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CENTURION

Lounge on the Go: Zehn Essensgutscheine statt First Class Lounge

ChristianChristian··5 min read
Lounge on the Go: Zehn Essensgutscheine statt First Class Lounge

Zwölf Tage nach der Nachricht, dass American Express die Lufthansa-Lounges zum 1. Oktober streicht, steht der Ersatz fest. Er heißt Lounge on the Go, und er ist genau das, wonach der Name klingt: ein Essensgutschein.

Für Centurion-Mitglieder sind es 10 x 50 Euro, einlösbar zwischen dem 1. Oktober 2026 und dem 31. März 2027, bei über 30 Partnern an den Flughäfen Frankfurt und München. Nominal 500 Euro. Das ist die Zahl, die in der Ankündigung steht, und sie ist der freundlichste mögliche Weg, diesen Vorteil zu beschreiben.

Was angekündigt ist

  • 10 Voucher à 50 Euro im Einlösezeitraum 1.10.2026 bis 31.3.2027
  • Bis zu zwei Einlösungen pro Tag
  • Über 30 Partner, ausschließlich an den Flughäfen Frankfurt und München
  • Hauptkarte und Zusatzkarte teilen sich das Guthaben — ein Topf, nicht ein Kontingent pro Karte
  • Einlösung nur über die Experiences App: Voucher aufrufen, QR-Code scannen lassen
  • Start am 1. Oktober, exakt an dem Tag, an dem der Lounge-Zugang endet

Welche Partner das sind, steht nicht in der Ankündigung. Das erfährt man zum Start in der App.

Warum 500 Euro hier keine 500 Euro sind

Der Betrag ist kein Guthaben, über das du verfügst. Er ist eine Kette von Bedingungen, und jede einzelne schneidet ein Stück ab.

Er ist in Zehntel geschnitten. 50 Euro pro Einlösung, nicht kumulierbar. Wer für 70 Euro isst, zahlt drauf. Wer für 22 Euro isst, lässt 28 Euro liegen. Ob Amex Restbeträge gutschreibt, steht nirgends — Voucher funktionieren üblicherweise nicht so.

Er gilt an zwei Flughäfen. Wer ab Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Wien oder Zürich fliegt, verliert den Lounge-Zugang und bekommt dafür exakt nichts. Das ist die stille Gruppe in dieser Ankündigung, und sie ist nicht klein.

Er verlangt zehn Abflüge. Nicht zehn Reisen irgendwann, sondern zehn Abflüge in genau diesen sechs Monaten, über genau diese zwei Flughäfen, mit genug Zeit und Appetit vor dem Gate. Wer sechsmal fliegt, hebt sechs Voucher, nicht zehn.

Er wird geteilt. Haupt- und Zusatzkarte schöpfen aus demselben Topf. Ein Paar, das gemeinsam reist, halbiert die Reichweite auf fünf Gelegenheiten.

Er läuft ab. Am 31. März 2027 ist Schluss. Was danach kommt, steht nicht da.

Rechne das nüchtern durch: Ein Vielflieger mit sechs bis acht Abflügen ab Frankfurt in diesem Halbjahr, der nicht jedes Mal die vollen 50 Euro verzehrt, landet realistisch bei 250 bis 350 Euro tatsächlichem Gegenwert. Gemessen an einer Jahresgebühr von 5.000 Euro ist das ein Rundungsfehler.

Innenraum der Lufthansa First Class Lounge in Frankfurt

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Der Vergleich mit Platinum — und was er verrät

Platinum- und Business-Platinum-Inhaber bekommen 6 x 20 Euro, also 120 Euro, im selben Zeitraum, bei denselben Partnern, mit derselben geteilten Kasse. Centurion bekommt gut das Vierfache.

Das klingt zunächst nach Wertschätzung. Interessant ist es aus einem anderen Grund: Es beweist, dass Amex staffeln kann, wenn Amex staffeln will.

Denn das Reiseguthaben über Amex Travel liegt bei Centurion bei denselben 200 Euro wie bei Platinum. Nicht skaliert. Die Platinum kostet 720 Euro im Jahr, die Centurion ein Vielfaches davon — und bei dem einen Guthaben, das praktisch jeder Karteninhaber zuverlässig ausschöpft, sind beide Karten gleich viel wert. Beim Restaurant- und beim Lodenfrey-Guthaben dasselbe Bild.

