
Inhalt
- Die zwei Wege zur Staatsbürgerschaft in Grenada
- Was es wirklich kostet: Gebühren und Familie
- Ablauf, Prüfung und Bearbeitungszeit
- Was sich 2026 ändert: ECCIRA und die 30-Tage-Pflicht
- Grenada und das E-2-Visum: der Vertrag von 1989
- Die US-Regel von 2022: drei Jahre Wohnsitz in Grenada
- Was das E-2 danach verlangt
- Visumfreie Einreise und der China-Faktor
- US-Kredit: was Grenada damit zu tun hat
- Für wen sich Grenada trotzdem lohnt
- Fazit
Grenada hat in der Welt der gekauften Pässe einen Sonderstatus. Von den fünf karibischen Staaten mit Citizenship-by-Investment-Programm ist es der einzige, mit dem die USA einen Vertrag haben, der das E-2-Investorenvisum ermöglicht. Daraus ist über Jahre ein Standardpaket geworden: Pass aus Grenada kaufen, US-Firma gründen, E-2 beantragen, in den USA leben und arbeiten. Für Staatsangehörige von Ländern ohne E-2-Vertrag, etwa China, Indien, Russland oder Brasilien, war das lange der kürzeste legale Weg zu einem US-Aufenthalt mit Arbeitsrecht.
Dieser Artikel erklärt, wie das Grenada-Programm 2026 funktioniert, was es kostet und warum das E-2-Paket seit einer US-Gesetzesänderung von Ende 2022 nicht mehr so funktioniert, wie es viele Anbieter noch beschreiben. Für deutsche Leser kommt eine einfache Pointe dazu, die gleich vorweg gesagt sei: Deutschland ist selbst E-2-Vertragsstaat. Wer einen deutschen Pass hat, braucht Grenada für das E-2-Visum nicht. Wie Zweitpässe allgemein einzuordnen sind, steht im Überblick Zweitpass kaufen: Staatsbürgerschaft durch Investition.
Die zwei Wege zur Staatsbürgerschaft in Grenada
Zuständig ist die Investment Migration Agency (IMA) Grenada, die das Programm auf Grundlage des Citizenship by Investment Act von 2013 verwaltet. Anträge gehen nie direkt an die Behörde, sondern immer über einen zugelassenen Local Agent, den man über einen ebenfalls zugelassenen internationalen Marketing Agent erreicht. Das Geld läuft über ein Treuhandkonto des Local Agent. Die IMA nennt zwei Investitionswege:
- Spende an den National Transformation Fund (NTF): eine einmalige, nicht rückzahlbare Zahlung an einen Staatsfonds, der Entwicklungsprojekte finanziert. Laut IMA Grenada beträgt die Mindestsumme 235.000 US-Dollar, und dieser Betrag gilt für einen Einzelantragsteller genauso wie für eine Familie bis vier Personen.
- Investition in ein genehmigtes Projekt: in der Praxis fast immer Anteile an Hotels, Resorts oder Villenanlagen, die der Minister im Amtsblatt genehmigt hat. Die IMA nennt zwei Schwellen, 270.000 und 350.000 US-Dollar, je nach Art der Beteiligung. Dazu kommt eine nicht rückzahlbare Regierungsabgabe von 50.000 US-Dollar.
Die Projektinvestition klingt nach Vermögensanlage, ist aber selten eine gute. Die Preise solcher Anteile sind auf die Zielgruppe der Passkäufer zugeschnitten, und beim späteren Verkauf konkurriert man mit anderen Investoren, die denselben Weg gegangen sind. Wer die Investition nicht als Immobilie, sondern als Kosten des Passes rechnet, liegt meist näher an der Wirklichkeit.
Was es wirklich kostet: Gebühren und Familie
Die 235.000 Dollar sind der Einstiegspreis, nicht der Endpreis. Die offizielle Gebührentabelle der IMA sieht für den NTF-Weg zusätzlich vor:
- Antragsgebühr: 1.500 Dollar pro Person.
- Due-Diligence-Gebühr: 5.000 Dollar pro Person ab 17 Jahren, Kinder bis 16 zahlen nichts. Die FAQ-Seite der IMA nennt an anderer Stelle 6.000 Dollar. Welcher Wert gilt, sollte man sich vom Agenten schriftlich bestätigen lassen.
- Bearbeitungsgebühr: 1.500 Dollar pro Person ab 17 Jahren, 500 Dollar für Jüngere.
