurde, gibt es nicht mehr: Seit Februar 2023 braucht jeder Vanuatuer ein Schengen-Visum, seit Februar 2025 ist das dauerhaft, und Großbritannien verlangt seit Juli 2023 ebenfalls ein Visum. Für Deutsche ist der Pass reisetechnisch ein Rückschritt und steuerlich wirkungslos. Sinnvoll ist er allenfalls als günstiger Reservepass für jemanden, der genau weiß, wofür er ihn braucht, und der mit 140.000 Dollar oder mehr für eine Einzelperson rechnet, nicht mit 130.000.