Wenn bei einem befristeten Sechs-Monats-Gutschein plötzlich ein Verhältnis von vier zu eins möglich ist, dann ist die fehlende Staffelung überall sonst keine technische Grenze. Sie ist eine Entscheidung. Und sie fällt seit Jahren gegen den Centurion-Inhaber aus. Mehr dazu im ehrlichen Vergleich der beiden Karten.

Sechs Monate gegen einen Dauerzustand

Der Lufthansa-Zugang war kein Kontingent. Er war ein Zustand: Karte zücken, Tür geht auf, bei jedem Abflug, unabhängig von der gebuchten Klasse. Kein Zählwerk, kein Ablaufdatum, keine App.

Lounge on the Go ist ein Halbjahresprogramm mit Stückzahl. Ein Dauervorteil wird durch einen Pilotversuch ersetzt, und das Ende ist bereits eingebaut. Solange in keiner Mail etwas anderes steht, lese ich das als Überbrückung des ersten Winters ohne Lufthansa — nicht als neuen ständigen Kartenvorteil.

Was ehrlicherweise dafür spricht

Zwei Dinge, sonst wäre der Text unfair.

50 Euro pro Einlösung sind viel. Ein Essen mit Getränk im Frankfurter Terminal kostet selten so viel, und wer zu zweit unterwegs ist, deckt mit einem Voucher realistisch beide ab.

Und für kurze Aufenthalte ist es sogar praktischer. 40 Minuten bis zum Boarding, ein Voucher am nächsten Tresen, kein Marsch quer durch den Terminal und wieder zurück. Wer ohnehin nie lange genug für eine Lounge hatte, verliert wenig und gewinnt ein Mittagessen.

Nur ist das nicht die Gruppe, die diese Karte wegen der First Class Lounge hielt.

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Was hier wirklich getauscht wird

Der ehrliche Vergleich ist nicht "500 Euro gegen nichts", sondern "500 Euro gegen einen Raum".

Der Wert eines Lounge-Zugangs bestand nie aus dem Teller. Er bestand daraus, vor dem Flug an einem Ort zu sitzen, an dem sonst niemand sitzt. Kein Gutschein kauft Ruhe im Terminal. Du bekommst jetzt Geld und sitzt damit dort, wo alle sitzen — an einem Tisch, den du nicht ausgesucht hast, zu Preisen, die niemand für dich verhandelt hat.

Wer den ruhigen Raum weiter braucht, bleibt in Frankfurt beim Fraport VIP Service, der in der Mitgliedschaft mehrfach im Jahr enthalten ist, oder beim Priority Pass — eine Klasse darunter, dafür ohne Zählwerk. Was in Frankfurt sonst noch geht, steht im Premium-Guide für den Flughafen.

Das Muster ist inzwischen deutlich

Innerhalb von zwei Jahren sind der Emirates Gold Status, das Net-a-Porter-Guthaben, das Valet Parking, der Chip im Prada SmartBand und nun der Lounge-Zugang verschwunden.

Was geht, sind Vorteile mit einem festen Ort in der Wirklichkeit: eine Tür, ein Parkplatz, ein Status, den jemand anderes erkennt. Was nachkommt, sind Guthaben, die man in einer App aufruft, scannen lässt und innerhalb eines Zeitfensters verbraucht. Das ist billiger zu betreiben, exakt zu deckeln und leise wieder einzustellen — ein Zeitfenster muss man nicht streichen, es läuft von selbst aus.

Die Jahresgebühr ist bei alldem nie gesunken.

Was du jetzt tun solltest

Installier die Experiences App, bevor du sie brauchst. Der Voucher existiert nur dort, und der 1. Oktober am Gate ist ein schlechter Zeitpunkt für ein Passwort-Reset.

Und nutze bis dahin, was noch da ist. Bis zum 30. September öffnet die Centurion Card die First Lounges in Frankfurt und München weiterhin unabhängig von der gebuchten Klasse. Das sind noch gut fünf Wochen.

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Mein Fazit

Amex hat schnell reagiert, und 500 Euro nominal sind mehr, als viele erwartet hatten. Das ist das Beste, was sich darüber sagen lässt.

Gestrichen wurde ein Vorteil, der jeden einzelnen Abflug betraf. Nachgereicht wird einer, der zehn Mahlzeiten an zwei Flughäfen in einem halben Jahr betrifft, geteilt mit der Zusatzkarte und mit eingebautem Verfallsdatum. Das ist kein Ersatz. Das ist eine Abfindung, ausgezahlt in Essensmarken.

Wer die Karte wegen des Lounge-Zugangs gehalten hat, sollte die Kostenrechnung noch einmal aufmachen. Die Antwort fällt in diesem Jahr anders aus als im letzten.

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