- Interviewgebühr: 1.000 Dollar pro Person ab 17 Jahren, inklusive eines nicht mitantragenden Ehepartners.
Ein Einzelantragsteller kommt damit auf rund 244.000 Dollar an staatlichen Zahlungen. Ein Paar mit zwei Kindern unter 17 liegt bei etwa 257.000 Dollar. Dazu kommen die Honorare von Local Agent und Marketing Agent, die nicht staatlich festgelegt sind und oft im fünfstelligen Bereich liegen, sowie Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen und das ärztliche Attest.
Teurer wird es bei größeren Familien. Ab dem vierten Familienmitglied kostet jedes weitere 25.000 oder 50.000 Dollar zusätzlich, ein Geschwisterteil 75.000 Dollar. Eltern, Großeltern und Geschwister im Alter bis 55 Jahre sind auch in der Vierergruppe nicht automatisch enthalten. Wer die Familie breit mitnehmen will, sollte die Rechnung früh mit dem Agenten durchgehen.
Ablauf, Prüfung und Bearbeitungszeit
Das Verfahren läuft in fünf Schritten, alles über die Agenten:
- Auswahl eines zugelassenen Marketing Agent, der einen Local Agent einschaltet.
- Zusammenstellen der Unterlagen: Formulare, ärztliches Attest, Führungszeugnisse, Vermögens- und Herkunftsnachweise, alles auf Englisch und beglaubigt. Beim Projektweg kommt ein Kaufvertrag dazu.
- Einreichung beim Citizenship by Investment Committee und ein verpflichtendes Online-Interview.
- Due-Diligence-Prüfung durch externe Dienstleister, danach Empfehlung des Komitees und Entscheidung des Ministers.
- Erst nach der Zusage wird die Spende gezahlt oder der Kauf vollzogen. Danach folgen die Einbürgerungsurkunde und der Passantrag.
Die IMA gibt als Ziel eine Entscheidung innerhalb von 60 Arbeitstagen nach vollständiger Einreichung an, abhängig von der Prüfung. Ein Expressverfahren gibt es ausdrücklich nicht. Abgelehnt wird unter anderem, wer falsche Angaben macht, wegen einer Straftat mit mehr als sechs Monaten Höchststrafe verurteilt wurde, gegen wen ermittelt wird oder wer ein Visum eines Landes verweigert bekam, in das Grenada visumfrei reisen darf, ohne es später doch erhalten zu haben. Bezahlte Gebühren werden in keinem Fall erstattet.
Was sich 2026 ändert: ECCIRA und die 30-Tage-Pflicht
Bisher musste man Grenada nach Auskunft der IMA weder vor noch nach dem Antrag besuchen. Das soll sich ändern. Im Juli 2026 hat die Regierung den Grenada Citizenship by Investment (Amendment) Bill 2026 ins Parlament eingebracht. Er bindet das Programm an die neue regionale Aufsicht ECCIRA (Eastern Caribbean Citizenship by Investment Regulatory Authority), die die fünf Programmstaaten 2025 vereinbart haben und die ihren Sitz in Grenada haben soll. Inhaltlich bringt der Entwurf vor allem:
- Anwesenheitspflicht: Hauptantragsteller und Angehörige sollen in den ersten fünf Kalenderjahren nach der Einbürgerung zusammen mindestens 30 Tage in Grenada verbringen, jede Person mindestens fünf Tage im ersten Jahr.
- Integrationsprogramm: Staatskunde, kulturelle Orientierung und ein Interview.
- Kürzere Pässe: Der erste Pass soll fünf Jahre gelten, die Verlängerung auf zehn Jahre nur nach nachgewiesener Erfüllung. Wer die Pflichten ohne triftigen Grund verfehlt, riskiert ein Verfahren zum Entzug der Staatsbürgerschaft.
Nach Berichten von IMI Daily kann der Minister die Regeln auch auf bereits laufende Anträge anwenden. Stand Oktober 2026 ist offen, wann das Gesetz in Kraft tritt: Es braucht eine Verordnung des Ministers, und der Start von ECCIRA hat sich mehrfach verschoben. Wer heute beantragt, sollte mit der 30-Tage-Pflicht rechnen.
Dazu kommt der Druck aus Brüssel. Nach Angaben der Regierung von Antigua und Barbuda hat die EU-Kommission im Juni 2026 alle fünf karibischen Programmstaaten, Grenada eingeschlossen, aufgefordert, ihre Programme bis Juni 2028 auslaufen zu lassen. Hebel ist der verschärfte Visa-Aussetzungsmechanismus, über den die EU die Visumfreiheit für Vanuatu bereits ausgesetzt hat. Die visumfreie Einreise in den Schengenraum ist für einen Grenada-Pass deshalb ein Vorteil auf Widerruf.
Grenada und das E-2-Visum: der Vertrag von 1989
Das E-2-Visum ist ein Aufenthaltstitel für Investoren, die ein eigenes Unternehmen in den USA aufbauen und leiten. Es steht nur Staatsangehörigen von Ländern offen, mit denen die USA einen Handels- oder Investitionsvertrag haben. Das US-Außenministerium führt Grenada in seiner Liste mit einem E-2-Vertrag seit dem 3. März 1989. Für die anderen karibischen Programmländer gibt es keinen solchen Vertrag.
Entscheidend ist die Staatsangehörigkeit, nicht der Wohnsitz. Das gilt in beide Richtungen: Ein Aufenthaltstitel in einem Vertragsstaat hilft nicht, wie das Beispiel der Bahamas zeigt, die kein Vertragsstaat sind (dazu der Artikel Bahamas-Residency und US-Kredit). Eine Staatsangehörigkeit dagegen zählte lange unabhängig davon, wo man lebte. Bei einer Firma kommt es auf die Nationalität der Eigentümer an: Mindestens 50 Prozent müssen in der Hand von Staatsangehörigen des Vertragsstaats liegen. Genau darauf baute das Grenada-Modell.
Die US-Regel von 2022: drei Jahre Wohnsitz in Grenada
Diese Lücke haben die USA geschlossen. Mit Abschnitt 5902 des National Defense Authorization Act für das Haushaltsjahr 2023, unterzeichnet im Dezember 2022 und oft nach seinem Ursprung als AMIGOS Act bezeichnet, wurde die E-Visa-Definition im Einwanderungsgesetz (8 U.S.C. 1101(a)(15)(E)) geändert. Wer seine Staatsangehörigkeit durch eine finanzielle Investition erworben hat und noch nie einen E-Status hatte, muss seitdem vor dem Antrag mindestens drei Jahre ununterbrochen in diesem Staat seinen Wohnsitz (domicile) gehabt haben.
Was das praktisch bedeutet:
- Der schnelle Weg ist zu. Pass kaufen und ein paar Monate später E-2 beantragen, das geht für Neuantragsteller nicht mehr.
- Domicile heißt Lebensmittelpunkt. Es geht nicht darum, seit drei Jahren einen Pass zu besitzen, sondern drei Jahre tatsächlich in Grenada gelebt zu haben. Wie die Konsulate das im Einzelnen prüfen, hat das Außenministerium nicht in einer öffentlichen Richtlinie präzisiert.
- Es gibt eine Bestandsschutzregel. Die Bedingung greift nur für Personen, denen noch nie ein E-Status gewährt wurde. Wer schon vor der Änderung ein E-2 hatte, ist nicht betroffen.
- Der Rest des Pakets bleibt. Grenada ist weiter Vertragsstaat, und wer die drei Jahre wirklich auf der Insel verbringt, erfüllt die Voraussetzung. Das ist dann aber ein Auswanderungsplan, kein Dokumentenkauf.
Viele Anbieterseiten erwähnen die Regel nur im Kleingedruckten oder gar nicht. Für Interessenten aus Nicht-Vertragsstaaten ist sie der wichtigste einzelne Punkt der ganzen Rechnung.
Was das E-2 danach verlangt
Selbst mit erfüllter Nationalitätsbedingung ist das E-2 kein Selbstläufer. Das Visum verlangt eine substanzielle Investition in ein echtes, operativ tätiges US-Unternehmen. Das Geld muss im Risiko stehen, also tatsächlich ausgegeben oder fest gebunden sein, und aus nachweisbar legaler Quelle stammen. Das Unternehmen darf nicht nur den Lebensunterhalt des Investors sichern, sondern muss einen wirtschaftlichen Beitrag leisten, in der Praxis meist Arbeitsplätze. Und der Investor muss es selbst entwickeln und leiten. Passive Anlagen wie ein vermietetes Haus reichen nicht.
Wie das mit einer US-LLC aussieht, welche Summen Konsulate in der Praxis erwarten und wie der Antrag abläuft, steht im Artikel E-2-Visum über eine US-LLC.
Für Deutsche ist Grenada an dieser Stelle überflüssig: Deutschland ist seit dem 14. Juli 1956 E-2-Vertragsstaat. Der deutsche Pass erfüllt die Nationalitätsvoraussetzung ohne Umweg, ohne 235.000 Dollar und ohne drei Jahre auf der Insel.
Visumfreie Einreise und der China-Faktor
Anbieter werben mit langen Listen visumfreier Länder, die Zahlen schwanken je nach Index. Wichtiger als die Zahl sind einzelne Ziele:
- Schengenraum und Großbritannien: derzeit visumfrei für Kurzaufenthalte, mit dem oben beschriebenen Vorbehalt aus Brüssel.
- China: Das chinesische Außenministerium führt in seiner Liste der Visa-Befreiungsabkommen (Stand Juli 2026) ein Abkommen mit Grenada, das seit dem 10. Juni 2015 auch für gewöhnliche Reisepässe gilt. Unter den Karibikprogrammen ist das ein Alleinstellungsmerkmal, das Grenada vor allem für Geschäftsleute mit China-Bezug interessant macht.
- USA: Grenada ist nicht im Visa Waiver Program. Für Reisen in die USA braucht man ein reguläres Visum. Die US-Proklamation vom Dezember 2025, die Visa für Staatsangehörige von Antigua und Dominica einschränkt, betrifft Grenada nicht.
Für Deutsche ist keiner dieser Punkte ein Gewinn. Der deutsche Pass öffnet mehr Länder und gilt seit Ende 2023 auch in China für Kurzaufenthalte als visumfrei, wenn auch über eine einseitige und befristete Regelung Chinas.
US-Kredit: was Grenada damit zu tun hat
Ein Grenada-Pass erzeugt keine US-Kredithistorie, genauso wenig wie ein deutscher. Den Unterschied macht erst der Aufenthalt. Wer mit E-2 in den USA lebt und für sein Unternehmen arbeitet, kann eine Social Security Number beantragen und baut darüber wie ein Resident Kredit auf. Ohne US-Aufenthalt bleibt für Nicht-Residenten der Weg über eine ITIN, eine US-Adresse, ein US-Bankkonto und idealerweise den Amex Global Transfer. Dieser Weg steht deutschen Staatsbürgern genauso offen, mit oder ohne zweiten Pass.
Für wen sich Grenada trotzdem lohnt
- Für Staatsangehörige von Nicht-Vertragsstaaten, die tatsächlich bereit sind, drei Jahre in Grenada zu leben, bevor sie das E-2 beantragen. Für sie bleibt Grenada ein legaler, wenn auch langsamer Weg.
- Für Menschen mit schwachem Pass, die Reisefreiheit nach Europa, Großbritannien und China suchen und das EU-Risiko einpreisen.
- Nicht für Deutsche als E-2-Abkürzung. Für sie ist der Grenada-Pass höchstens ein Plan-B-Dokument. Seit dem 27. Juni 2024 verlieren Deutsche bei Annahme einer weiteren Staatsangehörigkeit die deutsche nicht mehr automatisch, was den Zweitpass rechtlich einfacher macht. Details im Artikel Doppelte Staatsbürgerschaft: Zweitpass für Deutsche.
- Nicht als Steuerlösung. Die deutsche Steuerpflicht hängt an Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt, nicht am Pass. Ein Grenada-Pass ändert daran nichts.
Wie sich das im eigenen Fall auswirkt, hängt von den Einzelheiten ab und gehört zu einem Anwalt oder Steuerberater, der beide Rechtsordnungen kennt.
Fazit
Grenada verkauft 2026 einen Pass ab 235.000 Dollar Spende, real eher 245.000 bis 260.000 Dollar mit Gebühren, und bald voraussichtlich mit 30 Tagen Anwesenheitspflicht, einem Integrationsprogramm und einer ungewissen Zukunft der Schengen-Visumfreiheit. Der E-2-Vertrag ist weiterhin das stärkste Argument, aber die US-Regel von 2022 hat ihn für Neukäufer an drei Jahre echten Wohnsitz in Grenada gebunden. Damit ist aus dem schnellen Paket ein langer Auswanderungsplan geworden. Für deutsche Staatsbürger lautet die Antwort noch einfacher: Das E-2 steht ihnen mit dem eigenen Pass offen, und für US-Kredit zählt ohnehin nicht die Nationalität, sondern ITIN, Adresse, Bankbeziehung und Zahlungshistorie.


